Dies sind die gesammelten Werke unserer  kleinen Fahrradtour.





28.02.2004, 13:53 Uhr | astrid in satzkorn  
 

...jungfräulich erscheint der weisse hintergrund vor meinem auge, das tagebuch.....heute wirds eröffnet, als lagerplatz der vielen eindrücke, gedanken und spinnereien, die uns wahrscheinlich die nächste zeit durch den kopf schwirren werden..... fängt eigentlich schon jetzt an, das schwirren des kopfes, in den letzten tagen ist der countdown zur ultimativen fahrrad-wie-manche-sagen-bekloppten-tour angelaufen. ein kleiner schritt für andere...ein grosser für uns...bla. die visa sind endlich, schier in lezter sekunde beantragt, wir mussten lange auf die notwendige einladung aus russland warten, und wenn die Damen und Herren der russischen botschaft ein einsehen haben, können wir am dienstag die visa in empfang nehmen...daumen drücken.... meine letzten tage habe ich hauptsächlich packenderweis verbracht, mein zimmer musste dem nachmieter zugänglich gemacht werden, was sich bei meinem wust als nicht einfach herausstellte,aber auch das ist vollbracht. inzwischen sind wir in die schrauberphase übergegangen, heisst, daß wir nun nocheinmal alles was nicht niet- und nagerfest ist an unseren rädern prüfen, aus-, um- oder wegbauen und sich mir damit auch ein neues berufsfeld öffnet....wenn ich später mal keinen job finde, ich werd fahrrad-klempnerin, kann ich dann auch....marvin und forrest schnauben schon vor ungeduld und stehen morgens schon laut winselnd an der tür, mit der frage in den grossen treu blickenden lampen, wanns denn endlich losgeht.....nur ruhig blut, es geht bald los............. es geht bald los!!!!


03.03.2004, 11:33 Uhr | Oli in Satzkorn  
 

Nun ist es soweit, wir befinden uns zeitlich gesehen am Vorabend der Abreise. Die Spannung erreicht solangsam den Höhepunkt. Die letzten Tage waren sehr angefüllt mit vielen kleinen Sachen an die man noch denken muß, als Beleuchter zu arbeiten und drei LKW's mit zweitausend Einzelteilen zu verwalten ist ein Klacks dagegen. Ab morgen wird sich diese Sinuskurve mit den höchsen Amplituden in eine lange Gerade verwandeln. Oder !? Gestern gab es die Visa - sehr lustig seinen Namen in kyrillischen Buchstaben zu sehen (es gibt kein ü und kein h). Jetzt heißt es nur noch die Wohnung aufräumen, was durchaus keine leichte Aufgabe darstellt, gedenk des Troubles der letzten Tage. Das Ganze hat den Charme eines Epizentrums von einem mittleren Erdbeben.


04.03.2004, 08:50 Uhr | astrid und oli in satzkorn  
 

...heute morgen, strahlender sonnenschein und -4 grad celsius....im radio schrammelt jemand"you can go your own way"...na, det is ja mal ein einstieg!der adrenalinpegel hat sich bei entspannten 2430% eingependelt...wir packen die letzten kleinigkeiten, und beide gehen wir wahrscheinlich ständig im kopf unsere "ja-nicht-vergessen-liste" durch...der plan für heute heisst komm erstmal durch berlin durch, dort werden wir natürlich die hiesigen sehenswürdigkeiten bestaunen, foto am brandenburger tor usw., die üblichen verrichtungen eines wahren touristen halt,und dann......schaun wir mal...... wir wünschen euch allen das allerbeste, und bleibt tapfer, aufrecht und fröhlich


12.03.2004, 13:08 Uhr | Oli in Grudziadz/Polen  
 

Wir sind jetzt 8 Tage unterwegs und etwa 500 km liegen hinter uns. Unsere erste Sehenswuerdigkeit, die wir besichtigt haben war natuerlich das Brandenburger Tor. Auch muessen wir vom Minimalismus verwoehnten uns erst an die grosse Last auf den Fahrraedern gewoehnen. "Ups, langer Bremsweg !" kams von Astrid, als sie mir hinten drauffuhr. Ist aber nichts passiert. Kalt ist es schon, aber die Investition in die Schlafsaecke hat sich schon mehr als ausgezahlt. Wir haben nachts nicht gefroren. Die letzten drei Tage waren sehr zermuerbend angesichts des strengen Ostwindes, der uns partout wieder nach Hause treiben will. Aber, die Sonne scheint , wir sind guter Dinge...... Stay tuned, Oli


12.03.2004, 13:32 Uhr | Astrid in Grudziadz/Polen  
 

Was issn los? fragt mich die kleine spassige zeile ueber dem tagebucheintragskaestchen....und ich frag zurueck, ja wat issn eigentlich los? das ist los, seit 8 tagen kaelte, seit 8 tagen fahrradfaheren, aber nicht, wie mans gewohnt ist, mit ca. 20kmh, nein laeppische 16 kmh sinds, wenns hochkommt, und der nicht enden wollende wind es zulaesst. das gepaeck zieht hinten, das gepaeck zieht vorne, und wohin es zieht, ich hab den eindruck, garantiert nie in die richtung in dies mich zieht..... unser tagesablauf gestaltet sich etwa so: morgens:aufwachen, zelt aufmachen, rausgucken....brrrr....zelt wieder zu....mein gedanke dann:" oh herr, wie schoen, dass du einem weisen mann die eingebung gegoennt hast, wie er warme schlafsaecke und unterhosen herzustellen hat."....dann, vorsichtiger blick zur ebenfalls eiszapfenbewaehrter nase neben mir "wollen wir wirklich aufstehen, warn doch gestern schon draussen?".... wat mut, dat mut....naechster schritt....knotenmutter hilf uns, das anziehen im schlafsack, wie schaffe ich es, in kuerzester zeit, moeglichst ohne temperaturabfall mich um- und anzuziehen? das stimmt aber so nicht ganz, denn wir schlafen sowieso immer in voller montur....is waermer. gut, also dann, zelt abbauen....kleine aufgabe an euch, versucht mal ein zelt mit handschuhen an abzubauen....spassig wa? und das ist noch nicht alles, abends ist es immer noch genauso nass, wie morgens, wenn mans eingepackt hat, lustige kleine herstellerfinten das sind. na, allmaehlich haben wirs dann auch rotznasig und kaltfuessig aufs rad geschafft und es geht los....praemisse: so schnell, wie glatteis, diverse kleinere schneestuerme und unsere eingefrorenen schaltungen es zulassen....die 500 bis 50000 meter bis zur naechsten tankstelle, die mit einem kleinen glorienschein umgeben uns den nahenden kaffeegenuss anpreist. die naechsten schritte: fahrraeder fallen lassen, nicht mehr drum kuemmern, rein ins getuemmel und kaffee literweise saufen bis die kalten fuesse wieder warm sind, dabei die hiesige landbevoelkerung betrachten, die sich froehlichst schon am morgen mit wodka ordentlich einen hinter die binde giessen, nettes volk... vor einigen tagen hat oli den ersten halberfrorenen marienkaefer gefunden, sein freudiger ausruf "jetzt ist der fruehling nicht mehr weit, ich habs im urin" verpuffte ungehoert im wind.....fruehling, was issn das? und dann die staendigen explosionen beim anfeuern des kleinen benzinkochers, tragen auch zu unser aller erheiterung bei....wir kreieren von tag zu tag immer neue gaumenfreuden, nudeln mit tomaten und moehren und zwiebeln, reis mit demselben quatsch, am naechsten tag wieder nudeln, dann reis, dann....na, wisst ihrs?..... das waren die tage bisher, wir verlieren den spass nicht und freuen uns jeden tag neu auf den fruehling, der ja bald mal kommen wird.... seid alle gegruesst astrid


16.03.2004, 11:34 Uhr | Astrid in Ketrzyn im schoenen Masuren  
 

Na, da haben wir doch wieder ein internetcafechen gefunden, und das gar nicht mal so lange zeit nach dem letzten login.... waren schon ganz heiss darauf, die neuesten eintraege zu lesen!! was gibt es nun bei uns zu erzaehlen...? der fruehling ist immer noch nicht da, obwohl es inzwischen niederschlagsmaessig von schnee auf regen gewechselt ist......toll. erste zoologische untersuchungen haben ergeben, dass sich inzwischen was in der insektenwelt tut....die kleinen fiesen biester, wie spinnen und muecken werden langsam wach und treffen sich alle zum kaffeeklatsch in unserem zelt um sich froehlich von der decke baumeln zu lassen. auch toll... es geht ausserdem langsam dem ende unseres polenaufenthaltes zu, gestern hab ich gemerkt, dass wir schon ganz nah an der litauischen grenze sind...man, da merkt man erstmal, wie die zeit verfliegt, und dass wir trotz gegenwind und anderer wiedrigkeiten doch ganz schoen schnell durch die lande kommt....kommt mir vor, als waeren wir erst vor kurzem ueber die deutsch-polnische grenze druebergehuepft und jetzt das...die naechste grenze in sichtweite und dann ist ja auch bald schon russland da. die letzten tage waren ausgefuellt mit wind und regen, unsere regenklamotten halten dicht, gut das zu wissen, nur die handschuhe haben nach kurzer zeit den geist aufgegeben, warm aber nass war die devise. langsam schleicht sich auch im abendlichen tagesablauf die routine ein, zuerst heissts schlafplatz suchen, dabei schlagen wir uns irgendwo einfach ins gebuesch, bleiben drunter sitzen und hoffen, dass uns da niemand entdeckt...hat bisher immer geklappt. dann zelt aufbauen, sind dabei inzwischen schon recht fix bei der hand, dieses auch ein wenig trocknen lassen, ihr erinnert euch, wir packen es immer naesslich ein, fahrrad schrauben, jeden abend wird die kette geoelt und diverser kleinscheiss gefrickelt....und dann das, fuer mich, wichtigste....ESSEN.... dank benzinkocher meist ein warmes sueppchen, bei dem die nase laeuft, dass es eine freude ist.... dann ins bett...aus.tschuess


16.03.2004, 11:53 Uhr | Oli in Ketrzyn / Polen  
 

Welch ein Glueck, der Gegenwind hat nachgelassen bzw. heute ist sogar Rueckenwind. Wind aus Westen ..... naja es regnet. Noch ein Wort zu Polen........vielerorts fuehle ich mich sehr stark errinnert an die DDR. Sei es die alten Ostautos, die hier immer noch wieder repariert und gefahren werden, oder die Schulklasse, die ordentlich in Zweierreihe die Landstrasse entlang wandert. Da moechte man gleich ein froehliches Pionierlied anstimmen. Aber die Zeiten aendern sich auch hier. Im Restaurancja "Kosmos" nebenan, mit der 40 Jahre dicken Patina auf dem Gebauede, wird jetzt Diner Kebab feilgeboten. Die meisten Fabriken stehen leer, nur noch der Schornstein erfuellt die Funktion eines Mobilfunkmastes. Neben den kleinen Tante Emmalaeden, die es immer noch in jedem Dorf gibt gesellen sich langsam grosse deutsche und franzoesische Supermarktketten hinzu. Sehr lustig auch die Kioske in Staedten, die es ja bei uns kaum noch gibt. Nun bin ich schon gespannt wie es wohl in Litauen aussieht. Zwischen uns laeuft eine Wette: wer zuerst eine aufgegangene Knospe oder einen Frueblueher (zum Bsp. Krokuss) sieht, hat gewonnen und darf im Hotel schlafen, waehrend der andere davor im Zelt uebernachten darf. Wir verhandeln noch........... Jetzt erstmal raus und weiterpedalen....


17.03.2004, 18:27 Uhr | Oli in Suwalki / Polen  
 

Ja es ist nass. Den ganzen Tag sind wir durch eine dicke Nebelwand gefahren. Das ging recht fix denn die Stassen waren gut, und ausserdem muss man sich nicht auf die Landschaft konzentrieren. Sichtweite 50 Meter. Ja, heute war die Srasse gut, aber das ist nicht immer so. Da wir versuchen dem Autoverkehr moeglichst aus dem Wege zu gehen benutzen wir hauptsaechlich zweitrangige Stassen,die oft auch zweitrangig vom lokalen Strassenbauministerium behandelt werden. Gestern abend hatten wir dafuer einen erstrangigen Zeltplatz, etwas erhoeht mit unverbautem Blick auf einen dieser masurischen Seen. Um das Ganze noch zu komplettieren uebertrafen wir uns selber in punkto Kochen. Es gab Nudeln alla Frutti di Mare. Die Frutti waren zwar aus der Dose, aber das stoerte uns herzlich wenig. Der Ausklang des Abendprogramms wurde von dem Nachrichtensprecher des Deutschlandfunks (Mittelwelle 1422 kHz) gestaltet.


17.03.2004, 18:46 Uhr | Astrid in Suwalki / Polen  
 

Ich bin heut als zweites dran mit dem schreiben, und da sich mein vielgeschaetzter partner und mitradler jetzt ausgiebig mit den technischen und kulinarischen details zu worte gemeldet hat, will ich nun die klimatischen und, auf vielfachen wunsch hin, die hygienischen bedingungen naeher erlaeutern.... zum einen, nein, wir haben noch keine 15, 16, 19 oder 20 grad celsius zu verbuchen, aber es freut uns doch, zu hoeren, dass ihr im westen in euren liegestuehlen luemmelt und wahrscheinlich schon die ersten kaltschalen zu euch nehmt, locker bekleidet und halb durchgebraeunt...schoen, schoen.....koennt ihr euch eigentlich vorstellen, mit welch sehnsuechtigen blicken wir gen himmel schauen und uns immer wieder leise in den schlaf murmeln "der fruehling kommt, der fruehling kommt bald, bald wird es waermer, ich kann es fuehlen....jaaaaaaa...." und dann sind wir eingeschlafen und am naechsten morgen regnet es..... heute hatten wir dafuer aber mal KEINEN gegenwind, das ist doch schonmal was, auch wenns dafuer den ganzen tag vor sich hingenieselt hat, aber das faellt dann ja nicht mehr so ins gewicht. top 2...hygiene.......?....duschen.......? mir faellt da so eine kleine episode mit fahrplaenen im hintersten pusemuckel ein: montags-ja, dienstags und mittwochs-wenns passt, die anderen tage-nie..... laut gut gefuehrten tagebuechern lassen sich nur zwei termine ausmachen, an denen wir in den genuss einer dusche gekommen sind....das war vor ungefaehr 4 tagen und wird heute ebenfalls der fall sein.....ist doch nicht zu verachten... nicht umsonst haben wir unser zelt samt inhalt in "alfred-brehm-haus" umbenannt, fuer die nichteingeweihten: das raubtierhaus im ostberliner tiergarten erfreut sich ebenfalls dieses namens. aber bekommt ja sonst keiner mit, mein leicht schamrotes gesicht hat, laut oli wenigstens jetzt die tiefe winterblaesse verloren. dafuer schwelgen wir jetzt gleich erstmal, werden eine mega-pizza einfuehren, dazu ein, zwei, vielleicht auch drei glaeser des hiesigen gerstensaftes zu uns nehmen und dann........duuuuuuschen :-) bis zum naechsten mal, live, und in schwarz-weiss...wird allerdings wahrscheinlich etwas dauern, da wir, wenn wir tatsaechlich morgen frueh uns unter der dusche herauswinden koennen, in litauen einreisen werden....was da so an internetz-moeglichkeiten auf uns zukommt, weiss der himmel, und der ist bewoelkt.....


17.03.2004, 18:52 Uhr | Oli in Suwalki / Polen  
 

************* RICHTIGSTELLUNG ************** Die Explosionen rund um den Benzinkocher haben deutlich nachgelassen und Wimpern habe ich auch noch. Inzwischen bin ich auch hoch erfreut ueber diese Anschaffung, denn sie funktioniert nicht nur gut sondern ist auch sehr sparsam. Wir haben jetzt etwa 0,7 Liter Benzin bleifrei 95 Oktan verbaucht und das auf etwa 900 km mit fast jeden Abend kochen. Das soll uns mal ein anderer Fortbewegungsmittelhersteller nachmachen.


18.03.2004, 12:29 Uhr | Oli in Sejny / Polen  
 

Sehr lustig, dass sofort einige Mails kamen auf das Stichwort Suwalky hin. Diese wunderbare Plattenbaustadt. Jetzt sind es nur noch 20 km bis Litauen.


19.03.2004, 12:39 Uhr | Oli in Alytus / Litauen  
 

Nun kommt es mir vor wie jeden Tag ein grossen Fahrradausflug. Denn jeden Abend ist man wieder im Zelt zu Hause, dass dann woanders steht. Aber das sieht man ja von innen nicht. Wir haben nun Polen volstaendig durchquert und sind in Litauen, welches ein wenig skandinavisch anmutet. Sanfte Heugel, kleine Holzhaeuschen............ Als naechstes werden wir Vilnius ansteuern.


22.03.2004, 13:37 Uhr | astrid in vilnius/litauen  1126 km
 

guten tag meine damen und herren, hier wieder der aktuelle fahrradwetterbericht aus dem osten.... es ist traurig, aber wahr, unsere tapferen recken ertrinken weiterhin im stuermischen fruehlingsnass. bei brrrrribbbbbberrrigen unter 10 grad, gefuehlten minus 32 grad hat sich litauen es einfallen lassen, auch wenn es anfangs nicht so aussah, das polnische miesepeterwetter zu uebernehmen und dem noch eins draufzusetzen. in den letzten drei tagen hat es nachts solche stuerme gegeben, dass unser zelt gewackelt hat, und wassermassen stuerzen in regelmaessigen abstaenden hernieder..... DAS IST NICHT MEHR GERECHT..... aber man kann sich ja nicht immer am wetter aufhaengen...ansonsten gefaellt es mir hier eigentlich recht gut, die haeuser sind inzwischen fast alle aus holz gebaut, was ziemlich gut aussieht, die gehoefte sind klein und stehen vereinzelt in der landschaft und zwischen den baeumen (hauptsaechlich kiefern und birken) herum. das land ist weit und von sanften huegeln durchzogen, wenn schoenes und klares wetter waere, haetten wir sicher noch ein mehr grandiose ausblicke gehabt, als wir dies jetzt schon hatten. die strassen sind verschwenderisch breit und selten befahren, wenn man sich nicht gerade in der naehe von vilnius befindet. zudem ist uns aufgefallen, dass litauen schon ganz schoen westlich anmutet, westlicher oft als polen, sauberer, teurer, touristischer... vorgestern haben wir unseren ersten "freitag" genommen, es hat gestuermt morgens, und wir konnten uns nicht aus den schlafsaecken quaelen, da sind wir einfach drin geblieben, haben dem regen auf der zeltplane zugehoert, gelesen und rumgegammelt....und keinen einzigen kilometer auf dem fahrrad verbracht...nett war das! unsere duschbillanz ist seit gestern auch auf 3mal in fast drei wochen gestiegen, haben naemlich mal wieder ein hotel frequentiert, um trocken zu werden, auch hinter den ohren....


22.03.2004, 13:55 Uhr | Oli in Vilnius/ Litauen  1126 km
 

Nun sind wieder 117 km seit Alytis vergangen und wir sind kein bisschen schlechter gelaunt, was verstaendlich waere bei diesem Aprilwetter im Maerz. Kurz hinter Alytus verliessen uns die Kraefte, und wir stoppten die Karavane fuer zwei Tage. Da half auch die kurz vorher erstandene uebergrosse Tafel Schokolade mit ganzen Nuessen nicht mehr. Man merkt deutlich, dass man sich im Gebiet der ehemaligen Sowietunion befindet. Alles ist ein wenig groesser angelegt, und die gestrige Begebenheit vor dem Motel spiegelt auch wieder, dass die Leute nicht so weit von Russland und dessen Gewohnheiten entfernt sind. Und das war so: wir waren uns nicht ganz sicher ob wir wohl dieses Motel, vor dem wir standen, nehmen sollten, da kamen zwei mit Oelzeug bekleidete Maenner, mit kleinen Rucksaecken und grosser Wodkaflasche, und gesellten sich zu uns unter den Unterstand, der wohl im Sommer ein ueberdachter Biergarten sein muss. Sie sagten , sie arbeiten in Deutschland und handeln mit Schrott........ja ja "Schrott"...... Jedenfalls bekamen sie ihre Flasche nicht auf, worauf ich Werkzeug rausholte und selbige oeffnete. Daraufhin wurden wir aufgefordert uns doch erstmal "einen zu genehmigen" gegen die Kaelte. Das war gegen 14 Uhr. Anschliessend haben wir ein Zimmer in dem Motel genommen.


24.03.2004, 13:29 Uhr | Oli in Svensiones / Litauen  1217 km
 

Fraelein Oli's Gespuer fuer Regen. Es gibt 1000 verschiedene Arten von Regen........... und wir haben schon etwa 900 ausprobiert. Um dem Ganzen nicht nur den Charme eines "Kampf gegen die Elemente" zu verleihen, haben wir heute ein Gasthaus aufgesucht. Gestern war aber gut , es hat gar nicht geregnet. Die Strassen sind wieder breit und sind meist vom Wald eingeschlossen, so das man das Gefuehl hat sich in einem Kanal zu bewegen. Der Verkehr hat auch nachgelassen seit wir aus dem Dunstkreis von Vilnius raus sind. Dennoch gibt es zu viele Autos, die uns almaehlich nerven. Besonders Audi und BMW haben sich hierzulande um den Laerm und den Gestank verdient gemacht.


24.03.2004, 13:56 Uhr | astrid in svensiones/litauen  1217 km
 

wir schreiben den 24.3. im jahre 2004....,der 21. tag seit reisebeginn. wir sind in litauen, diesmal kurz vor der lettischen grenze, lassen uns inzwischen etwas zeit beim radeln, da wir ertsens sonst zu frueh an der russischen grenze eintreffen wuerden, und da zweitens das wetter, wie bereits beschrieben, uns maechtige knueppel zwischen die beine wirft. wir brechen diese knueppel aber, als waeren sie streichhoelzlein, schlagen dem wetter ein schnippchen und suchen flux/fluchs oder flucks eines dieser gastfreundlichen bauwerke auf, die hier ab und an die landschaft verschoenern und gastlich mit dem schild "hotel" winken. letzterdings haben sowohl oli als auch ich 2 neuigkeiten hoechster wichtigkeit glattweg unterschlagen. top eins: olis haare sind kurz! heroisch habe ich hoechstselbigst meine hand und schere angelegt und so lange geschnitzt und gestutzt, bis nicht ein haar mehr laenger als zwei inches mass.. er dankt es mir mit wunderbaren gegen-den-wind-sturmfrisuren, jetzt stehn sie wieder.... top zwei: wir haben nicht nur die 1000er-grenze an kilometern, sondern auch eine zeitzone hinter uns gebracht...aetsch... bei uns ist es jetzt 3h anstatt 2h,somit eine stunde spaeter als bei euch "zurueckgebliebenen".... sonst jibts nich viel, gestern wars es mal EINEn ganzen tag lang nicht regnerisch und sogar, ihr werdets nicht glauben, sonnig....aber richtig.... wir haben schon rel. frueh unser lager aufgeschlagen und konnten unbejackt in der sonne unsere raeder kaputtschrauben, kochen und rommee spielen, ohne dass einem vor bibbern die karten aus der hand fielen. hach, war dat schoen...braun sind wir auch schon geworden, hinter den ohren oder so, man siehts noch nicht gaaanz genau, aber so'n schimmer...... aber ich bin auch ganz froh, dass das schoene wetter nicht allzu lange angehalten hat, waer ja dann auch wirklich zuviel des guten gewesen, wenn auch heute nochmal die sonne sich gezeigt haette,...heute hats dann wieder deftigst geregnet und um das mass vollzumachen kam dann auch der wind von vorn....schoen....wieder im hotel zum trocknen..... aber morgen ist ganz sicher fruehling.....:-)


24.03.2004, 14:20 Uhr | Oli in Svensiones  1217 km
 

Ab und zu hoerte man heute beim fahrradfahren einen leisen , gurgelnden Schrei hinter mir. Das hiess dann : ein Auto fuhr durch eine grosse Pfuetze und landete eine Wasserwelle bei Astrid, das man sich fragt wo die Surfer bleiben. Nun zum Abendprogramm.Des bayrischen Rundfunks Betaetigungsfeld schein der Betrieb eines Piratensenders zu sein. Unser heissgeliebter Deutschlandfunk (1422 kHz AM) wird immer mehr von Blasmusik ueberlagert. Dies nutzt nun die "Stimme Russlands" (1386 kHz AM) aus. Es kommen Nachrichten und Berichte aus Russland in gebrochenem Deutsch und leicht sozialistischem Sprachstil. Dieses herumsenden in Deutsch tut er auch schon seit 75 Jahren und ist damit einer der aeltesten Sender Moskaus.


26.03.2004, 13:46 Uhr | Oli in Daugavpils / Lettland  1329 km
 

Sind jetzt in Lettland.


04.04.2004, 10:48 Uhr | Oli in Velikie Luki / Rossia  1688 km
 

So richtig kann ich es noch gar nicht fassen - jetzt bin ich tatsaechlich in Russland. Da war ich noch nie. In Lettland hatten wir nicht so richtig die Moeglichkeit zum Internetten, da wir eng an der weissrussischen Grenze entlang fuhren und dieses Gebiet nicht gerade von Metropolen strotzt. Auch hier in Russland sind die Internetverbindungen spaerlicher gesaet. Nach einem kleinen Techtelmechtel zwischen den Kontermuttern vom Steuerkopflager an Astrids Fahrrad und einem uebergrossen Maulschluessel aus einer lokalen doerflichen Autowerkstatt sind beide Fahrraeder gesund und nicht mehr bettlaegerig. In einem kleinen Dorf in Lettland hatte Astrid mal wieder eine Begegnung dritter Art. An einem Gehoeft vorbeifahrend trabte ihr jemand hinterher. Diesmal war es kein Wachhund der Kategorie Kniebeisser, nein, es war ein ausgewachsenes Pferd welches mitgaloppierte. Nun haben wir die Grenze problemlos ueberschritten, immer schoen an den kopfschuettelnden Beamten vorbei. Die ersten Rubel gabs bei einem Polizisten, der als sein zweites Standbein schwarz Geld tauscht. Auch hier ist noch vieles wie es im Osten war. Zum Beispiel heisst der Schmelzkaese Druschba (Freundschaft), Kaffee Globus, Moskwitsch, Lada und Volga. Ueberhaupt koennen wir an Geschwindigkeit mit einigen alten russischen Modellen mithalten. Wenn sie fahren sind sie zwar schnell, aber ihre Durchschnittsgeschwindigkeit wird durch die haeufigen Reperaturintervalle (manche alle 30 km) heftig reduziert. Beim 2. Mal ueberholen wird man dann von dem jeweils unter dem Auto Liegenden von schraeg unterhalb der Stossstange angegrinst. Ansonsten zelten wir fast jeden Tag in wunderschoener Landschaft (wie man sich vorstellen kann ist hier viel Platz) die aus Fluessen, Seen und birkendurchsetzten Waeldern besteht. Meistens radeln wir so vor uns hin ohne Eile, warten morgens lieber noch ein bisschen im Schlafsack bis die Sonne waermt und machen viel Pausen zwischendurch.


04.04.2004, 11:38 Uhr | Astrid in velikie luki/ russland  1688 km
 

welche freude, endlich wieder ein internetcafe...... nach muehseligem kauderwelschen und suchen (oli aergert sich immer, dass er damals im russischunterricht bei frau pfefferkorn nie aufgepasst hat) haben wir endlich eines gefunden. jetzt ist der kopf ganz voll mit bildern und begebenheiten, und ich weiss gar nicht, wo anfangen.... ja, wir sind in russland, wie oli sagt, die erste etappe ist geschafft....von potsdam bis zur russischen grenze.... mit dem rad......man, da muessen auch wir manchmal noch kurz innehalten, schauen uns dann ein wenig verdutzt an und grinsen etwas verlegen... in lettland haben wir es ruhig angehen lassen, wir wussten, dass wir zu frueh an der russischen grenze ankommen wuerden, daher wurde das metern hintangestellt.... zwei volle tage haben wir, 12km vor dem nullpunkt russland, auf der faulen haut gelegen und uns die sonne, die auch tatsaechlich da war, auf den bauch scheinen lassen. oli hat an lettischen ameisenhaufen und vogelarten biologische studien begonnen, ich seh ihn jetzt oefters nur durch die linsen seines fernglases starrend, stocksteif auf dem feld stehend, um ja kein getier aufzuschrecken, das zur beobachtung herhalten muss.... nach meinem kleinem schulterschluss mit dem pferd, habe ich dann aber auch noch andere gespraechspartner gefunden.... an einem dieser "freitage" gesellte sich eine eidechse zu mir, indem sie sich auf meinem arm postierte und sonnte. sie blinzelte mir hin und wieder freundlich zu, so als ob sie sagen wollte "na, wir beide sind uns wohl auch einig, dass sonne besser ist,wa?" naja, genug gefaulenzt...der grosse tag, 01.04.04, do., war da! fruehmorgens abgebaut und los, das kleine stueck zur grenze war groesstenteils mit LKW bestanden. 206 an der zahl haben wir ueberholt, bis die kleinen zollhaeuschen der letten vor uns auftauchten. und dann begann das warten...... es war sonnig, aber eisiger wind pfiff um die ecken. wir vertrieben uns die zeit mit kekse-essen. und dann gings auf einmal doch recht schnell, 2 passkontrollen auf lettischer, dann 5 passkontrollen auf russischer seite. mit ganz wichtigem zettelchen hier und zettelchen dort ausfuellen, boese gucken, sich schlapplachen ueber fahrradreisende, verging unsere zeit und der erste kontakt mit den russen (hier an der grenze gab es ganz ausgesuchte exemplare....weibchen, die in armeeuniform und mit stoeckelschuhen durch die gegend stacksten; maennchen mit silberzaehnen und umgehaengten kalaschnikovs, die sich ihre hintern an selbstenfachten feuerchen waermten....schick, schick, det kann ja heita wern, ham wa uns jedacht). und nun sind wir in russland (reaktion wie oben beschrieben, duemmlich grins)... fast 200km weit im inneren des landes, es gestaltete sich schwierig eine groessere stadt hinter der grenze aufzutun, da wir an der ersten, eigentlich angepeilten, locker vorbeifuhren, da wir eine falsche strecke nutzten. seitdem hat oli immer einen kompass um, man weiss ja nie. ausserdem sind die auf der karte angeblich grossen staedte gar nicht so gross...meist ist es schwierig einen laden zu finden, wir hatten das meiste glueck dabei bisher an den truckertanken, an denen man oft auch einige kleinigkeiten einkaufen kann. die strasse, die wir nutzen fuehrt geradewegs nach moskau, ohne grosse umwege, und wir kaempfen uns taeglich neben den LKWs gen osten. hierzulande wird nicht mehr ausgewichen, hier wird gehupt, und oli hat gestern schon ein kleines ausweichmanoever mit beineinsatz hingelegt (um die balance halten zu koennen)...das ist schon manchmal recht aufregend... gestern haben wir dann aber wirklich eine groessere stadt erreicht, obig eingetragene, haben ein hotelzimmer genommen, geduscht, alles noetige besorgt, gewaschen...der ganze kleinkram, der anfaellt, wenn man in freier wildbahn lebt. ich war schon etwas entaeuscht, weil uns keiner der einheimischen helfen konnte bei der suche nach einem internetcafe..... dennoch haben wir es uns gutgehen lassen, abends noch essen gegangen und gefeiert, dass wir in russland sind (obige reaktion, duemmliches grinsen), dabei durften wir dann auch die russische trink- und feierfreudigkeit am nachbartisch bewundern. siebenmal lief ein und dasselbe lied (ueber das schoene neue jahr) in einer uns unverstaendlichen lautstaerke, dazu tanzten die damen wild, waehrend die herren sich literweise wodka einfloessten. aber uns gehts gut, haben ja doch noch einen zugang gefunden, russland wird schoen, da sind wir uns sicher und wir werden uns sicher auch bald an diese staendige uhrumstellerei gewoehnen, die mir schon die finger wundwerden laesst, da meine uhr so schwer zu verstellen ist..... dreie haben wir hinter uns gebracht, einmal von winter- auf sommerzeit, zweimal, weil wir eine zeitzone ueberschritten..... bei uns ists jetzt also 13.30h, bei euch 11.30h......na dann schoenen tag noch :-)


09.04.2004, 11:09 Uhr | Oli in Moskva / Russland  2082 km
 

Nicht sinnvoll ist es, unserer Meinung nach, allzuviel Gueterverkehr auf die Schiene zu verlagern, denn welch anderes Sportgeraet als ein LKW-Fahrersessel bringt solch schoenen formvollendeten Koerper hervor, welche uns eigentlich taeglich an Truckerrastaetten zur Ansicht gebracht werden. Jedenfalls wurde der Weg nach Moskau immer mehr von solchen 40-toennigen (oder wahlweise in Russland auch mal 50-Tonnen) Fitnessmaschienen gespickt. Die Strassen sind teilweise auch zum Gotterbarmen. Der letzte Granatangriff kann noch nicht so lang her sein, denkt man sich. Etwa alle 100 km sieht man einige orangegekleidete Schlaglochbeseitiger, die aber doch meistens, angesichts der Sysiphushaftigkeit ihrer Arbeit, dem Muessiggang froehnen und uns froehlich gruessen. Nun sind wir in Moskau, ich kann es selber noch nicht fassen. Aber 500 m von hier ist der Kreml, das Leninmausoleum und alle anderen bekannten Objekte rund um den Roten Platz. Die letzten 80 km haben wir zwar ein wenig geschummelt, aber im Nachhinein war das gar nicht so schlecht angesichts der breiten Strassen mit tausenden kreuz und quer fahrenden Autos. Geschummelt haben wir mit einem Lada-Kombi. Der Besitzer war zwar sehr verdutzt als ich ihn fragte ob er nach Moskau faehrt, meinte dann aber wenn's reinpasst, koennten wir mitfahren. Ein bisschen unterhalten konnten wir uns auch, und vor lauter Im-Woerterbuch-Geblaetter haben wir kein Punkt angegeben wo wir aussteigen wollen. Das hatte dann prompt eine Vollbremsung auf dem MKAD (grosse breite Ringstrasse rund um Moskau) zur Folge, um ein wenig den zerfetzten Moskauplan zusammenzupuzzeln. Aussgestiegen sind wir dann genau richtig in Chimki, Naehe Retschnoi Voksal, eine Endhaltestelle der Metro. Wir wohnen nun fuer ein paar Tage bei Ksenias Eltern, die dort ein Wohnung haben. Dahin angekommen wurden wir aufs Herzlichste begruesst. Nach russischer Art, das heisst russisch Essen und Wodka. Fuer uns ist das wie auf Wolke 7 wohnen, warm, eine Dusche. Sehr einfach ist die Regelung der Heizung - Fenster auf oder zu, Heizung ist immer an. Fuer das Moskauer Fernwaermekombinat ist es einfacher von 1.Oktober bis 30.April voll durchzuheizen. Das hat mich schon erstaunt.


10.04.2004, 16:32 Uhr | astrid in moskau/russland  2082 km
 

12 millionen registrierte einwohner und sicher nochmal soviele unregistrierte....wir mittendrin und fuer ein paar tage eingereiht in diese menschenmassen und haeuserschluchten.... wie die ameisen tummeln sich hier in den stosszeiten die menschen, man laeuft in riesigen, nicht endend wollenden stroemen durch die metrogaenge, die ausmasse wie landstrassen haben, nur unter der erde. die einzelnen stationen sind wirklich pompoes...mit marmor und kronleuchtern bestueckt, wer auf den gedanken gekommen ist.....wahnsinn auf dem weg nach moskau hat es sicher sehr schoene landstriche gegeben, die wir aber nur rudimentaer und ab und an zu gesicht bekamen, da wir zum einen staendig auf die bereits erwaehnten schlagloecher achten mussten (teilweise bestehen die strassen nur aus einem einzigen schlagloch), zum anderen mit diversen russ- und dreckausduenstungen der trucks beschaeftigt waren, die doch oft in betraechtlichem masse die sicht hemmten. nach der kleinen schummelei per auto dann in moskau angekommen, haben wir uns ja zu ksenias eltern durchgeschlagen, die ihren zwischenwohnsitz (bis sie ein haus gefunden haben) in einem der hier ueberall stehenden plattenbauten haben. eine komplett im stil der 80er eingerichtete wohnung, die oli und mir die augen uebergehen laesst....kristallluester im wohnzimmer, kristall in der alten pressspanschrankwand, ein kuhhorn (verziert) am wandteppich haengend, klinkerimitattapete....wie ksenias vater sagt, alles von der babuschka, die vorher diese wohnung bewohnte. die eltern fuehlen sich selbst ein wenig befremdet in dieser umgebung, nehmen das aber trotzdem alles sehr gelassen. ihre gastfreundschaft ist uebrigens ein punkt, der besonders betont werden muss....allerherzlichst sind wir aufgenommen worden, und ich glaube frau zatsepina hat sich vorgenommen, uns in den wenigen tagen, die wir bei ihnen verbringen duerfen, auf mindestens doppeltes lebendgewicht zu bringen. und herr zatsepin laesst uns wahrscheinlich erst dann fahren, wenn wir perfekt russisch, oder er perfekt deutsch sprechen kann.... heute sind wir gemeinsam durch die stadt gefahren, um einen fahrradladen zu finden, der unsere raeder zentriert und einige kleinigkeiten verkauft. es war so nett, dass beide eltern sich so fuer uns ins zeug gelegt haben!!! alleine haetten wir uns wahrscheinlich stunden bemueht um popeliges fahrradoel zu kaufen... wir landeten in einm basar fuer fahrraeder, sowas habt ihr noch nicht gesehen.... riesengaenge vollgestopft mit raedern, rahmen und zubehoer aller art, tausende menschen, die um diverseste staende rumstanden, kauften und verkauften...wieder mal wie ameisen, nur komisch, dass man 100 meter ausserhalb dieses fahrradhexenkessels keinen einzigen radfahrer mehr sah.... ich frag mich, wo die alle bleiben. eine kleinigkeit beim einkauf faellt mir immer wieder auf, egal welchen einkauf man taetigt. man erhaelt oft das gefuehl, dass manche verkaeufer/innen es nicht unbedingt darauf abgesehn haben profit mit uns zu machen. man kommt in einen laden hinein mit dem wunsch etwas zu erstehen, bleibt stehen und versucht blickkontakt mit einem menschen der spezies "verkaeufer" aufzunehmen.....klappt nicht....nach 5 minuten spricht man sie an, ein gestammeltes entschuldigung, oder guten tag bekomme ich auch noch hin......wieder nix....man wird dann zwar angeschaut, es erfolgt aber keine weitere reaktion..... da moechte ich mir doch manchmal an meiner seite einen grossen gong wuenschen, in meiner hand einen kloeppel und draufhaun, dass es kracht..... aber nicht denken, dass alle so sind, wir haben nun schon soviele kleine situationen erlebt, bei denen man sich vorstellen kann, wie (gast-)freundlich die russen sind, insgesamt fuehlen wir uns bombig, freuen uns ueber die stadt und alles um uns herum, all die kleinen annehmlichkeiten, die uns hier das leben so schoen machen... behaltet die sonne im herzen


16.04.2004, 15:36 Uhr | astrid in n.novgorod/russland  2328 km
 

man waren das ein paar tage seit moskau..... ertsmal haben wir noch mit ksenias eltern ein superschoenes ostern verbracht, haben feudalst gefruehstueckt am ostersonntag, fam. zatsepin hat an diesem tag ihr fasten gebrochen und hat sich schon fruehmorgens die leckersten schmankerl einverleibt, auf die sie sich schon seit wochen gefreut hatten...es war schoen mitanzusehen, wie sie sich ueber jeden bissen freuten! und ueberhaupt, fuer uns war es ungewoehnlich, schon morgens um 9h mit wodka anzustossen.....aber sehr lustig! haben dann noch den tag miteinander verbracht, kleine unterbrechung nur durch unser abholen der gerichteten raeder...und dann sollte es am naechsten tag weitergehen, naechstes ziel n. novgorod. juri meinte, er bringt uns an die ecke von mkad (aeusserster stadtring) und m7 (strasse nach nischnij).... wir fuhren und fuhren und fuhren und fuhren..... immmer wenn oli anhob juri zu bitten, er koenne uns doch jetzt rausschmeissen, er waere doch schon recht weit gefahren, fing juri immer an sehr schnell und russisch zu reden (bei anderen gespraechsthemen durchsetzt mit englisch oder deutsch), so dass wir schlussendlich sagten, ok....warten wir einfach bis angehalten wird, es wird schon richtig sein und ausserdem ist das hier nur ein winziges stueck vom ganzen kuchen.... ca. 200 km hat uns juri gefahren...danke...herzallerliebst! trotzdem ist es jetzt wieder schoen jeden bewaeltigten kilometer in den beinen zu spueren! wir haben ja schon begonnen fett anzusetzen bei der guten kueche von fr. zatsepina...mir hat es ja das morgendliche fruehstueck angetan....kasha, wow! aus hirse, mit wasser warmgemacht, dazu zerlaufene butter...schmatz inzwischen liegt das aber schon weit hinter uns, taucht nur noch manchmal im traume auf, dann sagt oli morgens wieder, du hast gesabbert im schlaf. wir sind in den letzten tagen ganz schoen nass geworden, hier gibts richtiges aprilwetter, von purer sonne und wolkenlosem himmel innerhalb einer stunde zu regen und schnee. die lkw's fallen inzwischen gar nicht mehr so auf, uns faellts nur noch auf, wenns mal laenger als 30 sek. ruhig ist....manchmal denk ich schon, ich hab nen tinitus. ausserdem sind wir inzwischen auch um einige gramm/kilo schwerer, da die lkw's uns so dermassen mit dreck und sand vollgespritzt haben, es knirscht und knackt ueberall, am rad und bei uns (beweisfotos stehen an). wir haben eine floskel, die je nach anforderung immer geaendert wird...in diesen tagen ging sie so: "die anstrendgungen der letzten tage verursachen mir dreck im gesichtsbereich, und oli sagt, ich habe dreck auf der brille"... heute sind wir dann in nishnij novgorod angekommen, billanz: ein "freitag" zwischendurch, immer rueckenwind und , man hoere und staune, immer gute laune, ausserdem auf km 2225 den ersten platten reifen an meinem rad und heute eine gepaecktraegerpanne bei oli, alles mit bravour gemeistert....unser problem ist es nur heute in diesem dorf, von knapp ner million einwohner ein hotel zu finden, das noch nicht voll ist.....oder zu teuer. fast 3h sind wir schon auf der suche, haben schon festgestellt, dass es einfacher ist aufm lande was zu finden, als in den groesseren staedten, son shit, aber gleich, gleich, ganz bestimmt gleich wird was kommen......


16.04.2004, 15:39 Uhr | Oli in Nishny Novgorod / Rossia  2328 km
 

So langsam scheinen die schlechten Strassen den Fahrraedern zuzusetzen. Heute ist mir eine Schraube, die den Gepaecktraeger haelt aus dem Rahmen gebrochen. Zum Glueck nur die letzten Windungen, so konnte ich einfach eine Neue eindrehen. Der platte Reifen von Astrid wurde zwar nur durch eine kleine eingefahrene Heftklammer verursacht, aber auffaelligerweise 2 km vor einem Bridgestone-Reifencenter????? Businessmen? Aber immerhin ueber 2000 km ohne Platten, und das bei 4 Reifen. Polizisten werden hierzulande auch nur mit "Businessmen" betittuliert. Jeder der angehalten wird zieht automatisch schon mal das Portemonaie aus der Jacke. Die Frage ist dann nur "Wieviel". Wer's eilig hat , fuer den wirds teurer. So geschehen auch mit Juri der uns fuhr. Geschwindigkeitskontrolle = 100 Rubel. Als Fahrradfahrer sieht man so allerlei Dinge, die da im Strassengraben verweilen, die man als Autofahrer nicht sehen wuerde. Meistens ist es Muell, aber gestern lag da ein Handy. Das hab ich dann eingesteckt und dachte mir, wem's fehlt der wird schon anrufen (eigene Erfahrung). Irgendwann klingelte es auch, und nach langwieriger Kauderwelscherei konnten wir uns heute mit dem rechtmaessigen Besitzer treffen, der sich glatt ein Loch in den Bauch gefreut hat als wir nicht mal Geld wollten. Eigentlich hatten wir darauf spekuliert von ihm Hilfe fuer ein Hotel zu finden, aber da waren wir selbst schneller. Bisher war aber noch kein Zimmer zu haben. Wahrscheinlich fahren wir noch heute aus der Stadt raus, denn es scheint schwierig sein Geld hier an den Mann zu bringen. Wenigstens haben wir bei der ganzen Sucherei die Stadt gesehen. Eben wurden wir auch noch intensiv von einem Fotojournalisten abgelichtet. Er bewunderte die Raeder und zueckte dann hecktisch seine Spiegelreflex. Nach Namensangabe und Internetverbindung gab's die Information zu der gesuchten Strasse in der sich Hotels befinden. Nun sind wir also mit dem Fahrrad bis zur Wolga (riesig breiter Fluss) geeiert. Unser naechstes Ziel ist Kasan, welches etwa 380 km entfernt ist. Dort soll es eine kleine Metro geben mit ein paar Stationen. Eigentlich hatten wir geplant uns schoen mit einem Wolgadampfer mitnehmen zu lassen, aber Schiffe fahren wohl erst ab Ende Mai. Das ist das schoene an Fahrraedern, sie passen leicht auf jedes Schiff oder im Zweifelsfall in einen Lada (wie schon geschehen), und zwischen Lada und Wolgadampfer braucht man auch nicht laufen.


05.05.2004, 09:21 Uhr | astrid in perm/russland  3372 km
 

hallo, hallo, hallo...da sind sie wieder unsere beiden tapferen helden mit vier beinen und vier raedern. ueber 2 wochen haben wir uns nun durch unwegsamstes gelaende, durch schlamm und dreck gewuehlt, beseelt von dem gedanken, dass es doch bald, morgen, jetzt gleich, in der naechsten grossstadt ein internetcafe geben wuerde.... hat meist nicht funktioniert. aber so seid ihr jetzt dran zu staunen, dass schon laengst eine 3 am anfang unserer gefahrenen kilometer auf dem bildschirm auftaucht.... aber von anfang... aus n. novgorod sind wir vor gut 2 wochen aufgebrochen (apropos aufgebrochen, uebrigens sind hier ob der nicht uebermaessig vorhandenen waerme die blueten an den baeumen immer noch nicht aufgebrochen), seitdem ist einiges passiert... ueber die strassenverhaeltnisse muss ich mich nicht mehr auslassen, in vorberichten zu lesen.... aber wir haben doch tatsaechlich gleichgesinnte getroffen, und dazu noch russen, die aus irkutsk am schoenen baikalsee kommen und einfach mal so mit raedern von moskau nach irkutsk fahren wollen.... bin vom glauben abgefallen, d a s bei russen, die sonst immer nach dem ueblichen "atkuda, kuda" (woher, wohin) nur unglaeubig und leicht belustigt mit dem kopf schuettelten, uns anschauend, als waeren wir nicht ganz beisammen im kopf. wir sind mit ihnen einen tag zusammen gefahren und haben abends traut unsere zelte beieinander postiert und gemeinsam gespeist... war aeusserst lustig, interessant und informativ! wissen jetzt auch, was kasenaki ist, suesskram aus sonnen- und anderen blumenkernen, mit honig zusammengepappt, saulecker das zeug. hat schon auf der beliebtheitsskala fast die von mir immer heissbegehrte schokolade abgeloest, leider ist es nicht so oft aufzutreiben, wie schokolade (wir fuehren schon tagebuch ueber die von uns verschlungenen mengen an kakaoprodukten, man kann gespannt sein, wieviel kilo das nachher ergibt..). das war mal nett sich gegenseitig ueber die schulter auf die raeder zu schauen, mit kennermiene zu nicken, ein anerkennendes "gute technik" loszulassen, oder ein "sind deine taschen auch dicht?", oder wie oft hattet ihr schon etwas zu reparieren?"... ja, ja , was die radlerseele halt so interessiert... und trinken haette man von ihnen auch lernen koennen, d.h. nur von dem einen (alex), der andere (alexej) hat keinen alkohol getrunken, was ich auch hierzulande sehr erstaunlich und durchaus sympatisch finde. mit dem alkohol ist das sowieso so ne sache... wir sehen so haeufig menschen jeglichen alters und geschlechts (gut, ausgenommen kinder) zu fast jeder tageszeit torkelnderweis, rotnaesig, leicht bis schwer beduselt ueber strassen laufen. in laeden sieht man die autofahrer sich als haeppchen zwischendurch die flachmaenner einkaufen und dann weiterfahren, da wird einem manchmal schon leicht flau. bei vielen merkt man die trunkenheit auch gar nicht so richtig, und doch wuerden hierzulande wahrscheinlich schon die alkoholkontrollgeraete geplatzt sein. gen sibirien solls angeblich noch mehr werden, naja, wird ja auch kaelter..... hoffe nur, dass wir keine folgeschaeden davontragen...die russische gastfreundschaft ist ja bekannt... haben wir auch schon mehrmals die erfahrung machen duerfen, auch wenn manchmal die menschen hier so unglaeubig schauen, ein paar unfreundliche gibts hier auch, wie ueberall. trotzdem ist es immer wieder passiert, dass wir sehr freundliche russen getroffen haben, die sich aufgeregt ueber unsere reiseroute erkundigten, uns beim abschied umarmten, kuessten und segneten (wie an einer raststaette passiert). einmal ein mann, der uns partout nicht wegfahren lassen wollte (wir hatten nur kurz eingekauft) ohne dass wir einen wodka mit ihm tranken... er hat fuer uns dann in der oertlichen trinkhalle fuersorglich nur je einen halben pappbecher wodka und sogar eine kleinigkeit zum dazuessen besorgt, waehrend er aus einem grossen plastiktopf den wodka verschluckte als waere es wasser. wir haben uns denn also bis kasan auf der schnellstrasse m7 fortbewegt, hatten dortselbst leider einige schwierigkeiten unterkunft zu bekommen (wollten eine nacht dort bleiben, da oli leichtes zahn-aua hatte und noch ueberlegte, ob er nicht nen hiesigen dentisten aufsuchen solle...der haette ihm dann wahrscheinlich so huebsche goldzaehne verpasst, wie wir sie hier ueberall blitzen und blinken sehen, dass es eine freude ist).... nachdem wir ca. 5 hotels abgeklappert hatten, die alle voll waren, weiss der himmel warum, wir haben schon vermutet, sie lassen uns extra nicht rein, weil wir doch ein leicht beschmutztes bild abgaben (zumal es an dem tag vorher wie aus eimern geregnet hatte), hatten wir die schnauze voll. oli also ganz weltmann stiefelte ins teuerste hotel am platz (mirage, 5 sterne, die israelische basketball-nationalmannschannschaft residierte dort gerade), und als er vom portier gerade rausgeschmissen werden sollte, liess er, gaaaaaanz nebenbei, seine visa-karte aufblitzen.... das hat eingeschlagen wie ne bombe. als wir mit unseren raedern in der empfangshalle standen, total verdreckt und schlammbespritzt, leicht filzlaeusig gingen den ca. 1000 bediensteten, die sich in der halle versammelten die klappen unisono gen erdmittelpunkt.... ich muss schon sagen, aeusserlich natuerlich ganz weltfrau, innerlich musste ich lauthals grinsen ueber das bild! wie kaulquappen scharwenzelten sie so ein wenig um uns rum, "here mr. kuehne, there mrs. dohms", sogar die fahrradtaschen haben sie uns mit so einem lustigen kunstgoldenen waegelchen, was ich nur aus doofen fernsehserien kenne, in unser zimmer gefahren....ich kann euch sagen, sowas wollt ich schon immer mal machen! nach diesem intermezzo in gehobeneren kreisen (das warme wasser war wahrscheinlich am naechsten tag alle), haben wir auch in dieser stadt kein internet gefunden, sind also weitergefahren gen nordosten, richtung perm und haben als versuch einmal die grosse verkehrreiche m7 verlassen und kleinere wege eingeschlagen. das klappte im grossen und ganzen recht gut, auch wenn wir unserer karte nicht mehr allzusehr vertrauen, bzw. glauben. sie ist zwar noch gar nicht so alt, hat aber die angewohnheit bruecken anzuzeigen, wo keine sind, ueberfuehrungen ueber die eisenbahn anzuzeigen, wo keine sind, asphaltierte strassen anzuzeigen, wo keine sind.... das hat uns einen kleinen umweg gebracht, was aber nicht weiter schlimm ist, weil wir im ausgleich zu dem mehr an kilometern auch ein mehr an wunderschoener landschaft und ein mehr an ruhe (allerdings mit massenweise vogelgebruell dazwischen, das man aus deutschland gar nicht kennt) hatten. haben in der zeit von waermstem sonnenschein bis sintflutartigem regentag, der unsere regenklamotten zu waschlappen machte, alles an wetter auskosten duerfen; haben schoen an fluessen, an baechen, in birkenhainen uebernachtet, haben unser erstes lagerfeuerchen gemacht und jeden abend nudeln mit irgendwas gekocht, haben abendteuerlich einen fluss per winz-motorboot ueberquert und schon einige sand-/schotterpisten entlanggeschoben.....man det macht spass. und als i-tuepfelchen heute in perm das internetkaffee! der mai kann kommen......


05.05.2004, 09:21 Uhr | Oli in Perm / Russland  3372 km
 

Nun ein Wort zu unserem Weg nach Perm. Er war manchmal nicht einfach. Das lag zu einem an der recht lustigen Beschilderung, zum anderen an unserem Autoatlas der zwar letztes Jahr gedruckt wurde aber nich aktualisiert. Die Beschilderung, insbesondere die Kilometerangaben, scheinen dem russischen Unwahrscheinlichkeits-Drive zu unterliegen. Aus Kazan rausgefahren, war da ein Schild "Perm 607 km", etwa 500 m weiter "Perm 609 km", dann etwa 10 km weiter waren es sage und schreibe nur noch 616 km. Wir dachten dann, dass es unerschwinglich sein muesste in einem Vorort von Perm zu wohnen und im Zentrum zu arbeiten. Nun, dem ist nicht so wie wir sahen. Dann die Karte, einmal war eine Faehre ueber den Fluss Vjatka eingezeichnet, die aber schon lange weggeschwemmt war. Dies haette einen Umweg von mehr als 300 km bedeutet. Zum Glueck haben wir dann 20 mal gefragt (man bekommt immer verschiedene Angaben), und herausgefunden, dass wir Fischer fragen sollen, die uns ueber den Fluss rudern. So wars dann auch, und ein Fischer hatte schon ins Faehrgeschaeft umgesattelt. Fuer 100 Rubel sind wir trocken mit Fahrraedern auf die andere Seit gelangt. Sogar mit Motorboot. (Von dort waren es dann erstmal 25km Schlammpiste bis Konstantinovo) Das andere Mal war eine Bruecke bei Ochansk eingezeichnet, die es nicht gab. Dann sind wir geumwegt. Eines Tages fuhren wir, und Astrid fragte: "Wo wohl die Russen sind?". Das hab ich nicht gleich verstanden, stehen ja ueberall welche rum. Sie meinte die Zwei Fahhrradreisenden, die wir getroffen haben. Alexandr und Alexej.Sie sind mit dem Zug von Irkutsk, wo sie wohnen, nach Moskau gefahren und fahren von dort nach Hause. Wir trafen sie zwischen Nishny Novgorod und Kazan, sind ein Stueck zusammen geradelt, und haben zusammen gezeltet. Sowohl sie als auch wir fuhren zum Abendessen auf was da war - sehr lustig. Ueberhaupt jemanden radelnd zu treffen und dann auch noch Russen. Morgends gabs als Geschenk eine ausgerissene Seite aus einem Outdoorkatalog, die alle Adressen des Ladens in allen grossen Staeden hatte, mit kleinem Stadtplan dazu. In unserer Situation ein besonders wertvolles Geschenk. Naechsten Tag haben wir uns dann wieder verloren. Vielleich wieder in Irkutsk. Ansonsten haben wir angefangen den Ural zu besteigen. Das heisst viele heftige Berge, teilweise Schnee bis zu einem Meter hoch und vorgestern den ganzen Tag kalter Regen, dass wir aussahen wie aufgeweichte Bierdeckel. Da der Schnee immer noch nicht ganz verschwunden ist, fliesst ueberall Schmelzwasser und weicht grossflaechig den Boden auf. Sobald man die Strasse verlaesst kann man sich nur mit lautem Schmatzen unter den Schuhen fortbewegen. Die Fahrraeder sehen dann auch so aus wie es so mancher Jeep-Fahrer in Berlin gerne haette. Die Russen selbst sind sehr nett. Gerade erst vorgestern sind wir ,kaffetrinkend an einer Tankstelle stehend, von einer Familie befragt worden ("woher" , "wohin", "ach das ist weit") und dann herzlich umarmt und abgeknutscht. Dann stiegen alle sechs wieder in den Lada und waren weg. Wir standen immer noch da, kaffetrinkend an der Tankstelle, und schauten uns an. So oder aehnlich wars schon oefter geschehen. Besonders auf den Doerfern haben uns die Menschen angetan. Einmal zulange vor einem Magasin gestanden hat man sich schnell mal eine Einladung zum Essen eingefangen.....oder haeufiger zum Vodkachen. Gerade in laendlichen Gegenden haben wir schon des Vodkas uebles Werk sehen koennen. Radio hoeren wir gar nicht mehr. Kriegen keinen Sender rein. Das gute dabei - ich brauch nicht mit Dynamo zu strampeln um die Akkus zu laden.


12.05.2004, 13:26 Uhr | Oli in Ekaterinburg/Sverdlovsk O./Rossiya  3757 km
 

Diesmal moechte ich mit einem grossen Lob auf die russischen Nahverkehrsmittel beginnen. Berlin koennte sich da eine Scheibe abschneiden. In Ekaterinburg kosten Bus wie Bahn einfach, egal wohin und fuer jeden, 5 Rubel. Das hat viele Vorteile, es gibt 5-Rubelscheine und -Muenzen, ist also leicht zu handhaben, laesst sich leicht addieren und multiplizieren, und kann sich eigentlich jeder leisten. Es stoert auch keinen, dass es ausnahmslos alte Ikarusbusse oder alte ausrangierte deutsche Busse sind (nicht behindertengerecht, aber da wird die Babuschka mal schnell gemeinschaftlich hineingehoben), man will schnell und billig und nicht schoen fahren (ausserdem laeuft im Bus meistens noch des Busfahrers Lieblingsmusik). So ein Quatsch mit "aufeinander abgestimmte Fahrzeiten" gibt es hier auch nicht, da das ganze System eh im Zweiminuten-Rhytmus zu pulsieren scheint (wir mussten jedenfals noch nie laenger warten). Zudem koennen auch wir als Nichteinheimische und Nicht-gut-russisch-sprechende einfach mit dem Bus fahren. Sehr schoen. Ansonsten fuhren wir in einem furiosen Rutsch (kilometerweit bergab) aus Perm heraus. Am naechsten Tag war es dann auch soweit fuer den Gepaecktraeger an Astrids Fahrrad (besser Gebaecktraeger da dort meistens der Suesskram lagert), die Hufe hochzureissen. An zwei Stellen einfach durchgebrochen (Astrid, schon ganz in Russland, sagte dann : "Naja, hat ja auch schon ganz schoen lange gehalten.") . Nach ein wenig Rumschrauberei war dann die Konstruktion ganz anders und voellig zweckentfremdet, aber funktioniert bis heute (4 Tage) gut. Ein Tag spaeter auch noch einen Platten, so dass nun gaenzlich keine "Berliner Luft" mehr in den Reifen steckt. Leider gab es kein Schild. Ich habe mir ja ein Schild gewuenscht wo "Asien" draufsteht. Da haetten wir uns dann ausgiebiegst gegenseitig fotografiert. So wissen wir nicht seit wann wir in Asien sind , der Ural ist schon fast hinter uns. Der Weg von Perm nach Ekaterinburg war sehr schoen. Sehr wenig Autos und LKW'S und viel, teilweise bergige, Landschaft (uebrigens haelt mein Sonnenhut bis 47 km/h prima). Selbst das Wetter war uns so wohlgesonnen, dass wir schon in Latschen fahren konnten (ich stehe kurz vor dem Sonnenbrand). Heute z.Bsp. sind es 29 Grad in der Stadt. Ekaterinburg hat sich vom ersten Eindruck an von seiner besten Seite gezeigt. Das hat sich auch jetzt am dritten Tag nicht geaendert. Anders als in Moskau oder Kazan hat man nicht das Gefuehl, dass man sich staendig nur durch Menschenmassen durchschubsen lassen muss, obwohl hier auch viele Leute unterwegs sind. Die Stadt ist einladend angelegt mit grossen Seen, Promenaden, riesigen Strassen und Haeusern. Ich weiss nicht ob's an den Temperaturen liegt, die Leute scheinen freundlicher (wir muessen staendig nach irgendetwas fragen). Obendrein sind wir momentan bei Marina und Denis, die uns herzlich empfangen haben. Heute waren wir "Fahrradersatzteil-Shoppen". Zuerst bei einem Laden namens "Trail-Sport", die hatten zwar nicht viele Ersatzteile, aber der Verkaeufer war sehr nett. Als er hoerte, dass wir nach Vladivostok fahren wollen, hat er gleich angefangen rumzutelefonieren, um seinem Freund dort Bescheid zu sagen, dass wir in 3 oder 4 Monaten vorbeikommen (hat einfach angerufen, obwohl Verdacht bestand das sie dort schon im Bett liegen - Zeitverschiebung).


12.05.2004, 14:01 Uhr | astrid in ekaterinburg/russland  3757 km
 

mal dauerts lang, mal nich so lang.... haben doch glatt schon wieder das naechste internetcafe gefunden, und haben schon die "ekaterinburger etappe" erreicht. seit zwei tagen befinden wir uns nun schon in der drittgroessten stadt russlands, die uns bisher von allen durchfahrenen staedten am besten gefaellt! die bewohner sind durch die bank weg alle freundlich, wir haben z.b. ohne probleme und ohne stadtplan, nur durch fragerei an jeder ecke quer duch die stadt gefunden (zur wohnstadt der hier ansaessigen cousine meiner mitbewohnerin),oder haben heute in einem hiesigen fahrradladen von einem verkaeufer direkt die adresse seines guten freundes in vladivostok erhalten, wo wir doch unterkommen koennten, sobald wir dort eintreffen.... schoen das ist! apropos fahrradladen, wir haben ja inzwischen dann doch so einige kleinere und groessere pannen auf unserem weg gehabt.... mein groesster dank geht dabei an die Gepaecktraegerfertigenden betriebe....ihr koenntet euch auch mal ein wenig mehr anstrengen! sowohl olis gepaecktraegerchen hats erwischt, bei ihm haben sich ein paar schrauben gelockert und erdreistet, sich auf nimmerwiedersehen zu verabschieden (beim gepaecktraeger, nicht bei oli, da ist noch alles im lot soweit ich das beurteilen kann), als auch mein metallhalter gab seinen geist auf, am rahmen ist ein stueck des angeblich so stabilen stahls frech abgesprungen und hat mein gepaeck sich auf radhoehe einpendeln und mich damit bremsen lassen.... schoene scheisse. oli hat dann in muehsamster kleinst- und feinstarbeit eine vorlaeufige befestigung gebastelt, mit deren hilfe wir mit gepaeck und traegern schlussendlich schneller als wir dachten in ekaterinburg eingetroffen sind. sitzen hier schon seit 2 tagen und geniessen diese stadt, die menschen und das absolut geniale wetter, das uns schon seit ca.6 tagen sonne und waerme beschert, heute hat es unglaubliche 29 grad gehabt....! wer haette das vor gut 2 wochen gedacht? wir sicher nicht, aber man soll die hoffnung ja bekanntlich nie aufgeben, das ist jetzt die belohnung fuer die 2 monate darben , frieren und bibbern..... haben schon einige winterklamotten nach hause geschickt, sozusagen als revolutionaerer akt, und um die sommerzeit einzulaeuten! nachdem wir dann hoffentlich gleich auch noch die sonnencreme gefunden haben werden (ich bin mir da ganz sicher), nach der wir schon den ganzen tag suchen, und die fahrradeinkaeufe erledigt sind, werden wir es uns evtl. in einem der, sowohl in staedten als auch auf dem lande zahlreich vorhandenen, biergaerten wohl ergehen lassen, um dann heute abend als dankeschoen fuer unsere nette gastgeberin marina echtes deutsches chili con carne zu kochen, oder vielleicht auch nudeln mit roter sauce (bereits ca.60mal auf dieser tour gegessen lt. statistik), weil is ja so lecka.......


19.05.2004, 10:17 Uhr | Oli in Tjumen/Tjumenskaja O./Rossija  4155 km
 

Mitten in Westsibirien sind wir beinahe vertrocknet. Ein paar Tage lang wars jetzt Hochsommer. 35 Grad und mehr. Die ploetzliche Hitze hat Blueten an die Baeume gebracht und Salzblueten auf der Haut. Abends hatten wir immer derartige Salzablagerungen auf der Haut, dass man ohne Probleme ein wenig atomaren Restmuell haette einlagern koennen. Der Abschied aus Ekaterienburg fiel schwer, da uns die Stadt sehr zum Verweilen einlud. Den letzten Tag haben wir damit verbracht vor dem Fahrradladen namens "Velkom" unsere Faehraeder wieder aufzupaeppeln. Astrid hat dort neue "Gebaecktraegerhalterungen" bekommen (handgefertigt im Laden). Die Leute von diesem Laden waren ueberaus freundlich und erfreut uns zu helfen. Sie nahmen nicht mal Geld. Dort trafen wir auch Sergej, der uns aud der Stelle eine begleitete Sightseengtour mit Fahrrad verschrieb (er ist Doktor). Der Weg von Ekaterienburg bis Tjumen war fast ohne Steigungen, einen Tag starker Wind von vorn und viel frisches Gruen. Russland sieht ganz anders aus mit soviel Gruen. Gestern waren wir auch das erste mal baden. Zwar nur kurz, aber immerhin. Der Staub der letzten Tage wurde hinweggespuelt und wir fuehlten uns frischer als sonst.


29.05.2004, 09:46 Uhr | Oli in Omsk/Omskaya O./Rossia  4821 km
 

Ooooooooooooooooooooooomsk. Durch die Westsibierische Ebene. Manchmal dauert es 20 km bis zur naechsten Kurve. Eine Kurve ist hier ein etwa ein bis zwei km langes gebogenes Stueck Strasse, das, wenn man es mal durchmessen hat, zu einem Richtungswechsel von etwa drei bis fuenf Grad fuehrt. Man kann also getrost behaupten es geht immer geradeaus. Und flach ist es auch. Manchmal kamen Felder von 5 x 10 km Flaeche, nur unterbrochen von mickrigen Holzstommasten.Danach das naechste Feld mit aehnlicher Groesse. Eine schier unvorstellbar grosse Flaeche. Um diese Felder zu beackern werden meist panzerartige Kettentraktoren oder Traktoren mit vier zweimeterhohen Ballonreifen benutzt. Traktoren wie ich sie aus Deutschland kenne sind hier nur etwas fuer "Kleingaertner". Die Temperaturen haben sich inzwischen bei 30 - 35 Grad Celsius eingebendelt bei blauem Himmel. Einige sturmartige Gewitter durften wir auch schon beobachten. Diese Temperaturen sind vor allen Dingen fuer eine Art der auf diesem Planeten lebenden Lebewesen gut : Insekten des blutsaugenden Gewerbes. Astrid hat gerade nocheinmal 4 Dosen Mueckenverscheuch-Chemie in einer der zahlreichen Apotheken erstanden. Ich hoffe es hilft. Fuer heute steht der abendliche Aderlass noch bevor.


29.05.2004, 10:03 Uhr | astrid in omsk/ russland  4821 km
 

ich darf auch mal wieder schreiben, ich darf auch mal wieder schreiben.....na, na, na, na, na.... also, wir sind aus ekaterinburg entlassen worden, das ist jetzt schon wieder soooo lange her, aber ich muss noch ein kleines woertchen zu der stadt und den menschen, die wir dort treffen durften, ablassen. super! so. habe dort noch, als alte kinderkrankenschwester, die gelegenheit gehabt ein krankenhaus von innen zu sehen. hatte mir doch tage vorher eine zecke gefangen, bzw. sie mich, und durch den gluecklichen umstand, dass wir sergej, einen arzt, kennenlernten, dessen schwiegervater auch noch just der gesundheitsminister im staate svetlovs war, kam ich dann, nach einem von sergej recht einduecklichen "sofort injektion abholen", in den genuss einer russischen zeckenimpfstation, oder was auch immer das war. keine sorgen, allet sauber, allet jut, bin g'impft, nix passiert. inzwischen sind wir ja aba schon weitergefahren, es liegen schon etliche kilometer und tage zwischen uns und ekaterinburg, und es ist wieder viel passiert... ich habe seither gemerkt, dass so ziemlich alles um uns herum zugenommen hat.... die temperatur, z.b.,die hat zugenommen... heute sind es ca.32 gradussov, gefuehlte 65 im schatten...gott seis getrommelt und gepfiffen, ich kann mich nicht genug darueber freuen, dass tatsaechlich diese kaelte, sprich winter, vorbei ist. dann die aufmerksamkeit der russischen bevoelkerung uns gegenueber, die hat ebenfalls zugenommen....an jedem, inzwischen wirklich an jedem unserer rastpunkte, manchmal auch an unseren schlafplaetzen, werden wir mit "atkuda, kuda, daleko" bombardiert (unterschiedlichste reaktionen folgen auf unsere antworten). heute passierte es, dass ein busfahrer samt bus neben mir fuhr und besagte fragen durch die geoeffnete einstiegsluke mir entgegenschleuderte.... dann ein kuzes kopfschuetteln und gas gegeben, dass der motor heulte.....und dann, gerade vor ein paar minuten habe ich mein erstes autogramm im leben gegeben...die leute aus dem internetcaffee, das wir eben enterten, wollen doch partout eine unterschrift von uns auf einer russlandkarte..... dann die landschaft, in gewissem sinne...auch zugenommen. erstmal ist sie gruener geworden, ein wunderschoenes saftig-sattes gruen, dass einem die augen leuchten, die birken und andere baeume (ausser den nadelbaeumen natuerlich) bluehen, das gras und anderes komisches zeug und natuerlich blumen wachsen wie bloede....und das alles in einer landschaft, die auch irgendwie zugenommen hat....sie ist noch weitlaeufiger, noch groesser geworden, so weit, da kommt mein auge manchmal gar nicht mehr hinterher, so weit. zuerst waren es nur noch mehr baeume, dann wurde die landschaft flacher (westsibierische ebene) und weniger bewaldet, dafuer mehr felder und wiesen, dazwischen seen, teiche, fluesse und pfuetzen, die gerade in der aufkommenden hitzewelle zum baden einladen. aber das auch nur, wenn nicht 50000 autoreifen oder plasteflaschen darinherumtrudeln (das abfallaufgebot hat auch zugenommen, am rande der strassen), sprich in von der strasse etwas entfernteren regionen. ansonsten stehen hier nicht mickrige 2-3 pusteblumen, wie zuhaus an mancher ecke, nein, hier wird aufgetrumpft, es sind dann kurz mal 40000...hab sie gezaehlt....:-) da kann der blick beim fahren schweifen und die gedanken fliegen dahin (allerdings nur an tagen, an denen kein gegenwind herrscht, an den gegenwindtagen schweifen blicke und gedanken immer nur bis zum naechsten asphaltsteinchen in der starsse). st schon eine wahnsinnig schoene landschaft hier. was hat noch zugenommen? mmmh, ach ja, DIE MUECKEN.... diese kleinen mistviecher, was sag ich, klein...? ne, das hat auch zugenommen, die groesse hier befindlicher insektenarten und -familien, von fliege ueber ameise, biene, hummel hin zur MUECKE duerfte man in unseren heimatlichen breitengraden als monstroes bezeichnen. die sind alle mindestens um 1/3 groesser als bei uns, was faellt denen ein?!! hinzu kommt, dass also nicht nur die qualitaet, sondern auch die quantitaet der gemeinen MUECKE zugenommen hat , die hat hier alle ihre freunde und bekannten mitgebracht...und alle zu uns in die naehe, NATUERLICH gerade dahin wo WIR zelten...... zugennommen hat aber auch unser koennen im "MUECKEN-mit-einer-hand-im-fluge-fangen".....auch wenns nur wenig hilft.... zugenommen hat auch unser verbrauch an einschlaegig bekannten mueckenmitteln..... zugenommen hat auch mein spass an der ganzen reise, mit jedem tag mehr, mit jedem fitzelchen meines koerpers und meines geistes, mit allem , was ich hab und was ich bin..... .....nur wir, wir haben abgenommen.......:-)


07.06.2004, 09:59 Uhr | Oli in Novosibirsk  5507 km
 

Bis 400 km hinter Omsk war alles bestens. Der Wind kam hauptsaechlich von hinten, die Strasse war wie eine Flugzeuglandebahn, und wir traffen lustige Leute. Zum Beispiel ein paar Jogger, die 26000 km um die Welt joggen. Ein Daene, zwei Russen und eine Japanerin, die uns auch prompt eingeladen hat nach Hiroshima zu fahren. Sehr angenehm. Aber dann wendete sich das Blatt. Der Wind kam von vorne, die Hitze wurde immer unertaeglicher, die Strasse vom Frost voellig zerstoert (Frost natuerlich im Winter). Aber das reichte noch nicht, nein, ich musste noch ein wenig krank werden und anderthalb Tage darniederliegen. Zum Glueck hatten wir ein Plaetzchen in der Naehe eines Flusses (beim Baden hab ich mir natuerlich den Fuss verletzt) und einer Sakusotschnaja. Allerdings haben sich and den zwei Tagen soviele Fliegen und Muecken ums Zelt versammelt wie ich noch nie gesehen habe. Wie aus Hitchcocks Film "Die Fliegen". Die Insekten haben wir uns gut aufgeteilt, Astrid wird gerne von Muecken ausgesaugt, ich dagegen werde lieber von diesen riesigen Fliegen gebissen. Deswegen betitulieren wir uns jetzt immer liebevoll mit "Muecky Mouse" und "Fliegen Peter".


07.06.2004, 12:03 Uhr | astrid in novosibirsk/russland  5507 km
 

habt ihrs gesehen, geschaetzte leser? die 4 hat sich schwupps in eine 5 verwandelt bei den gefahrenen kilometern. nun also fliegen-peter und muecky mouse melden sich wieder... nachdem ich mit den arbeiten an meinem buch " durchs wilde sibiristan" (in anlehnung an einen gewissen k.m. aus r., allerdings habe ich diesem schriftsteller voraus, schon in dem land (gewesen) zu sein, ueber das ich schreibe) nun fertig bin, habe ich einen neuen roman begonnen, mir schwebt als titel "unter muecken" vor. jaja, man hat schon viel zeit auf dem rad...da kann es schonmal passieren, dass die gedanken ein wenig verquer laufen. aber mal ehrlich, was literatur angeht, ich fuehle mich oft an charaktere aus dostojewskis buechern erinnert, wenn ich mir hier die russen anschaue, die uns so nach und nach ueber den weg laufen. da ist zum beispiel die laut in ihrer kueche lamentierende mamutschka einer raststaette (sakusotschnajar), die wen auch immer anschreit, dass einem die ohren klingeln. dann, was uns haeufiger passiert ist, der russe, der auf uns zukommt, mit unbewegtem gesicht sein atkuda (woher), kuda (wohin) fragt... daraufhin sagen wir unser einstudiertes spruechlein auf... immer noch unbewegte miene auf der gegenseite. dann aber, ein augenbrauenhochziehen, und wenn wir zu diesem zeitpunkt nicht schnell auf unsere raeder springen um weiterzufahren, muss unsereins dann einen wortschwall aushalten....das kann tage dauern. es wird dann ueber eigene fahrradfahrerfahrung erzaehlt, ueber wetter, ueber die familie, was weiss ich auch immer....den geringsten teil dieses verbalen "ergusses" versteht man dabei, erstens weils russisch ist, und zweitens weils oft in einer schwindelerregenden geschwindigkeit hervorgestossen wir, gleichsam als waere ein damm gebrochen, als haette der betreffende seit jahren auf diese 2 radfahrer gewartet, um sich endlich mal alles von der seele reden zu koennen. wir laecheln dann nur immer ein wenig hilflos, meistens bemerkt der russe noch nicht mal, dass wir eigentlich gar nix verstanden haben,..... dann gibts da noch die traurigen gestalten der besoffenenfront, ueber die ich bereits schrieb. dann die russischen schoenheiten....weiblich, jung, schlank und fast ausnahmslos langbeinig (beine bis unter die arme), die selbstbewusst in der grossstaedten ueber die strassen stolzieren (in den doerfern sieht man eher ihre muetter, aelter, kleiner, dicker, dafuer oft ein herzlicheres laecheln auf den lippen). dann gibt es russen, maenner wie frauen, die einfach von ihrer liebenswuerdigkeit her aussergewoehnlich scheinen. wir sind schon herzlichst umarmt und gekuesst worden, wurden zum essen und trinken eingeladen, haben geld geschenkt bekommen, mussten haende ueber haende schuetteln....manchmal fast schon beschaehmend....und sehr nett! dann aber auch manchmal das gegenteil, verschlossene gesichter, keine antwort auf fragen, blicke die erstmal taxieren...brrrr. dann russen, die, wie uns bereits von ksenias vater erzaehlt wurde, sehr egoistisch sich gebaerden. an der raststaette stehen am thresen 6 leute, unter anderem oli oder ich... manchmal werden ploetzlich 10 vor uns bedient, und wir fragen uns, wo die wohl aus dem boden geschossen kamen....da gibts ein gedraenge und geschiebe, eigentlich hat in allen faellen derjenige das spiel gewonnen, der die lauteste stimme hat, oder die besten ellenbogen. man kann sich stundenrund hinsetzen und interessantes entdecken.... mal schauen, ob ich die alle in meinem roman unterbringen kann :-)


12.06.2004, 09:39 Uhr | Oli in Kemerowo  5793 km
 

Heute morgen hatte es erst den Anschein, dass wir gar nicht losfahren und den Tag im Zelt verbringen, da es in Stroemen regnete. Aber das aenderte sich dann gegen 11 Uhr, und wir sind jetzt im Zentrum. Vorher haben wir noch an einem Vorstadtkaffe vier finnische Motoradfahrer getroffen, die mit Ihren Urals (unter Stalin der alten BMW nachgebaut) von Helsinki nach Peking unterwegs sind. Es ist immer wieder schoen zu sehen, dass wir nicht die Einzigen sind. Und man wird sie alle treffen, da es nur eine wirkliche Verbindung in den weiten Osten gibt. Auch mehren sich die Geruechte, dass die von Putin vor etwa drei Monaten eingeweihte Strasse von Chita nach Chabarovsk nicht wirklich existiert. Alles nur eine PR-Aktion. Die Geschichten kommen von Autoueberfuehrern, die alte japanische Autos aus Vladivostok Richtung Westen fahren. Hinter Novosibirsk aenderte sich die Landschaft in eine etwas mehr bergige Gegend. Wir sind Steigungen schon gar nicht mehr gewoehnt. Hinzu kommt, dass gestern wieder ein turnusmaessiger Kettenwechsel auf dem Plan stand, und wir heute einige Probleme haben mit der neuen Kette auf einer 2000 km alten Ritzelkassette. Aber wir sind guter Dinge und werden jetzt Krasnojarsk anpeilen. Nur noch ca. 550 km.


12.06.2004, 09:52 Uhr | astrid in kemerowo/russland  5793 km
 

mein abenteuerroman "unter muecken" ist nun auch schon fertiggeschreibselt, und so habe ich wieder zeit und musse ins tagebuch einzuschreiben... da ist aber gar nicht soviel passiert in den letzten tagen, so schnell hatte ich gar nicht wieder mit einem internetcafe gerechnet.... na dann schreib ich halt uebers wetter.... das hat uns doch in den letzten tagen mal wieder gegenwind beschert. der alleine waere ja gar nicht so schlimm, aber da auch die landschaft eine andere geworden ist (wir sind ja bekanntermassen nun schon aus der westsibirischen ebene aus- und ins huegelige taigatische ostsibirien eingetreten). das macht kraempfe inne beine und schlappheit ueberall, wenn mans schon eine weile nicht mehr gewohnt ist gegen huegelgiganten anzutreten. doch wir schlagen uns tapfer, jetzt ist die strasse ja wenigstens noch gut befahrbar. man hat uns schon vorsichtig darauf aufmerksam gemacht, dass nach krasnojarsk die strasse ein gutes stueck (ca. 250km) nicht asphaltiert ist... da wird der tagesschnitt an km ganz schoen drunter leiden... allet jut, bis bald


19.06.2004, 08:34 Uhr | Oli in Krasnojarsk / Russland  6350 km
 

Die nun hinter uns liegende Strecke von Kemerovo nach Krasnojarsk sind wir des oefteren mit einer himmlischen Wasserkuehlung gefahren. Fast jeden Tag gab es Gewitter. Bei dem ganzen Wasser sieht die Landschaft richtig saftig aus, mit Bergen, vielen Fluessen und wesentlich mehr Nadelbaeumen jetzt. 50 km hinter Kemerovo gabs mal wieder eine kleine Panne die wieder einmal, dies muss jetzt mal genannt werden, mit der Firma Pletscher zu tun hatte. Astrids Fahrradstaender hatte sich vom Rad geloest. Wie auch schon beim Gepaektraeger (beide von derselben Firma) war das Produkt ausserordentlich stabil gebaut und haette noch Jahrzehnte ueberdauert, aber die Befestigung am Rahmen war mangelhaft. Eine halbe Stunde mit einer kleinen Metallfeile hatte sich dann aber gelohnt, und die abgebrochene Schraube haben wir aus dem Rahmen bekommen. Funktionieren tut der Radstaender aber nicht mehr so richtig.


19.06.2004, 09:08 Uhr | astrid in krasnojarsk/russland  6350 km
 

so, erstmal werd ich jetzt meinen tiefen unmut ueber den computer, an dem ich sitze herausschrei(b)en... war schon mitten im berichten, da stuerzt der sack ab, dass es sich gewaschen hat... alles futsch... grummel, sch...-technik, demnaechst schreib ich nen rundbrief, per hand,... kann er sehn wo er bleibt, aetsch, wird unbenutzt verrotten inner ecke, bis der gruenspan ihn heimsucht und staub das einzige ist, was sein bildschirm zeigen kann.... nun denn, nochmal von vorn, es begann damit , dass..... unser webmaster achim hat ja nun schon so nett vorgegriffen, kann man ja auch verstehen, sind ja wirklich ganz schoen schnell geraedert. trotzdem, wir sind heute erst in krasnojarsk eingetrudelt, und nun schreib ich ma wieder was ("+*^%...grmpfff....mit 'nem sch...-computer...#*^+=+*) nun, die sakussotschnajars (uebersetzt wohl sowas aehnliches wie "autobahnraststaette", wobei man ja hier schwerlich von autobahnen sprechen kann, dann also eher "raststaette" oder "imbiss") auf unserem weg von novosibirsk bis hierher, wir kennen sie alle, denn wir haben alle besucht (naja fast)... first of all, mir ist die ausnehmend einfallsreiche benennung dieser "tempel der gemuetlichkeit" aufgefallen. da findet man z.b. "kafe natascha", "k.tascha", "k.nadja", "k.svetlana". ach, ueberhaupt alle der hierzulande gebraeuchlichen weiblichen vornamen finden sich auf den liebevoll, meist per hand gestalteten, aushaengeschildern. ein und derselbe name wird gerne mehrfach genutzt, es kam auch schon vor, dass mehrere nebeneinander gelegene imbisse sich denselben namen teilten,. uns bringt das nur immer kurz zum stutzen ..."waren wir hier nicht schonmal?"...."neee, kann ja nich".... dann ist gerade in dieser region russlands immer wieder gern genutzt "zum baeren ", "die drei baeren", "der baer", "das baerchen".......WIR haben noch keinen EINZIGEN baeren gesehen..... wer seine staedte aber auch "asbest", "patriotchen", "gross-ungut" o.ae. tauft, darf auch seine kafes "lada" nennen. wir haben bereits ueberlegt, ob wir nicht einen guide michelin ueber die gaststaetten sibiriens schreiben, das mit der sternchenvergabe lassen wir dann aber raus, westliche massstaebe kann man hier sowieso nicht ansetzen, was aber keinesfalls abwertend oder boes gemeint ist....ist halt nur anders.... da sind wir nun eines schoenen tages schon ellenlang und in glutes hitze unterwegs, die beine werden schlapper, das wasser wird knapper und die zungen haengen fast zwischen den speichen, da sehen wir in der ferne doch tatsaechlich eines dieser kleinen blauen schilder aufblitzen, das eine in baelde auftauchende sakussotschnajar ankuendigt. wir werden schneller, geben noch einmal alles um die kleine weisse km-angabe am unteren rand des schildes entziffern zu koennen...kommen naeher und naeher,........ja.....ja......... ............."60 km"..... ..... ... ... .. .. . . an diesem tag haben wir keine sakussotschnajar mehr besucht. ich frage mich manchmal, warum an solch einer sakussotschnajar "otkruit" (geoeffnet) dransteht... ein kleines beispiel folgt auf dem fusse: sind mal wieder unterwegs, haben hunger, oder durst, oder beides, finden ein kaffee am strassenrand, welches den namen "kafe tascha" traegt. nun, wir wollen einkehren, stehen aber mit unseren raedern ein wenig ratlos da, der eingang ist nicht so einfach zu finden. da schreit aus einiger entfernung ein russe herueber "doch, ja, das kaffee waere offen, wir sollten nur reingehen, er wuerde tascha bescheid sagen". gut also, eine stufe weiter, wir stehen inmitten das gastraumes (ca.3 tische und eine kleine theke) und schauen waehrend des wartens auf "tascha" ein wenig zweilfelnd mit dunkler vorahnung auf die nicht allzu reichlich ausgestattete ess- und trinkbare auslegeware. mal sehen... nach 20 minuten kommt dann auch tascha und steht mit leicht eingefrorenem laecheln, vielleicht haben wir sie beim nachmittaeglichen nickerchen gestoert, am thresen. "haben sie wasser?"- "njet" "haben sie etwas zu essen?"- "njet" "alkohol?"- "njet" (das ist das, was eigentlich immer zieht) ......aber es kommt der freundliche hinweis, wenn wir dies alles haben wollen wuerden, 25meter die strasse runter waere ein einkaufsladen, da koennten wir ja mal fragen...... WARUM in aller herrgottsnamen steht am eingang "geoeffnet" ? dennoch, diese nischen, ecken, haeuschen sind von uns gern gesehen, sie dienen naemlich auch als fernmeldestationen. hier erhalten wir informationen ueber unseren stand im gesamtklassement, sprich von lkw-/autofahrern und dem imbisspersonal werden wir immer auf dem laufenden gehalten welcher radfahrer vor und/oder hinter uns ist, wieviele es sind, woher sie kommen etc.p.p ....sehr interessant! wir trafen vor einiger zeit z.b. auf einen polnischen radler, der, kaum hatte er uns erreicht, sagte: " na von euch hab ich doch schon gehoert, ihr seid die deutschen........." werden demnaechst noch richtig beruehmt, ich weiss es genau.....dank der russischen sakussotschnajars!


02.07.2004, 08:05 Uhr | Oli in Irkutsk/Irkutsk Oblast/Russl.  6988 km
 

Viel ist passiert seit dem wir Krasnojarsk verlassen haben. Zuerst haben wir uns mit Wassili getroffen, dem Onkel von Juri. Er haette uns gern seine Stadt gezeigt, aber da er in einer geschlossenen Stadt (Uranabbau) lebt, hat er uns kurzerhand in der Naehe von Urjar zum Essen eingeladen. Dann sind wir weiter Richtung Irkutsk gefahren. Die Landschaft zeigte sich uns ein wenig bergig. Wieder gab es fast jeden Tag Gewitter. Den Gipfel dieses Naturphaenomens konnten wir eines Abends im Zelt miterleben. Fuer ueber eine Stunde zuckten Blitze im 3-Sekundentakt ums Zelt herum. Taghell wars. Ein wenig Bedenken hatten wir schon, da man ein Zelt mit 3 duennen Alustangen nicht gerade als Faradayischen Kaefig betrachten kann. Dazu goss es abenteuerlich aus allen Kannen. An der Grenze zum Irkutsker Oblast wurde die Uhr mal wieder um eine Stunde vorgestellt. Somit haben wir jetzt einen Zeitunterschied zu Deutschland von sieben Stunden. Das bereitet uns kontinuierlich Probleme beim morgendlichen Aufstehen. Ob wir frueher aufstehen wuerden ohne Zeitverschiebung ist nicht belegbar. In der Zeit war dann auch mal wieder ein Kettenwechsel notwendig. Der Fahrradstaender von Astrid ist jetzt endgueltig im Muell gelandet. Es macht keinen Sinn ein so schweres Teil nutzlos mitzufuehren. Hinter Taischet trafen wir auf 6 Deutsche mit drei Unimog's (riesige Mercedes-Allrad-Wohnmobile). Wir wurden prompt auf einen Kaffe eingeladen. Sie erzaehlten, dass sie auf dem Weg zum Baikalsee sind, schon 14 Tage gefahren und dass das solange Autofahren ganz schoen anstrengend ist (kann ich mir gut vorstellen). Doch bei einem Satz klappte mir dann doch die Kinnlade runter : " ............gestern hinter Omsk."(zurm besseren Verstaendniss: Omsk lag in diesem Moment weit ueber 1000km hinter uns). Mir wurde erst da der Geschwindigkeitsunterschied zwischen uns bewusst. Just 100 km weiter konnten wir selbst mal in den Genuss des Dahinrasens(av. 50 km/h) kommen. Wir hatten morgens gerade die ersten 3 km hinter uns gebracht, da tauchte schon ein alter Eisenbahnwagon mit Gaststaette drin am Strassenrand auf. Davor sitzend sprach uns ein LKW-Fahrer an. Ach nach Irkutsk....na dann steigt mal ein ! Im schwachen Moment erwischt sagten wir ja. Sodenn wurde Werkzeug ausgepackt um vorsichtig die Blombe vom versiegelten Container zu oeffnen. Dann Fahrraeder und Gepaeck rein in den Container, zwischen Trockenmilch, Kartoffeln und Ersatzreifen. In insgesamt fuenf Minuten sassen wir vorne bei Leonid im Fahrerhaus und los gings. Wir wollten sowiso mal alle wichtigen Verkehrsmittel Russlands ausprobieren, als da waeren: Lada, UAS, Kamaz und Zug. Jetzt fehlt nur noch Zug. Nun sassen wir dort und sahen die Welt mal aus der Perspektive derjenigen, die uns staendig umschiffen muessen. Die meisten LKW's hier sind Kamaz. Bei der Konstruktion des Fahrwerks wurden spaetere Rueckenschaeden des Fahrers nicht beruecksichtigt , wohl aber die Gelaendetauglichkeit. Deswegen gibt es auch nur wenige westliche LKW's hier. Die Strassen in Sibierien sind mit Deutschland verglichen natuerlich schlecht. Bedenkt man aber die Laenge, die Staatskasse, alte Strassenbautechnik und die extremen Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter, kann man sagen, dass die Strassen sehr gut sind. Nun sind wir in Irkutsk. Einen Tag wurden wir von Leonid's Familie umsorgt, und nun wohnen wir bei Aleksey im Mikroraion "Erster Mai".


02.07.2004, 08:45 Uhr | astrid in irkutsk/russland  6988 km
 

heut schreibt oli mal gruesse an euch alle!


03.07.2004, 20:26 Uhr | Oli in Irkutsk  6988 km
 

Nun haben wir einige interesante Tage in Irkutsk verbracht und werden morgen Richtung Ulan-Ude aufbrechen. Vielleicht sogar frueh am Morgen ? Heute waren wir das erste Mal am Baikalsee. Ein kleiner Ausflug mit Aljoscha , seinem Vater und deren alten mattblauen Moskwitch. Bei dieser Gelegenheit sind uns mal wieder die russischen Fahrgewohnheiten bewusst geworden. Die staedtischen “Marschrutnoje Taksi” werden nicht umsonst mit dem Sprichwort bedacht: “Fuenf Minuten Angst und Du bist zu Hause”. Freude steigt auf wenn die spielenden Kinder am Strassenrand ueberlebt haben und das Nummernschild des vorrausfahrenden koennte man aus fuenf Meter Entfernung auch lesen (meist wird dichter gefahren). Meiner Meinung nach ist es voellig unnoetig sich so riskant und unverantwortlich zu verhalten. Am Baikalsee war es merklich kaelter als in der Stadt. Auf der gegenueberliegenden Seite kann man noch Schnee auf den Bergen erkennen. Sieht alles ein bisschen wie Norwegen aus, besonders der Angera. Auf dem Rueckweg haben wir noch in der Datscha gehalten, sind dort herzlichst verkoestigt worden und im Angera schwimmen gegangen (Nur kurz, Baikal hat etwa 7 Grad und der Fluss nicht wesentlich mehr). Man glaubt es kaum - wir freuen uns schon wieder Fahrrad zu fahren, vor allem durch diese riesige Landschaft.


22.07.2004, 04:13 Uhr | astrid in chabarovsk/russland  8148 km
 

so, das ist ne lange zeit her, dass ich das letzte mal tagebuch schreibselte, faellt mir erst jetzt auf, da ich wieder gut 1000km unter den raedern habe vorbeifliegen sehen (eigentlich sind mit eisenbahn-km ja 3800km).... erstmal gedanklich kurz ordnung schaffen, wir sind am 5.7. in irkutsk losgefahren, nach einigen tollen tagen mit neuen freunden. dann kam unser weg zum baikalsee und weiter bis ulan-ude, oli und ich sind uns recht einig, dass dieses stueck unseres weges das anstrengendste war, was uns bisher so unter die raeder gekommen ist. ueber die temperaturen und das wetter braucht man gar nicht mehr zu reden, 2 tage etwas regen am baikalsee war alles und unter 28 grad tagsueber faellt das thermometer auch nicht mehr. wer unseren wasserverbrauch betrachtet, weiss dass uns heiss ist, sehr heiss! 14l wasser haben wir an einem tag getrunken, und ich hab den ganzen tag ueber nur von einem getraeumt: einmal nur moechte ich mal wieder ne EISkalte cola mit eiswuerfeln drin trinken.....gibts hier nicht.... und zu der hitze kamen in den letzten wochen (heisst zwischen irkutsk, ulan-ude bis hin nach chita) wirklich starke steigungen hinzu.... der ural war nix dagegen. der baikalsee ist sowieso von hohen gebirgszuegen umzingelt, sieht sehr malerisch aus, wenn man aufm berg steht kann man auch wunderschoen runtergucken, aber komm da erstmal hoch.... trotzdem die gegend um den see herum ist wunderschoen, es wachsen pilze, beeren (auch baeren, die wir aber mal wieder nicht zugesicht bekommen haben) und hunderte verschiedener blumen einfach wild in der gegend rum, wenn man durch diese gegend faehrt duftet es lecker nach wald und allem drin, dass mir das herz in der brust huepft...toll. sowas gibts anderswo gar nicht mehr. in ulan-ude angekommen haben wir zwar ein internetcafe gefunden, konnten aber wegen technischer probleme keinen eintrag starten, nur mails schreiben..... dort haben wir auch langsam angefangen ernsthaft darueber nachzudenken, wies fuer uns beide weitergeht, wenn wir dann doch mal das meer erreicht haben sollten. denn sooo weit entfernt ist es jetzt gar nicht mehr. japan stand im bereich des moeglichen, schreckte uns aber ein wenig, da wir uns so gar nicht verstaendigen koennen, dann noch usa oder canada, wussten da aber nicht, wie es verbindungstechnisch von vladivostok aussieht....naja, erstmal informieren, dann weitersehen, so dachten wir. in ulan-ude haben wir auch das erste mal davon gehoert, dass wir beide im fernsehen (irgendwelche lokalnachrichten) aufgetaucht sind, der himmel weiss, wo uns die paparazzi erwischt haben, wir habens auf jeden fall nicht gemerkt..... sind aber jetzt beruehmt,ha, hier wo man die auslaendischen radfahrer, die innerhalb einer zeitspanne von 10 jahren vorbeikommen an einer hand abzaehlen kann. die berichte in den immer spaerlicher auftauchenden sakusotschnajars lauten inzwischen ;"ja, vor 3 jahren ist hier auch ein fahrradfahrer vorbeigekommen...." ist schon ganz schoen einsam hier, zwischen ulan-ude und chita sind wir oefter bis zu 50km und weiter gefahren, um das naechste groessere dorf zu erreichen (100 seelen nennt man groesser), dazwischen sieht man meist nur einzelne hausdaecher zwischen den baeumen aufblitzen, ansonsten nur huegel,wald und wiesen und ganz viele fluesse unter blauestem himmel, an dem ein riesiger greifvogel, oder vielleicht ein storch, seine kreise zieht.....und das ist die gegend, entlang der trans-sib, die noch die am dichtesten besiedelte in russland ist..... da sind wir auch durchgefahren...... und schnell sind wir gewesen bis chita, habe mich ganz schoen gewundert, dass unsere tagesetappen trotz der umstaende immer groesser werden. so ist es auch gekommen, dass wir schon am 19. in chita angekommen sind und am gleichen tag sogar noch in den zug, die sagenumwobene trans-sib, einsteigen konnten, um ca.2800km bis chabarovsk zu fahren. uns war berichtet worden und wir konnten uns auch vom zug aus davon ueberzeugen, dass die strasse, die putin eigentlich anfang maerz eroeffnet hat, in realitas eigentlich nicht existiert, bzw. grottenuebel zu befahren ist. fast die gesamte strecke ist nicht asphaltiert, es gibt keine bruecken, und die entfernungen zwischen den doerfern sind noch groesser, d.h. unsere versorgung, insbesondere mit wasser, waere schwierig geworden. also, ab inne bahn, liegewagen und nen "wagondrachen" hatten wir....es gibt immer fuer einen wagen eine/n verantwortlichen bahner/in, die auch meist im selbigen verbleiben und dort fuer die verteilung der waesche oder den unter-der-hand-alkohol-verkauf zustaendig sind. wir hatten nun das glueck gerade auf eines der schlimmsten exemplare zu stossen. sie begann schon zu keifen, als sie unserer vor dem zug stehenden raeder ansichtig wurde, und uns wurde angst und bange, da diese nette dame meinte, nein, die raeder koennten auf keinen fall noch mit. schluck...... gottseidank hatte oli vorher sogar noch nachgefragt und ein extra-fracht-ticket fuer teure 3 euro erstanden, so dass wir uns keines fehltrittes bewusst, ahnungslos richtung zug begeben hatten. der drache spie also feuer, wurde aber von div. anderen bahnangestellten etwas belabert, so dass wir doch schlussendlich unsere raeder, fast gaenzlich auseinandermontiert, in einer abendteuerlichen deckenkonstruktion befestigt (dank olis beleuchter-findigkeit), mitnehmen konnten....puhh, waren wir froh, als wir samt gepaeck und raedern, wenn auch etwas geraedert im zug sassen,als er losfuhr! dann 2 tage dringesessen, ein bisschen zitterpartie beim aussteigen, ob auch alles mitkommt und nix geklaut wird, doch alles ging gut und fuer gespraechsstoff der weiterfahrenden haben wir auch gesorgt. naj, und jetzt sind wir in chabarovsk, es sind noch 700km bis nach vladivostok, und wir haben heute unser flugticket nach anchorage (alaska) erstanden, mit zwischenstop in kamtschatka......da war ich auch noch nie.....gleich gehts weiter auf den raedern , immer gen osten!


22.07.2004, 04:17 Uhr | Oli in Chabarovsk /Russl.  8148 km
 

Nun sind wir in Chabarovsk. Wir sind von Chita 2 Tage mit der Transsib bis hierher gefahren. Das war auch noetig, da fast jeden Tag Temperaturen um die 40 Grad herschten und die Strasse aeusserst schlecht sein soll. Ausserdem waere dann eine Art Tankwagen noetig gewesen fuer unser Trinkwasser. Wir hatten mit Trinkwasser zwischen Chita und Ulan-Ude schon ein paar Probleme. Zwar kann ich schon allein im Rahmen 4,5 Liter Wasser unterbringen und hintendrauf auch nochmal 3, aber das ist meistens noch nicht genug. Vorm Zugfahren hatte ich ein bisschen Angst. Ob's wohl klappt die Fahrraeder rein und wieder raus zu kriegen. Und dann schon der Fahrkartenkauf mit schlechtem Russisch und vielen draengelden Personen. Aber es klappte besser als gedacht. Die Fahrkarten wurden ohne grosse Probleme erstanden, und spaeter nochmal ein Extrawurstticket fuer die Raeder. Es blieb eigentlich nur noch herrauszufinden auf welchem Bahnsteig der Zug einfaehrt und wo der Wagon Nr. 5 haelt, damit wir uns schon mal postieren koennen. Auf mehrmaliges Nachfragen hin bekam ich immer die Antwort, ich soll doch einfach Viktor zuhoeren. Ich wusste nicht ob ich jetzt ueberall nach Viktor suchen sollte und was gemeint ist. Spaeter stellte sich heraus das nicht Viktor sondern der Diktor (Bahnhofansager) gemeint ist. Alles war gut als der Zug einfuhr, nur die Dame die den Passagieren helfen sollte stellte sich quer als sie die Fahrraeder sah ( Spitzname war dann Wagondrachen). Die Rahmen und die Raeder habe ich dann flugs mit kleinen Zerrgurten an der Abteildecke befestigt, um dann sogleich zu sagen : "Schau her, ist gar nicht so schlimm mit den Raedern". Der Drachen fragte noch ob wir wohl mit D-Mark bezahlt haetten, da die Bahnhofsangestellten uns sehr wohlgesonnen waren und ein Wort fuer uns eingelegt haben. Von Irkutsk nach Ulan-Ude das Stueck sah ganz anders aus. Am Baikalsee vorbei haben wir das uns versprochene Mikroklima getroffen. Regen fuer 2 Tage. Wir haben direkt am See gezeltet und ein Feuerchen gemacht (welches nicht lange an war da es anfing zu regnen). Ueberall entlang der Strasse stehen Erdbeerverkaeufer. Manchmal konnte ich mir das Grinsen nicht verkneifen wenn man an diesem Spalier (jeweils etwa 30 Leute mit jeweils einem Eimerchen Erdbeeren vor sich) vorbeifaehrt , und sich ein Kopf nach dem anderen wendet. Wie eingeuebt. Riesige Pilze gabs im Wald auch. Haette ich die gekannt, waere in zehn Minuten ein Topf vollgesammelt gewesen. Das haben wir dann aber bleiben lassen, aber der Gedanke an frisch gebratene Pilze liess mich nicht mehr los. Fuer drei Tage sind wir am See enlang geradelt, immer parallel der Transsib. Trotz der Berge und der himmlischen Wasserkuehlung sind wir doch recht fix voran gekommen. Das hat uns selbst erstaunt. Die Pause in Irkutsk hat doch ganz gut getan und die Batterien wieder geladen. Die Luft um den See war angenehm kuehl. Um die Ecke (200 km) Richtung Ulan-Ude sah's dann schon anders aus. Wir sind immer am Ufer der Selenga (ein Zufluss des Baikal) enlang bis hin zur Stadt. In Ulan-Ude konnten wir uns nicht melden da die Computer schlecht funktionierten. Wir wurden dafuer mit dem groessten Lenindenkmal der Welt entschaedigt. Ich schaetze den Durchmesser des Kopfes von Lenin auf 10 Meter. Ulan-Ude ist die Hauptstadt der Burjatischen Republik. Die Burjaten werden uns in sehr guter Errinnerung bleiben - ein aeusserst angenehmes Voelkchen. Die Landschaft dort sah schon sehr mongolisch aus , oder besser wie ich mir die Mongolei vorstelle, einfach gruene Huegel. Kein Baum, kein Strauch. Dies war schon ein extremes Stueck. Viele Berge, die Strasse halb fluessig (weil aus Teer). Einmal sind wir bergauf gefahren und mussten alle 100 m anhalten und einen Schluck Wasser nehmen. Ein anderes mal bergauf war Astrid weit vorne. Als ich oben ankam war von Astrid nicht viel zu sehen. Nur eine Menschentraube die Astrid noetigte,waehrend des wassertrinkens, zu erzaehlen woher sie kommt, wohin wir fahren und ob's denn warm ist. Die Lage entspannte sich dann als ich kam,und Astrid hatte Zeit schnell in der Gipfelimbissbude das letzte kalte Wasser zu erstehen. Jetzt gehts erstmal weiter - die letzten 720 km nach Vladivostok.


28.07.2004, 03:53 Uhr | Oli in Vladivostok/Russland  8478 km
 

Das letzte Stueck von Chabarovsk nach Vladivostok habe ich mir eigentlich einfacher vorgestellt. Nach ein paar Tagen starken Suedwinds, steilen Bergen und leichten Durchfall mit physischer Schwaeche haben wir uns entschieden zu trampen. Sanft schwebte der aufrechte Daumen ueber der Strasse.... Nach 15 Minuten hielt ein Kleintransporter. Wassili kann uns 100 km mitnehmen, biegt aber ploetzlich 10 km vorm Ziel auf eine Piste ab. Die fuehrte zu der Datscha eines Freundes von ihm. Ihn will er fragen ob er uns nicht noch einStueckchen weiter mitnehmen kann. Kann er nicht - Stattdessen werden wir eingeladen die Nacht dort zu bleiben, und Wassili auch gleich. Es gibt ordentlich was zu Essen. Alles selber angebaut oder selbst gefangen. Mit Astrid sitze ich dann in der Banja, wir sind aber zu schnell wieder draussen, so dass die gesammte Manschaft sich einig ist ,dass irgendwas schief lief mit unserem Saunagang. So sitze ich nochmal zwischen zwei Essensgaengen in der Banja und werde mit Zweigen abgeklopft. Krebsrot erscheine ich wieder am Tisch. Dies war ein besonderer Abend, insbesondere wenn ich daran denke nur mal kurz den Daumen raus gehalten zu haben. Danach sind wir nocheinmal getrampt. Dies laesst uns noch ein bisschen Zeit um am Meer rumzuliegen. Gestern sind wir dann in Vladivostok eingetroffen. Es hat in Stroemen geregnet, und wir stellten uns auf der Veranda eines Kaffees unter. Die Besitzerin fing an uns rundum zu verkoestigen, wir konnten uns nicht wehren. Ausserdem speiste dort gerade der armenische Konsul, und dessen Begleiter vertrieben uns die Zeit mit Zaubertricks. Also wieder mal jede Menge sehr nette Leute getroffen.


28.07.2004, 04:11 Uhr | astrid in vladivostok/russland  8478 km
 

nu, da sind wir da, nach 12500km ueber land, durch russlands hoehen und weiten, sind wir beide gestern am ortseingangsschild "vladivostok" vorbeigekrochen (ging bergauf, daher gekrochen).... die zieleinfahrt wurde uns in den letzten tagen aber auch nicht allzu leicht gemacht. nach chabarovsk erwischte uns erstmal ein ausgewachsenes sturmtief, am naechsten tag wurde im fernsehen berichtet, dass in unserer naehe ein taifun froehlich sein unwesen getrieben hatte. wassermassen stuertzten vom himmel, und was in der ersten halben stunde noch als willkommene abkuehlung begruesst wurde, war nach weiteren gut 2 stunden eine qual auf dem rad. mit unterstell-unterbrechungen von bis zu einer stunde fuhren wir klitschnass und mit blitzen und donner im nacken so weit es ging....20km wurden wir von einem kleintansporter huckepack genommen, was schonmal weiterhalf. an dem tag haben wir mal wieder ein hotelzimmer genossen, gottseidank gabs ueberhaupt ein hotel, wobei der hauptteil des zimmers von unseren nassen sachen okupiert war...... nach diesem erlebnis und einige kraenkeln im darmbereich, hatten wir beide ein kleines koerperliches und geistiges motivationstief zu bewaeltigen, was wir dadurch taten, dass wir uns ein stueck weit von einem lkw, japanischer bauart, mitnehmen liessen; zumal es draengte die zeit ein wenig, durch den flugtermin haben wir ja jetzt eine vorgabe, wann wir spaetestens in v'stock eingetroffen sein muessen...mit unseren vier raedern waers knapp geworden, da haben wir mal andere vier raeder bemueht.... hat gut geklappt. dennoch, die letzten fast 200km haben wir doch noch alleine bewaeltigt und ohne zeitdruck, dabei gestern dann noch (in regenpause, der zweite schon nach dem sturm)den armenischen konsul kennengelernt in einem kaffee in dem wir uns untergestellt hatten... die netten ladenbesitzer haben uns schliesslich sogar noch ein essen gesponsort, waren ganz baff. und dann der grosse (verregnete) augenblick, als wir das ortsschild sahen.... jetzt sind wir durch, wahnsinn!!! heute gehts erstmal noch richtig ans meer, so nen langen weg zum meer (von zuhause aus) hatten wir bisher noch nie....


02.08.2004, 05:32 Uhr | Oli in Vladivostok/Russland  8478 km
 

Nur fuer Mirjam ! webmail far-rad.de jetzt unter http://83.133.97.138/poplogin/ Tut mir leid fuer verzoegerungen aber das rechenzentrum ist einfach umgezogen. Oli


02.08.2004, 06:42 Uhr | Oli in Vladivostok  8611 km
 

Seit 4 Tagen sind wir jetzt schon in Vladivostok. Vladivostok's Innenstadt befindet sich auf einer grossen Halbinsel die ausgesprochen bergig ist. Mit dem Fahrrad faehrt man hier entweder 4 oder 40 km/h. Strassen mit 18% Steigungen sind keine Seltenheit (stell ich mir sehr lustig vor im Winter). Dort dieseln dann tausende kleine alte Japanische LKW's und Busse hoch, die schwarze Wolken ausstossen. Wahrlich kein Luftkurort. Was ich sehr angenehm finde ist, dass man von fast jedem Punkt der Stadt aus immer ein Stueckchen vom Meer sieht. Als wir noch im Landesinneren waren, dachten wir immer : "Wenn wir erstmal in Vladivostok sind , dann hau'n wir uns an'n Strand und fahren kein Meter mit dem Fahrrad. (Hoechstens um Eis zu holen)". Nun.....so war's dann nicht, aber trotzdem ganz interressant. Die letzten zwei Tage waren wir auf einer vorgelagerten Insel Namens Russkii. Maxim der uns dorthin mitnahm, fuehrte uns kreuz und quer ueber die Insel. Riesige, senkrecht ins Meer abfallende Felsen und jede Menge Festungen und altes Militaergeraet. Auf dem Weg dorthin hatten wir schon Angst unsere doch mehr oder weniger Strassenfarraeder zu schreddern. Wir fahren auch auf schlechter Strasse aber weniger querfeldein. Maxim und die anderen Leute (die uns uebrigens eine Wohnung mit Meerblick verschafft haben) gehoeren aber zum "Klub-Extrem". Cross-Country- und Downhill-Champions sind hier anzutreffen. Heute haben wir es auch endlich geschafft eine neue Sattelstuetze fuer Astrids Rad zu bekommen. Die alte war der Laenge nach eingerissen. Hab mir nicht traeumen lassen, dass so ein Teil kaputt gehen kann. Zum Erwerb dieses Ersatzteils fanden wir uns bei einem Gebrauchtfahrradhaendler fuer japanische Raeder im Hafengelaende ein. Tausende alte Raeder aus Japan. Der Verkaeufer war nett, schenkte uns die Stuetze und zeigte uns dann noch seine selbstgebaute Achterbahn. Ein 10m Holzturm von dem man Skischanzenartig mit dem Rad runter faehrt. Das ganze geht dann in einen Looping ueber. Alles recht waghalsig zusammengezimmert, er meinte aber das er es schon oefter ohne Unfall geschafft hat. Morgen werden wir uns aufmachen zum etwa 50 km entfernten Flughafen. Uebermorgen sind wir dann schon auf Kamschatka. Fuer uns noch gar nich richtig fassbar aber das Tagebuch geht weiter.


02.08.2004, 06:54 Uhr | astrid in vladivostok/russland  8611 km
 

so, jetzt haben wir hier in vladivostok einige aufregende tage verbracht, vielleicht nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt haetten.... mit am strand rumliegen war da nicht viel, nachdem wir einige radfahrende russen aus dem bike-club "extrem" kennengelernt hatten, der name ist programm. wir hatten die gelegenheit zwei tage mit maxim auf einer, vor vladivostok gelegenen, insel zu biken, was ab und an doch recht abendteuerlich wurde (maxim mit mountainbike ueber stock und stein, wir mit unseren raedern +leichtem gepaeck immer hinterhergehoppelt). dafuer hatten wir aber auch einige grandiose ausblicke an steilen felsen, oder hohen bergen auf land, andere inseln und meer zu verbuchen... das hat sich gelohnt, auch wenn meine sattelstuetze, die zu anfang schon leicht angeschlagen war, nun vollends den geist aufgegeben hat und meinen sattel partout nicht mehr halten will.. dieses problem haben wir dann heute erfolgreich beheben koennen, hab ne neues sattelstuetze, alles super. morgen verlassen wir dann vladivostok auf reifenmachers rappen gen flughafen, die berge alle wieder hoch, und am 4.8. gehts dann nach kamtschatka, da wo die erde haeufig bebt, wos noch viele vulkane und einige warme seen,bzw. geysiere (?)geben soll...sind leider nur fuer 2 tage dort, dann gehts weiter nach anchorage (alaska).... wir bibbern auf jeden fall jetzt schon, ob das alles glimpflich mit raeder auseinanderschrauben, ins flugzeug schaffen, raeder wieder zusammenschrauben (das alles mal 2)vonstatten geht...und ob die amis uns zwei gestalten ohne probleme einreisen lassen???? wir werden sehen, drueckt mal alle die daumen...


07.08.2004, 00:38 Uhr | Oli in Anchorage/Alaska/USA  8632 km
 

- Flug von Vladivostok super (BusinessClass) - Kamschatka ein Tag, nur ein paar Vulkane von weit weg gesehen, sonst nuescht - Flug nach Alaska (Start mit Gehirnerschuetterung in Russland, Landung butterweich in USA), ueberraschend wenig Probleme und Verhoere der Miliz wegen fehlender Registrierung - Stop


14.08.2004, 20:46 Uhr | Oli in BeaverCreek/Yukon/Canada  9280 km
 

Astrid zwitschert seit Vladivostok oefter ein Liedchen welches am meisten von einer populaeren berliner Band bekannt sein duerfte.......und das geht so: .....mal geht's mir schlecht, .....dann geht's mir wieder gut, .....ich jedenfalls trag' jetzt immer einen Hut. Koennte daran liegen das ich Astrid die Haare in Vladivostok geschnitten habe, bin mir aber nicht sicher. An Wegstrecke legen wir inzwischen ganz schoen viele Kilometer (Miles) zurueck. Das kommt zum einem daher, dass die Strassen sehr glatt sind (Haende und Popo werden nicht so strapaziert), zum anderen sind die Strassen hier nicht gerade ueber den Berg gefuehrt worden und es kommen keine 15%igen Steigungen zustande. Aussedem wird man nicht angehupt, sondern meistens in einem grossen Bogen umrundet. Gestern mussten wir ein wenig trampen, da die rauchige Luft (ueberall Waldbraende) uns zu schaffen machte. Alles in allem sehr angenehm zu fahren, vor allem in dieser riesigen Landschaft. Auch haben wir uns in Russland schon auf einige kulinarische Produkte gefreut, die es hier gibt und dort nicht. Nur der Kaffee macht einem hier zu schaffen. Es ist etwa eine Gallone (Gallone = ca. 3.8 Liter) Kaffe notwendig um den Wachwerde-Faktor einer deutschen Tasse Kaffee zu bekommen.


14.08.2004, 20:47 Uhr | astrid in beaver creek/ canada  9280 km
 

meine guete, ich komm schon selber nicht mehr mit, so schnell geht das mit dem unwahrscheinlichkeitsdrive.... wir haben heute den 14.08.2004 (schoen mit der datumsgrenzueberschreitung zwischen kamschatka und alaska/usa einen tag geschenkt bekommen zu haben), es ist 11.30am und damit haben wir nun einen zeitunterschied von 10h nach vorne zu euch nach deutschland (man, diese rechnerei macht mich ganz wuschig und ganz sicher bin ich mir jetzt auch nicht), es muesste also bei euch jetzt schon halber zehn uhr abends sein.... aber auch alaska liegt seit gestern schon hinter oli und mir...abends sind wir ueber die canadische grenze ins yukon-territory eingereist. alaska hat mich umgehauen, die durch die auslaeufer der rocky mountains sehr bergige landschaft ist fulminant!! wirklich, sooo schoen wars noch nie meiner meinung nach, aber das sag ich fast jeden tag. und entgegen der hiesigen voraussagen hatten wir bisher keinen einzigen regentag, warmes wetter und meist strahlenden sonnenschein, normalerweise beginnt wohl um diese zeit im august so langsam der winter mit viel regen und kaelte.... dieser sommer war aber wohl ein sehr trockener, das konnten wir auch mit eigenen augen sehen, es gab kurz vor der canadischen grenze wohl in den letzten wochen heftigste waldbraende, wir fuhren dort durch eine mondlandschaft mit seltsamen streichholzfoermigen baeumen, die aus dem boden ragten. zudem wars auch ganz schoen neblig, die sonne kam durch die dicken rauchschichten gar nicht richtig durch....und wir mittendrin....eine freude ohne luft in den lungen fahrrad zu fahren, was uns dann gestern auch veranlasste ein stueck zu trampen, um aus diesen dunstschleiern herauszukommen. dieses "stueck" beeinhaltete dann den von uns an diesem tag noch nicht erwarteten eintritt nach canada, wir wurden sozusagen von unserem "lift" eingeschleust... ach, alaska war wirklich herrlich, ich hatte anfangs einige eingewoehnungsschwierigkeiten... dieser luxus, man kann an lebensmitteln alles haben, was man sich wuenscht, allerdings ist auch alles wieder um einiges teurer als in russland. die strassen sind wie laufbaender, glatt und ohne schlagloecher, wir gleiten smooth dahin, fast schon langweilig, man muss kaum auf die strasse achten, denn auch die autofahrer passen auf wie die fuechse und fahren kilometerweite boegen um uns rum.... schoen, das gibt uns die moeglichkeit mehr auf die landschaft zu achten. dann diese freundlichkeit, die schier ueber uns hereingebrochen ist, wir sind keine zootiere mehr, sondern werden behandelt wie menschen, und das ausgenommen freundlich.....einmal ist es sogar passiert, dass extra jemand anhielt und fragte, ob wir denn sicher seien, dass wir uns noch auf dem richtigen weg befaenden, und wir hatten noch nicht mal den gedanken geaeussert, dass wir jemanden fragen wollten....wir waren auf dem falschen weg, die hilfe kam also zum rechten zeitpunkt. dann kommt uns auch zugute, dass es hier dann doch mehr zeltplaetze gibt als in russland, dafuer muss man zwar ein paar dollar bezahlen, aber wir sind seitdem viel sauberer, da duschen immer vorhanden sind, yeah :-}....meine erste "sitzung" hat wohl eine stunde gedauert, ich entsinne mich nicht mehr so recht.... auf jeden fall koennen wir jetzt waehlen zwischen kein-geld-ausgeben-und-im-wald-pennen oder geld-ausgeben-und-duschen..... also, allet jut hier...ach, und dann haben wir wirklich noch elche am strassenrand gesehen, ausserdem schon selbstgefangenen und -geraeucherten alaska seelachs kiloweise verspeisen duerfen, kleinen streifenhoernchen beim fressenklauen zugesehn..... und jetzt gehts weiter, wir sind schon von vielen leuten darauf hingewiesen worden, dass die strecke, die wir entlangradeln wollen superschoen sein soll.. das bisherige ist meiner meinung ja nicht mehr zu topen, aber wer weiss es genau? wir werden auf jeden fall nun richtung whitehorse radeln, dann weiter durch canada richtung sueden, ueber den cassier-higway (wahrscheinlich bekommen wir sogar noch den herbstlichen farbenzauber der baeume mit), bis ans meer, nach prince rupert, um von dort auf die insel victoria ueberzusetzen....also, die reise geht weiter, wuenscht uns noch recht warmes wetter und wenig regen.....


20.08.2004, 21:58 Uhr | Oli in Whitehorse/Yukon/Canadistan  9752 km
 

So - habe jetzt eine Esspresssssomaschine am Rad installiert.


20.08.2004, 22:12 Uhr | astrid in whitehorse/canada  9752 km
 

aufgrund der vielen nachfragen...ja, ich habe auch oli die haare geschnitten in vladivostok... allerdings bevor er sich an mir vergriff....so dass er wohl recht glimpflich davongekommen ist. oli findet ja den haarschnitt, den er mir verpasst hat aeusserst gelungen, er nennt mich jetzt liebevoll struppi. hier in whitehorse haben wir, nach 2 kurz hintereinander folgenden tagesstreckenrekorden (1.: 128 km/d , 2.: 141 km/d)eine richtige shoppingtour eingelegt. haben jetzt beide schoene neue fahradlenkergriffe, ich habe meinen geschundenen po (aufgrund eines reichlich durchgesessenen sattels) mit einer dieser ueberaus schicken radlerhosen beglueckt... ich fuehle mich ein wenig in frueheste babyzeiten zurueckversetzt mit soner windel da untenrum, aber bequem is ja, das muss ich zugeben...:-) unserem kaffekonsum haben wir jetzt auch gehuldigt, indem wir uns eine espressomaschine fuer den kocher besorgt haben, jetzt sind wir wieder ziemlich autark und muessen nicht mehr diese amerikanische pipiploerre trinken....yeah. jetzt noch massenweise pappbrot, erdnussbutter und ketchup eingekauft...unser speiseplan hat sich doch auch gehoerig veraendert, zu meinem vergnuegen, und WIR werden ja nicht dick, im gegensatz zu den wirklich ausladenden eiheimischen exemplaren, neben denen wir uns durch die supermaktgaenge durchzwaengen muessen, meine herren, inzwischen weiss ich auch, warum hier die plastikstuehle in bars und restaurants doppelt so breit und stabil gebaut sind, warum die autos und ihre fahrersitze so breit sind, die strassen so breit, ueberhaupt alles doppelt so.... ist! so, hoffentlich wird das wetter demnaechst nochmal doppelt so warm...) P.S.: urte...super, erstmal den herzlichsten glueckwunsch von mir!!!!! und schick mir doch bitte mal deine mail-adresse, ich wuerd dann doch mal gerne schreiben der kirschnerin, der neuen... alles liebe


09.09.2004, 21:48 Uhr | astrid in prince rupert/ canada  10885 km
 

ne, jetzt muss ich erstmal gucken wann ich das lezte mal was geschrieben habe...... ist ja doch schon laenger her, hier gibt tatsaechlich noch weniger internet-gelegenheiten als in russland, das muss man sich mal im kopf rumgehen lassen....allerdings haben wir auch erst vor kurzem mitbekommen, dass in den jeweiligen buechereien meist auch ein bis mehrere computer zur verfuegung stehen, dieses angebot nutzen wir gerade, denn prince rupert, schoen am meer gelegen, hat ausnahmsweise auch mal eine bibliothek. nun, wir sind jetzt endgueltig in den tiefen canadas versunken, sind durch gegenden gefahren wo wirklich hoechstens alle viertelstunde (waehrend der rushhour) ein auto vorbeikommt. diese autos sind dann camper in groessenausmassen deutscher linienbusse, vorne sitzen meist zwei aeltere verhutzelte menschlein in ueberdimensional grossen sesseln, halbverdeckt durch das metergrosse plueschtier (hierzulande ein elch oder baer) und winken uns enthusiastisch zu. riesenwaegen sind das, unglaublich. aber genug von der autofront, das soll nicht weiter interessieren. der blick wird doch fast immer von der natur gefesselt, die uns umgibt. riesige waelder, hohe nadel- und laubbaeume (letztere verfaerben sich langsam), dichtestes unterholz, alles keine 10 cm entfernt der strasse. riesige berge mit malerischen wasserfaellen, schneebedeckten kuppen oder eisblauen gletschern. die strasse fuehrte oftmals zwischen diesen riesen durch, ich kam mir dabei vor, als waere ich eine ameise, so klein...... dann die seen, die sind ganz schoen se(h)enswerts. in allen groessen und formen und farben erhaeltlich, alle schattierungen von grau bis gruen, manchmal gleich mehrere farben in einem . ach und noch so viel nebenher... doppelte regenbogen nach heftigsten regenschauern. die nordlichter haben wir nun auch schon ein paar mal bewundern duerfen. hinter whitehorse hats fuer uns auch das erste mal wieder geschneit, wir haben den tag dann ohne radel sondern mit sitzen am lagerfeuer und lesen verbracht. spaeter haben wir aufgrund der steigenden nachfrage nach lagerfeuern sogar ein kleines beil erstanden, das uns bisher auch aeusserst gute dienste geleistet hat! auch die tierwelt laesst nichts zu wuenschen uebrig: schwarzbaeren, elche, massenweise lachse und andere fische,weisskopfadler, eistaucher, blaue voegel und andere komische voegel, sog."bienenraupen" u.v.m. lief, schwamm, flog oder kroch uns ueber den weg... apropos komische voegel..... menschen gibts hier ja auch, davon haben wir einige getroffen, man koennte wahrscheinlich schon ein buch schreiben ueber die verschiedenen charaktere und lebensgeschichten, die wir aufgetischt bekommen haben. viele (fuer uns bisher 5) ausgewanderte deutsche (1.-3. generation), eigentlich findet man hier alle nationalitaeten versammelt. einmal haben wir einen sehr netten abend mit einem canadier verbracht , er selber koch (eltern teils aus frankreich, teils aus england). es war wieder ein nieseltag und wir hatten begonnen unser angefeuchtetes zelt aufzubauen, da kam er an und lud uns ein in einem seiner motelzimmer zu naechtigen.... george hat uns spaeter noch heftigst verkoestigt und mit einem ausnehmend ansteckenden lachen viel erzaehlt... die letzten zwei tage haben oli und ich mit zwei ehepaaren verlebt, die wir beim trampen kennenlernten. das war so,...... ich war zwei tage vorher mal wieder ordentlich auf die schnuess gefallen. oli hatte, da er 3 baeren (nein, keine sakussotschnajar, echte exemplare waren es) am strassenrand gesehen hatte, recht abrupt gebremst, was mich, die ich ausnahmsweise mal nicht beide haende an den bremsen hatte, dazu veranlasste in reichlich unfeiner art von hinten in oli samt fahrrad reinzurauschen, nach links abzukippen und mein knie dem asphalt bekannt zu machen. dieses begann dann auch sofort zu schmerzen und zu bluten, ich bekam nen schreck hab mich dann aber (unter olis und der baeren aufsicht) soweit verarztet, dass wir weiterfahren konnten. sind an dem tag noch recht weit gekommen, auch wenns mich manchmal arg zwickte. abends am angepeilten campground angelangt, wurden wir vom dortigen aufseher mit:" na da seid ihr ja, ich hab euch schon seit 2 tagen erwartet!" begruesst, was mal wieder zeigt, dass auch hier das buschtelefon gut funktioniert. am naechsten tag wollte ich noch ne pause machen, weils mit dem bein doch nicht so gut ging, war ne gute entscheidung, wir durften das kajak des aufsehers (uebrigens hollaendischer einwanderer) benutzen, was sowohl mir als auch oli schoene stunden auf dem angeschlossenen see brachte!!!! dann, der naechste tag begann mit regen, wir aber wollten weiterfahren, also los in einer regenpause..... es lief erstaunlicherweise gut, der sonst uebliche gegenwind kam diesmal von hinten, dafuer begann es nach einer weile zu schuetten und meine bein meldete sich ebenfalls wieder. so beschlossen wir zu trampen, da das angepeilte ziel immer unerreichbarer schien. ich hatte ja schon zweifel, ob dass bei der spaerlichen autofrequenz klappt, aber das zweite auto hielt direkt.... war natuerlich ein camper, ehergesagt zwei, also ein konvoi..... im ersten wagen sassen john und ruth, im zweiten david und ruth's schwester "pinkie". wir wurden also mitgenommen, am ersten tag bis zum angestrebten campground, wo wir im regen unser zelt unter einem laubendach aufschlagen durften und dann noch abends von den beiden paaren zum essen eingeladen wurden. der zweite tag verlief aehnlich, es schuettete seit nachts aus allen eimern, mein bein kniff auch und ausserdem boten uns "die camper" an , uns noch bis prince rupert mitzunehmen..... wir haben angenommen, und damit zwei aeusserst nette tage mit vier ausnehmend netten menschen verlebt ! das sind nur wenige beispiele fuer die tollen bekanntschaften, die wir auf diesem kontinent gemacht haben, es faellt mir dann immer etwas schwer mich dann wieder von diesen lieben menschen zu verabschieden, nie wissend ob man sich nicht vielleicht mal wiedersieht..... wir haben jetzt einige einladungen erhalten, ich bin mal gespannt, ob wir auf unserem weg durch die usa nicht doch noch einige wiedersehen, freuen tu ich mich drauf auf jeden fall, wenns klappt!!!!


09.09.2004, 21:59 Uhr | Oli in PrinceRupert/BritishCol./Canada  10885 km
 

Es regnet ungefaer seit 3 Tagen unaufhoerlich und vor etwa 2 Wochen hatten wir den ersten Schnee ! Das muss ich vorwegschicken da ich viele Mails erhalten habe in dem die Worte 'Sommer' und 'Hitze' oefter erwaehnt werden. Ansonsten geht es uns blendend. Die hiesige Landschaft laesst keine Wuensche offen. Nur das Wetter. Schwer bepackt mit allerlei Krempel zum Essen verliessen wir Whitehorse. Die Distanzien zwischen den einzelnen Food-Stores sind alle komplett fuers Auto ausgelegt. Geht man dann in so einen Food-Store denkt man manchmal 'Ach wie schoen und einfach war's in Russland'. Das kommt einfach daher das viele Doerfer weniger als 100 Einwohner haben . Manche auch nur sechs oder sieben. Das naechste Dorf ist dann 120 km weiter. Aber wir sind noch nicht verhungert. Von dem bis dahin verfolgten Alaska Highway (wurde in nur einem Jahr gebaut, 1942 um die Aleuten Inseln vor den Japanern zu retten) bogen wir auf den Cassiar Highway bei Watson Lake ab. An der Kreuzung gabs ein Motel und Campingplatz an dem wir schon unser Zelt im Regen aufschlagen wollten. Aber da kam George der Koch gerannt und wies uns ein Motelzimmer zu, wohl wissentlich das wir die einzigsten Gaeste sein werden. Gut zu laufen schien es nicht und ein bisschen verfallen sah es auch aus. George hatte schon ein Feuerchen an meinte heute ist sein freier Tag - es wird gefeiert. Irgendt wann fing er an die Kueche im nicht weit entfernten Restaurant zu pluendern und fuer uns gab es gegrillte Rippchen und andere Leckereien. Nach etwa 4 Tagen erreichten wir Dease Lake, eine der groessten Ortschaften (66 Einwohner) am Cassiar Highway. Dort trafen wir Guenther, 1954 aus Deutschland eingewandert. Seine Schwester wohnt in Potsdam-Babelsberg. Ich find's interessant wie Leute hier wohnen. Viele sind Jagdfuehrer fuer gut zahlende US-Amerikaner oder Minenarbeiter. Auch ein kleiner Unfall ereignete sich. Man stelle sich eine vollkomen leere Strasse vor, wo vielleicht alle halbe Stunde mal ein Auto vorbeikommt. Irgentwie dachte ich es mir schon oefter, wenn ein Unfall dann fahren wir beide aneinander. So war's dann auch. Als ich drei Baeren am Strassenrand futtern sah hab ich vor Schreck gebremst. Das Bild von den Baeren fing dann aber sofort an zu wackeln, weil Astrid, die hinter mir fuhr, nicht bremste. Da lagen wir nun und ich sah noch wie ein Baer zuschaute was wir dort machen, sicherlich auch mit dem Gedanken das wir ein bisschen komisch sind. Am Zeltplatz in Meziadon Junction haben wir ein ausgewanderten Hollaender kennengelernt. Er lebt und arbeitet dort als Parkaufseher. Wie in Russland hatte es sich schon rumgesprochen das da zwei mit Fahrrad unterwegs sind. Er lieh uns sein Kayak und wir haben einen gemuetlichen Freitag gemacht mit paddeln, Lachse beobachten und Ketten wechseln am Rad.


22.09.2004, 01:57 Uhr | Oli in Thetis Island/B.C./Kanada  11363 km
 

Nun sind wir ein paar Tage auf Thetis Island (kleine Insel zwischen Vancouver Island und Festland gelegen) haengen geblieben, weil's so nett ist. Der Weg dorthin war allerdings sehr feucht. Die meiste Zeit sind wir wie aufgeweichte Bierdeckel ueber die Insel gewandert. Es fing an mit der Bootsfahrt von Prince Rupert nach Port Hardy (Nordspitze von Vancouver Island). Wir hatten vorsorglich etwa ein Kilometer von der Faehre entfernt genaechtigt, da wir unsere "Kann-nicht-frueh-aufstehen-Schwaeche" schon kennen. Es wurde alles verfuegbare Elektronik ausgegraben die sich als Wecker missbrauchen laesst (Handy & Miniradio). Ziel war um 6.30 AM an der Faehre zu sein. Die ersten 10 Stunden der Fahrt betrachten wir die vielen Inseln die links und rechts vorbeizogen.Dies ist die sogenannte Innland-Passage, lauter zerklueftete kuest und vorgelagerte Inseln. Die letzten 5 Stunden aber hatten eher einen diabolischen Charakter. Der Wellengang nahm um einiges zu, der Wind auch, es wurden Papiertueten verteilt und einige Passagiere wurden blass im Gesicht. Auch mir war ein wenig mulmig. Nachts haben wir dann noch ein Zeltplatz gesucht und gefunden. Die naechsten Tage haben sich abgewechselt , Regen und schoen Wetter. Wir trafen ein Feuerwehrmann der auch mit der Faehre fuhr, auf dem Nachhauseweg von der Arbeit. Wohnt in Vancouver, faehrt im Sommer mit dem Fahrrad 600 km zur Arbeit und im September wieder zurueck. Zwischendurch werden Waldbraende bekaempft. Auf der Strasse vom Nordteil von Vancouver Island gen Sueden haben wir viel der hiesigen Holzindustrie gesehen. Mehrere Saegewerke direkt am Wasser, hunderte Baumtransporter (die ein eher russischen Fahrstil haben) und Holzfaellercamps (grosser Wohnwagenhaufen). Ab Cambell River, wo dichter besideltes Gebiet ist, verbesserte sich schlagartig unsere Versorgungssituation. Ein Laden nach dem anderen. Wir schleppen seitdem viel weniger Essenskram mit uns herum. Was eine Erleichterung.................


04.10.2004, 02:33 Uhr | astrid in port townsend/ usa  11567 km
 

"na, da werden die tapferen radlerbeine samt anhang wohl langsam muede", das wird so manch einem durch den kopf schwirren, wenn er unsere letzten tagebucheintraege liest, dieser hier wird mit unter "die letzten" gerechnet. irgendwie stimmts, aber irgendwie auch nicht.... nachdem das taegliche radeln fuer uns so normal geworden ist, vorher wars ja doch eher eine kurzweilige zwischenaktivitaet und hat nicht den gesamten tag in anspruch genommen, ist es fuer uns in den letzten wochen eine so angenehme erfahrung gewesen mal laenger als ein, zwei tage an einem platz zu bleiben. es kam uns vor wie urlaub, der langersehnte, nach schwerer arbeit. zuerst war da der zwischenstop bei familie luckham, wir hatten das vergnuegen sie ca. drei wochen vorher auf einem campingplatz kennenzulernen und wurden von ihnen eingeladen, wenn wir ueber vancover island fahren sollten, doch bei ihnen eine kleine rast einzulegen..... das haben wir dann auch getan und aus eigentlich geplanten 1-2 tagen wurde eine ganze woche, die fuer mich ganz besonders war. auf der kleinen insel, auf der die familie ihr haus komplett selbst(!)gebaut hat, haben wir ganz aussergewoehnliche leute kennengelernt, aussergewoehnliche freundlichkeit erfahren, einiges tolles erlebt und vor allem auch die wunderschoene natur in und um thetis island schauen duerfen. es war wunderschoen, z.b. der familien-bootsausflug zur naturgeschuetzten nachbarinsel bei strahlendem sonnenschein und mit picknick, dann selbstgebackene pizza und brot aus dem selbstgebauten pizzaofen, ein kleines privates harfenkonzert von gerhardt, einem ausgewanderten deutschen tischler, der sich aufs harfenbauen spezialisiert hat. die besonders guten frischen bagels der nachbarn. die grandiosen blicke aufs meer oder aufs saftige gruen der baeume. die ruhe ueberall, kein auto-oder-sonstwas-laerm.... man, da fiels mir vielleicht schwer, mich von den so lieben leuten und der insel zu verabschieden! aber nicht genug davon, wir brauchten nur zwei tage radlerei und schon sitzen wir wieder fest.... bei aragorn, einem alten freund von oli, samt freundin kate und zwei kindern (ariel und dante). same prossidure than last time.... eigentlich wollten wir nur ein, zwei tage bleiben, wieder ist ne woche draus geworden. so schaffen wir das nie dem winter zu entfliehen, wobei man von diesem kalten gesellen sowieso noch kaum ansaetze merkt...seitdem wir hier ankamen, haben wir nur strahlende sonne gehabt. aber zurueck zu aragorn und familie,.... hier hatten wir nun die einmalige gelegenheit wieder die raeder fuer einige tage wegzustellen, bekamen kurzerhand rucksaecke, wasserfilterererer, karten und eines der reichlich vorhandenen autos in die hand gedrueckt, und ab gings, hiken in die berge. wow, ich sage euch, hier haben wir drei phantastische tage verbracht, sind ca. 50km bergauf und bergab gewandert, haben zwei 2000meterererer bestiegen, haben die aussicht und wieder mal absolute stille und einsamkeit bei tag und bei nacht genossen, dazu das leuchtende farbenspiel der pflanzen und des himmels...... dafuer haben wir aber auch einen muskelkater mit nachause gebracht, der uns vor schmerz heulen und gleichzeitig lachen macht, und wir bewegen uns seit drei tagen wie alte leute auf rohen eiern und noch schlimmer, glaubt uns bei dem anblick, den wir bieten, sowieso keiner mehr, dass wir gut 11oookm per eigener muskelkraft zurueckgelegt haben....ha, wenn die wuessten..... also zurueckgekehrt aus den bergen haben wir diese wochenende dann noch feiernderweise verbracht, in dem staedtchen hier fand ein "kinetic-sculpture-race" statt, d.h. alle moeglichen und unmoeglichen zusammengebastelten fahrradgebilde treten zu einem rennen an, das zu lande, zuwasser und im matsch stattfindet. derjenige, der in der mitte ankommt hat gewonnen. das ganze unter dem motto "karneval" und ueber zwei tage, incl. ball und queen of what-auch-ever wahl... aber wir hatten ordentlich spass!!!! morgen gehts aber wirklich weiter, mal sehen wo wir das naechste mal haengen bleiben, da waere noch der alte freund in olympia, oder der in austin/texas, oder die nette radfahrerin wohnhaft in south carolina, oder die "camper-familie", die uns einstmals trampenderweis mitnahmen und auch einluden..... soviele nette menschen!!!!!


04.10.2004, 02:56 Uhr | Oli in Port Townsend/WA/USA  11567 km
 

Schreiben kann ich dieses nur da ich keinen Muskelkater in den Fingern habe. Die restlichen Koerperteile sind hinueber. Wir waren in den Bergen und haben unseren ersten Sechstausender ohne Sauerstoffgeraet bestiegen (leider wird hier in Fuss gerechnet ; also etwa 2100 Meter hoch). Wir habens wohl ein wenig uebertrieben und deswegen der desolate Zustand. Nach unserer ersten traumhaften Woche Urlaub auf Thetis Island haben wir's geschafft uns auf's Rad zu schwingen und wurden nach zwei Tagen schon wieder ausgebremst. Auch hier im Kleinstaedtchen tobt der Wahlkampf. Die allgemeine Meinung, von dem was ich gehoert habe, tendiert dazu das bessere Uebel zu waehlen und George Bush vom Fenster weg zu bringen. Viele Vorgaerten sind mit lustigen farbenfrohen Wahlplakaten geschmueckt die Drei-Woerter-Slogans skandieren und auch ein wenig auf die politische Gesinnung des Vorgartenbesitzers schliessen laesst.


19.10.2004, 01:52 Uhr | Oli in Oakville/WA/USA  11727 km
 

Nun haben wir wiedermal etwa 100 Milen in anderthalb Wochen hinter uns gebracht. Geradewegs von Port Townsend bis nach Oakville. Der Grund fuer diese geradezu uebermenschlichen Anstregungen liegt daran das wir beschlossen haben eine Pause einzulegen und die Raeder mal eine Weile stehen zu lassen. Das kann dann nur noch mehr Schwung auf der langen Zielgeraden sein. Wir haben in den letzten Tagen nicht viel mehr getan als es uns gut gehen zu lassen. Wir waren einmal im Kino, kochen die leckersten Sachen und lesen viel. In ein paar Tagen werden wir weiter fahren - Richtung Oregon.


31.10.2004, 20:48 Uhr | astrid in oakland/washington  11800 km
 

seit fast fuenf wochen sitzen wir jetzt schon im staate washington fest. wir sind im monat oktober nur ca. 3-4 tage fahrrad gefahren...und das kam so........ noch bevor wir port townsend, aragorn, kate und ihrem anhang hinter uns liessen war klar, dass unser naechster zwischenstop oakville (1h mit dem auto von olympia entfernt) sein sollte, wo oli nochmal ein paar alte freunde hatte.....160 kilometer waren es, 3tage fahrradfahren und wir waren da.... mannohmann, wieder haben wir ein kleines paradies gefunden. sind immer noch in der "nichtemperierten" regenwaldregion, hier waechst alles , was man sich nur voestellen kann in nachbars garten. eric und rebecca sind es diesmal, mit denen wir unsere tage hier teilen. sie haben einige acres land, wollen damit ihren lebensunterhalt bestreiten, indem sie pflanzen, beeren und obst anbauen, dazu huehner und deren eier haben, was dann alles irgendwann mal, samt nachbarlicher produkte, in einem gemeinschafts-oekoladen o.ae. verkauft werden soll..... so ist die idee, und dafuer arbeiten alle hierherum, sind deswgen auch an diesem wochenende auf ne fortbildung gefahren, waehrend oli und ich auf die huehner, enten, katzen und den yorkshireterrier (der nachts nicht alleine rausdarf, weil ihn die eulen/kojoten fressen koennten) aufpassen......richtiges landleben das ist. wir selber 111111111111111111111111111( das war der hund) leben grad in einer wunderhuebschen jurte, was fuer uns in den ersten paar tagen aber ne heidenarbeit bedeutete, denn das ganze ding war von brombeerranken (sind hier ein unkraut, weil sie so schnell wachsen und schwer loszuwerden sind,ausserdem andere pflanzen toeten) um- und ueberwuchert. wir haben superlange mir heckenscheren und anderem geraet rumgeschnippelt, alles zusammengekarrt, pflanzen beschnitten, rasen gemaeht, die aussenhaut der jurte gewechselt, innen versucht, die maeuse loszuwerden (im herd leben aber noch einige), wasser- und energieversorgung angekurbelt........ war ein knochenjob fuer gut eine woche, dafuer haben wir jetzt aber auch ein traumhaeuschen, mit sonnendeck, oberlicht, riesigen zedern, wahnsinnig schoenem ausblick richtung sonnenuntergang. mir geht schon wieder das herz auf, wenn ich an die letzten wochen denke. heute ist halloween, alle leute sind ganz wild dabei sich zu verkleiden, in zwei tagen sind hier die wahlen, wir haben den ganzen wahnwitzwahlkampf miterlebt.... ausserdem war da vor ein paar tagen noch eine komplette mondfinsternis, die oli und ich in nachteskaelte auf der veranda sitzend beobachteten. dann haben wir einige lustige morgen, abende, ganze tage mit den nachbarn verbracht, gemeinsames essen (amerikanische kueche), ich war mit den frauen mal in der sauna (einer der farmnachbarn hat eine aufm grundstueck), bonfire in uebergroessen (da werden holzabfaelle des vergangenen jahres verbrannt, ohne grosse sicherung, auf dem grundstueck, meterhohe flammen, so riesige feuer hab ich noch nie gesehen...), haben uns die augen eckig geguckt (endlich mal wieder fernsehen und kino.....zivilisation)...... jeden tag gabs dann da doch noch was, was wir machen koennten, wollten, mussten..... und so verflog unsere zeit, seltsam, ohne radfahren, anfang oktober sind wir angekommen, morgen ist november, mitte der woche fahren wir aber wirklich weiter, das ist beschlossen, denn wir haben einen lift (ganz unsportlich per auto, aber, wer vertseht uns nicht, es wir winter, auch hier, hi)....... zur naechsten alten bekannten von oli, mal sehn wielang wir dort dann bleiben.........


08.11.2004, 21:01 Uhr | astrid in portland/oregon  11830 km
 

so.... alle mal unter rubrik "aktuelle kamera" nachschauen, waren einkaufen....:-)


18.11.2004, 00:16 Uhr | Oli in Salt Lake City  11896 km
 

Ja wir haben unsere Reisegeschwindigkeit um einiges erhoeht und sind auf ein Auto umgestiegen. Nach dem wir etwa 6 Wochen gebraucht haben um durch Washington zu gelangen, haben wir es geschafft in einer Woche bis hierher zu kommen. Die derzeitige Geschwindigkeit wird wohl erst vermindert mit steigenden Temperaturen.


03.12.2004, 06:05 Uhr | Oli in Austin/Texas/US  11956 km
 

Von Salt Lake City setzten wir nun unsere beschleunigte Fahrt fort. Vorbei am Grand Canyon, Versteinerten Waeldern, bunt bemalter Wueste, Rocky Mountains in Colorado und New Mexico, Arizona ueber viele Kilometer nach Austin, Texas. Fast so schnell wie man es liest sind wir auch gefahren und haben uns doch reichlich Zeit gelassen. Unser Hauptziel , der Kaelte zu entkommen, haben wir erreicht. Wir konnten uns nach den Errinnerungen in Polen, Baltikum und Russland nicht mehr vorstellen im Schnee zu fahren oder einfach nur kalte Finger jeden Morgen zu haben. Texas. Texas ist flach wie ein Texastoast. Viele Strassen sind auch hier im Quadrat angeordnet. An jeder Schnittstelle im Gitter (etwa alle 20 Meilen) gibts eine Tankstelle, zwischendurch nur Rinder, Windraeder zum Wasser pumpen ,Baumwollfelder und andere agrikulturelle Angelegenheiten. Wie auch in Russland sind hier nachts die staendig hupenden Zuege zu hoeren. Der Unterschied besteht hier nur darin das man hier den Zug erst nicht mehr hoert wenn er hienter der Erdkruemmung verschwunden ist. Um zu uebernachten mussten wir meistens in State Parks fahren . Die sind in Texas zum einen sehr weit verstreut zum anderen muss fuers blosse befahren meistens schon bezahlt werden. Kleinere Preiskorrekturen sind hier von noeten. In etwa vier Tagen werden wir Richtung Lousianna aufbrechen. Bisdahin lassen wir es uns hier noch gutgehen, peppeln die Fahraeder ein bisschen auf (Astrid hat seit heute einen neuen Sattel - bei dem alten ist inzwischen das Gel voellig spurlos verschwunden) und werden Sachen waschen.


14.12.2004, 15:19 Uhr | astrid in austin/texas  12113 km
 

je nun, jetzt ist der dritte advent auch schon unbemerkt an uns vorbeigesaust..... nachdem wir in salt-lake-city ausgiebig das dortige sektentum der mormonen beaeugt hatten, ging es entlang der "gruengepunkteten strassen" (scenic road) unserer karte weiter in den sueden.... zuerst lockte der glen, dann der grand canyon (der eine in utah, der andere in arizona)... war einmalig fuer uns... aufgrund der kaelte waren an dem tag, an dem oli und ich am abgrund standen, keine, aber auch so wirklich gar keine anderen leute zu sehen. wir waren ganz frueh dort und konnten sehen, wie die sonne versuchte in den abgrund runterzuleuchten.... die ruhe dort oben haben wir dann noch ausgenutzt und unser fruehstueck dort eingenommen.....man, wer kann schon sagen, dass er am grand canyon fruehstuecken war, ganz alleine, nur von voegeln bezwitschert...wahnsinn! aber damit nicht genug, ging ja noch weiter... nach dem canyon-schneisenerlebnis fuhren wir in einen kleineren (wohlgemerkt "klein" nach amerikanischen verhaeltnissen...also grooooss) nationalpark, der versteinerte baeume anzubieten hatte....das ist wirklich sehenswert, die baeume schillern in allen moeglichen farben, blau, lila, rot, gelb.... sowieso superinteressant, wie aus nem baum ein stein werden kann, der, nachdem er geschliffen wird schon als edelstein durchgehen koennte.... und dann die umgebende wuestenlandschaft sah auch wie gemalt aus, hiess auch painted desert, weil die huegel alle in den kraeftigsten rot- und gelb- und braun-toenen gestreift sind.... und wenn man durch die landschaft faehrt sieht man sowieso die seltsamsten felsformationen, da bleibt keine zeit im autositz zu doesen, soviel zu gucken gibts. ach ja, und dann kam noch was geniales... aus der wueste, wo es fuer ende november eigentlich noch recht angenehm warm war fuhren wir wieder richtung norden und zuerst ein stueckchen durch new mexico, dann nach norden abbiegend nach colorado und weiter in hoehere gefide der rocky mountains....und, was will man mehr, wir trafen auf ein skigebiet, dicker schnee liegt da einfach malerisch rum.... und wir haben nichts besseres zu tun, als bei der weissen pracht schnell mal skier auszuleihen, was hierzulande sehr einfach und billig ist, und mit achokrachoque die berge runterzusausen..... oli so ziemlich das erste mal, nach nem halben tag schon fast schneller als ich....fast..... aber das hat so nen spass gemacht! an thanksgiving haben wir uns aber doch vom acker gemacht, wollten nicht im grossen pulk im schnee feststecken. also weiter, zurueck nach new mexico und texas, wieder suedlich um die angefrorenen nasen aufzutauen, hier wirds langsam schwierig zeltplaetze zu finden, es gibt nicht mehr soviele stateparks, das meiste ist farm- und ranchland, privat, und damit tabu..... hier faehrt man an einfahrten vorbei, wo an einem galgen eine strohpuppe haengt, darunter ein schild :"we do it the old way".....mhmmh, da fuehlt man sich richtig willkommen..... langsam wirds fuer uns dann aber auch zeit nach austin zu fahren, wo wir ende november das mietauto wieder abgeben... wir sind hier zu gast bei colby, verbringen einige tage mit rumgammeln, colby beim gaertnern helfen und mal wieder fahrrad fahren. waehrendessen erhalten wir aber auch eine nachricht von john und ruth (hatten wir in canada kennengelernt), die sich auf einer nahegelegenen "kleinen" (80 acre) ranch befinden.... also nehmen wir fuer ein paar tage abschied von colby, schwingen uns auf die saettel ( ich auf meinen neuen, der aber nicht das haelt, was er verspricht und mir ziemliches ungemach in bestimmten bereichen verursacht, was mich dazu veranlasst am dritten tag die moeglichkeit des "abgeholtwerdens" wahrzunehmen....puhhh), und sind nach drei tagen in der texanischen pampa, mit ranch, cowboy namens cv samt acht pferden, drei kuehen, einigen ziegen mit bewachendem lama, rehen und naderem kleingetier.... und reiten duerfen wir auch, und steinekloppen auch, schoen! drei tage sind wir da, dann gehts wieder zurueck nach austin zu colby....und heute leihen wir noch ein auto und fahren an die ostkueste und zurueck nach norden, brrrrr, hoffentlich wirds nicht zu kalt, lasst den sonnengott stark werden......brrrrr