28.02.2004, 13:53 Uhr | astrid in satzkorn |
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...jungfräulich
erscheint der weisse hintergrund vor meinem auge, das
tagebuch.....heute wirds eröffnet, als lagerplatz der vielen
eindrücke, gedanken und spinnereien, die uns wahrscheinlich
die nächste zeit durch den kopf schwirren werden.....
fängt eigentlich schon jetzt an, das schwirren des kopfes, in
den letzten tagen ist der countdown zur ultimativen
fahrrad-wie-manche-sagen-bekloppten-tour angelaufen. ein kleiner
schritt für andere...ein grosser für uns...bla. die
visa sind endlich, schier in lezter sekunde beantragt, wir mussten
lange auf die notwendige einladung aus russland warten, und wenn die
Damen und Herren der russischen botschaft ein einsehen haben,
können wir am dienstag die visa in empfang nehmen...daumen
drücken.... meine letzten tage habe ich hauptsächlich
packenderweis verbracht, mein zimmer musste dem nachmieter
zugänglich gemacht werden, was sich bei meinem wust als nicht
einfach herausstellte,aber auch das ist vollbracht. inzwischen sind wir
in die schrauberphase übergegangen, heisst, daß wir
nun nocheinmal alles was nicht niet- und nagerfest ist an unseren
rädern prüfen, aus-, um- oder wegbauen und sich mir
damit auch ein neues berufsfeld öffnet....wenn ich
später mal keinen job finde, ich werd fahrrad-klempnerin, kann
ich dann auch....marvin und forrest schnauben schon vor ungeduld und
stehen morgens schon laut winselnd an der tür, mit der frage
in den grossen treu blickenden lampen, wanns denn endlich
losgeht.....nur ruhig blut, es geht bald los............. es geht bald
los!!!!
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03.03.2004, 11:33 Uhr | Oli in Satzkorn |
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Nun
ist es soweit, wir befinden uns zeitlich gesehen am Vorabend der
Abreise. Die Spannung erreicht solangsam den Höhepunkt. Die
letzten Tage waren sehr angefüllt mit vielen kleinen Sachen an
die man noch denken muß, als Beleuchter zu arbeiten und drei
LKW's mit zweitausend Einzelteilen zu verwalten ist ein Klacks dagegen.
Ab morgen wird sich diese Sinuskurve mit den höchsen
Amplituden in eine lange Gerade verwandeln. Oder !? Gestern gab es die
Visa - sehr lustig seinen Namen in kyrillischen Buchstaben zu sehen (es
gibt kein ü und kein h). Jetzt heißt es nur noch die
Wohnung aufräumen, was durchaus keine leichte Aufgabe
darstellt, gedenk des Troubles der letzten Tage. Das Ganze hat den
Charme eines Epizentrums von einem mittleren Erdbeben.
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04.03.2004, 08:50 Uhr | astrid und oli in satzkorn |
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...heute
morgen, strahlender sonnenschein und -4 grad celsius....im radio
schrammelt jemand"you can go your own way"...na, det is ja mal ein
einstieg!der adrenalinpegel hat sich bei entspannten 2430%
eingependelt...wir packen die letzten kleinigkeiten, und beide gehen
wir wahrscheinlich ständig im kopf unsere
"ja-nicht-vergessen-liste" durch...der plan für heute heisst
komm erstmal durch berlin durch, dort werden wir natürlich die
hiesigen sehenswürdigkeiten bestaunen, foto am brandenburger
tor usw., die üblichen verrichtungen eines wahren touristen
halt,und dann......schaun wir mal...... wir wünschen euch
allen das allerbeste, und bleibt tapfer, aufrecht und fröhlich
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12.03.2004, 13:08 Uhr | Oli in Grudziadz/Polen |
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Wir
sind jetzt 8 Tage unterwegs und etwa 500 km liegen hinter uns. Unsere
erste Sehenswuerdigkeit, die wir besichtigt haben war natuerlich das
Brandenburger Tor. Auch muessen wir vom Minimalismus verwoehnten uns
erst an die grosse Last auf den Fahrraedern gewoehnen. "Ups, langer
Bremsweg !" kams von Astrid, als sie mir hinten drauffuhr. Ist aber
nichts passiert. Kalt ist es schon, aber die Investition in die
Schlafsaecke hat sich schon mehr als ausgezahlt. Wir haben nachts nicht
gefroren. Die letzten drei Tage waren sehr zermuerbend angesichts des
strengen Ostwindes, der uns partout wieder nach Hause treiben will.
Aber, die Sonne scheint , wir sind guter Dinge...... Stay tuned, Oli
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12.03.2004, 13:32 Uhr | Astrid in Grudziadz/Polen |
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Was
issn los? fragt mich die kleine spassige zeile ueber dem
tagebucheintragskaestchen....und ich frag zurueck, ja wat issn
eigentlich los? das ist los, seit 8 tagen kaelte, seit 8 tagen
fahrradfaheren, aber nicht, wie mans gewohnt ist, mit ca. 20kmh, nein
laeppische 16 kmh sinds, wenns hochkommt, und der nicht enden wollende
wind es zulaesst. das gepaeck zieht hinten, das gepaeck zieht vorne,
und wohin es zieht, ich hab den eindruck, garantiert nie in die
richtung in dies mich zieht..... unser tagesablauf gestaltet sich etwa
so: morgens:aufwachen, zelt aufmachen, rausgucken....brrrr....zelt
wieder zu....mein gedanke dann:" oh herr, wie schoen, dass du einem
weisen mann die eingebung gegoennt hast, wie er warme schlafsaecke und
unterhosen herzustellen hat."....dann, vorsichtiger blick zur ebenfalls
eiszapfenbewaehrter nase neben mir "wollen wir wirklich aufstehen, warn
doch gestern schon draussen?".... wat mut, dat mut....naechster
schritt....knotenmutter hilf uns, das anziehen im schlafsack, wie
schaffe ich es, in kuerzester zeit, moeglichst ohne temperaturabfall
mich um- und anzuziehen? das stimmt aber so nicht ganz, denn wir
schlafen sowieso immer in voller montur....is waermer. gut, also dann,
zelt abbauen....kleine aufgabe an euch, versucht mal ein zelt mit
handschuhen an abzubauen....spassig wa? und das ist noch nicht alles,
abends ist es immer noch genauso nass, wie morgens, wenn mans
eingepackt hat, lustige kleine herstellerfinten das sind. na,
allmaehlich haben wirs dann auch rotznasig und kaltfuessig aufs rad
geschafft und es geht los....praemisse: so schnell, wie glatteis,
diverse kleinere schneestuerme und unsere eingefrorenen schaltungen es
zulassen....die 500 bis 50000 meter bis zur naechsten tankstelle, die
mit einem kleinen glorienschein umgeben uns den nahenden kaffeegenuss
anpreist. die naechsten schritte: fahrraeder fallen lassen, nicht mehr
drum kuemmern, rein ins getuemmel und kaffee literweise saufen bis die
kalten fuesse wieder warm sind, dabei die hiesige landbevoelkerung
betrachten, die sich froehlichst schon am morgen mit wodka ordentlich
einen hinter die binde giessen, nettes volk... vor einigen tagen hat
oli den ersten halberfrorenen marienkaefer gefunden, sein freudiger
ausruf "jetzt ist der fruehling nicht mehr weit, ich habs im urin"
verpuffte ungehoert im wind.....fruehling, was issn das? und dann die
staendigen explosionen beim anfeuern des kleinen benzinkochers, tragen
auch zu unser aller erheiterung bei....wir kreieren von tag zu tag
immer neue gaumenfreuden, nudeln mit tomaten und moehren und zwiebeln,
reis mit demselben quatsch, am naechsten tag wieder nudeln, dann reis,
dann....na, wisst ihrs?..... das waren die tage bisher, wir verlieren
den spass nicht und freuen uns jeden tag neu auf den fruehling, der ja
bald mal kommen wird.... seid alle gegruesst astrid
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16.03.2004, 11:34 Uhr | Astrid in Ketrzyn im schoenen Masuren |
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Na,
da haben wir doch wieder ein internetcafechen gefunden, und das gar
nicht mal so lange zeit nach dem letzten login.... waren schon ganz
heiss darauf, die neuesten eintraege zu lesen!! was gibt es nun bei uns
zu erzaehlen...? der fruehling ist immer noch nicht da, obwohl es
inzwischen niederschlagsmaessig von schnee auf regen gewechselt
ist......toll. erste zoologische untersuchungen haben ergeben, dass
sich inzwischen was in der insektenwelt tut....die kleinen fiesen
biester, wie spinnen und muecken werden langsam wach und treffen sich
alle zum kaffeeklatsch in unserem zelt um sich froehlich von der decke
baumeln zu lassen. auch toll... es geht ausserdem langsam dem ende
unseres polenaufenthaltes zu, gestern hab ich gemerkt, dass wir schon
ganz nah an der litauischen grenze sind...man, da merkt man erstmal,
wie die zeit verfliegt, und dass wir trotz gegenwind und anderer
wiedrigkeiten doch ganz schoen schnell durch die lande kommt....kommt
mir vor, als waeren wir erst vor kurzem ueber die deutsch-polnische
grenze druebergehuepft und jetzt das...die naechste grenze in
sichtweite und dann ist ja auch bald schon russland da. die letzten
tage waren ausgefuellt mit wind und regen, unsere regenklamotten halten
dicht, gut das zu wissen, nur die handschuhe haben nach kurzer zeit den
geist aufgegeben, warm aber nass war die devise. langsam schleicht sich
auch im abendlichen tagesablauf die routine ein, zuerst heissts
schlafplatz suchen, dabei schlagen wir uns irgendwo einfach ins
gebuesch, bleiben drunter sitzen und hoffen, dass uns da niemand
entdeckt...hat bisher immer geklappt. dann zelt aufbauen, sind dabei
inzwischen schon recht fix bei der hand, dieses auch ein wenig trocknen
lassen, ihr erinnert euch, wir packen es immer naesslich ein, fahrrad
schrauben, jeden abend wird die kette geoelt und diverser kleinscheiss
gefrickelt....und dann das, fuer mich, wichtigste....ESSEN.... dank
benzinkocher meist ein warmes sueppchen, bei dem die nase laeuft, dass
es eine freude ist.... dann ins bett...aus.tschuess
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16.03.2004, 11:53 Uhr | Oli in Ketrzyn / Polen |
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Welch
ein Glueck, der Gegenwind hat nachgelassen bzw. heute ist sogar
Rueckenwind. Wind aus Westen ..... naja es regnet. Noch ein Wort zu
Polen........vielerorts fuehle ich mich sehr stark errinnert an die
DDR. Sei es die alten Ostautos, die hier immer noch wieder repariert
und gefahren werden, oder die Schulklasse, die ordentlich in
Zweierreihe die Landstrasse entlang wandert. Da moechte man gleich ein
froehliches Pionierlied anstimmen. Aber die Zeiten aendern sich auch
hier. Im Restaurancja "Kosmos" nebenan, mit der 40 Jahre dicken Patina
auf dem Gebauede, wird jetzt Diner Kebab feilgeboten. Die meisten
Fabriken stehen leer, nur noch der Schornstein erfuellt die Funktion
eines Mobilfunkmastes. Neben den kleinen Tante Emmalaeden, die es immer
noch in jedem Dorf gibt gesellen sich langsam grosse deutsche und
franzoesische Supermarktketten hinzu. Sehr lustig auch die Kioske in
Staedten, die es ja bei uns kaum noch gibt. Nun bin ich schon gespannt
wie es wohl in Litauen aussieht. Zwischen uns laeuft eine Wette: wer
zuerst eine aufgegangene Knospe oder einen Frueblueher (zum Bsp.
Krokuss) sieht, hat gewonnen und darf im Hotel schlafen, waehrend der
andere davor im Zelt uebernachten darf. Wir verhandeln noch...........
Jetzt erstmal raus und weiterpedalen....
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17.03.2004, 18:27 Uhr | Oli in Suwalki / Polen |
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Ja es
ist nass. Den ganzen Tag sind wir durch eine dicke Nebelwand gefahren.
Das ging recht fix denn die Stassen waren gut, und ausserdem muss man
sich nicht auf die Landschaft konzentrieren. Sichtweite 50 Meter. Ja,
heute war die Srasse gut, aber das ist nicht immer so. Da wir versuchen
dem Autoverkehr moeglichst aus dem Wege zu gehen benutzen wir
hauptsaechlich zweitrangige Stassen,die oft auch zweitrangig vom
lokalen Strassenbauministerium behandelt werden. Gestern abend hatten
wir dafuer einen erstrangigen Zeltplatz, etwas erhoeht mit unverbautem
Blick auf einen dieser masurischen Seen. Um das Ganze noch zu
komplettieren uebertrafen wir uns selber in punkto Kochen. Es gab
Nudeln alla Frutti di Mare. Die Frutti waren zwar aus der Dose, aber
das stoerte uns herzlich wenig. Der Ausklang des Abendprogramms wurde
von dem Nachrichtensprecher des Deutschlandfunks (Mittelwelle 1422 kHz)
gestaltet.
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17.03.2004, 18:46 Uhr | Astrid in Suwalki / Polen |
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Ich
bin heut als zweites dran mit dem schreiben, und da sich mein
vielgeschaetzter partner und mitradler jetzt ausgiebig mit den
technischen und kulinarischen details zu worte gemeldet hat, will ich
nun die klimatischen und, auf vielfachen wunsch hin, die hygienischen
bedingungen naeher erlaeutern.... zum einen, nein, wir haben noch keine
15, 16, 19 oder 20 grad celsius zu verbuchen, aber es freut uns doch,
zu hoeren, dass ihr im westen in euren liegestuehlen luemmelt und
wahrscheinlich schon die ersten kaltschalen zu euch nehmt, locker
bekleidet und halb durchgebraeunt...schoen, schoen.....koennt ihr euch
eigentlich vorstellen, mit welch sehnsuechtigen blicken wir gen himmel
schauen und uns immer wieder leise in den schlaf murmeln "der fruehling
kommt, der fruehling kommt bald, bald wird es waermer, ich kann es
fuehlen....jaaaaaaa...." und dann sind wir eingeschlafen und am
naechsten morgen regnet es..... heute hatten wir dafuer aber mal KEINEN
gegenwind, das ist doch schonmal was, auch wenns dafuer den ganzen tag
vor sich hingenieselt hat, aber das faellt dann ja nicht mehr so ins
gewicht. top 2...hygiene.......?....duschen.......? mir faellt da so
eine kleine episode mit fahrplaenen im hintersten pusemuckel ein:
montags-ja, dienstags und mittwochs-wenns passt, die anderen
tage-nie..... laut gut gefuehrten tagebuechern lassen sich nur zwei
termine ausmachen, an denen wir in den genuss einer dusche gekommen
sind....das war vor ungefaehr 4 tagen und wird heute ebenfalls der fall
sein.....ist doch nicht zu verachten... nicht umsonst haben wir unser
zelt samt inhalt in "alfred-brehm-haus" umbenannt, fuer die
nichteingeweihten: das raubtierhaus im ostberliner tiergarten erfreut
sich ebenfalls dieses namens. aber bekommt ja sonst keiner mit, mein
leicht schamrotes gesicht hat, laut oli wenigstens jetzt die tiefe
winterblaesse verloren. dafuer schwelgen wir jetzt gleich erstmal,
werden eine mega-pizza einfuehren, dazu ein, zwei, vielleicht auch drei
glaeser des hiesigen gerstensaftes zu uns nehmen und
dann........duuuuuuschen :-) bis zum naechsten mal, live, und in
schwarz-weiss...wird allerdings wahrscheinlich etwas dauern, da wir,
wenn wir tatsaechlich morgen frueh uns unter der dusche herauswinden
koennen, in litauen einreisen werden....was da so an
internetz-moeglichkeiten auf uns zukommt, weiss der himmel, und der ist
bewoelkt.....
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17.03.2004, 18:52 Uhr | Oli in Suwalki / Polen |
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*************
RICHTIGSTELLUNG ************** Die Explosionen rund um den Benzinkocher
haben deutlich nachgelassen und Wimpern habe ich auch noch. Inzwischen
bin ich auch hoch erfreut ueber diese Anschaffung, denn sie
funktioniert nicht nur gut sondern ist auch sehr sparsam. Wir haben
jetzt etwa 0,7 Liter Benzin bleifrei 95 Oktan verbaucht und das auf
etwa 900 km mit fast jeden Abend kochen. Das soll uns mal ein anderer
Fortbewegungsmittelhersteller nachmachen.
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18.03.2004, 12:29 Uhr | Oli in Sejny / Polen |
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Sehr
lustig, dass sofort einige Mails kamen auf das Stichwort Suwalky hin.
Diese wunderbare Plattenbaustadt. Jetzt sind es nur noch 20 km bis
Litauen.
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19.03.2004, 12:39 Uhr | Oli in Alytus / Litauen |
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Nun
kommt es mir vor wie jeden Tag ein grossen Fahrradausflug. Denn jeden
Abend ist man wieder im Zelt zu Hause, dass dann woanders steht. Aber
das sieht man ja von innen nicht. Wir haben nun Polen volstaendig
durchquert und sind in Litauen, welches ein wenig skandinavisch
anmutet. Sanfte Heugel, kleine Holzhaeuschen............ Als naechstes
werden wir Vilnius ansteuern.
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22.03.2004, 13:37 Uhr | astrid in vilnius/litauen 1126 km |
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guten
tag meine damen und herren, hier wieder der aktuelle
fahrradwetterbericht aus dem osten.... es ist traurig, aber wahr,
unsere tapferen recken ertrinken weiterhin im stuermischen
fruehlingsnass. bei brrrrribbbbbberrrigen unter 10 grad, gefuehlten
minus 32 grad hat sich litauen es einfallen lassen, auch wenn es
anfangs nicht so aussah, das polnische miesepeterwetter zu uebernehmen
und dem noch eins draufzusetzen. in den letzten drei tagen hat es
nachts solche stuerme gegeben, dass unser zelt gewackelt hat, und
wassermassen stuerzen in regelmaessigen abstaenden hernieder..... DAS
IST NICHT MEHR GERECHT..... aber man kann sich ja nicht immer am wetter
aufhaengen...ansonsten gefaellt es mir hier eigentlich recht gut, die
haeuser sind inzwischen fast alle aus holz gebaut, was ziemlich gut
aussieht, die gehoefte sind klein und stehen vereinzelt in der
landschaft und zwischen den baeumen (hauptsaechlich kiefern und birken)
herum. das land ist weit und von sanften huegeln durchzogen, wenn
schoenes und klares wetter waere, haetten wir sicher noch ein mehr
grandiose ausblicke gehabt, als wir dies jetzt schon hatten. die
strassen sind verschwenderisch breit und selten befahren, wenn man sich
nicht gerade in der naehe von vilnius befindet. zudem ist uns
aufgefallen, dass litauen schon ganz schoen westlich anmutet,
westlicher oft als polen, sauberer, teurer, touristischer... vorgestern
haben wir unseren ersten "freitag" genommen, es hat gestuermt morgens,
und wir konnten uns nicht aus den schlafsaecken quaelen, da sind wir
einfach drin geblieben, haben dem regen auf der zeltplane zugehoert,
gelesen und rumgegammelt....und keinen einzigen kilometer auf dem
fahrrad verbracht...nett war das! unsere duschbillanz ist seit gestern
auch auf 3mal in fast drei wochen gestiegen, haben naemlich mal wieder
ein hotel frequentiert, um trocken zu werden, auch hinter den ohren....
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22.03.2004, 13:55 Uhr | Oli in Vilnius/ Litauen 1126 km |
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Nun
sind wieder 117 km seit Alytis vergangen und wir sind kein bisschen
schlechter gelaunt, was verstaendlich waere bei diesem Aprilwetter im
Maerz. Kurz hinter Alytus verliessen uns die Kraefte, und wir stoppten
die Karavane fuer zwei Tage. Da half auch die kurz vorher erstandene
uebergrosse Tafel Schokolade mit ganzen Nuessen nicht mehr. Man merkt
deutlich, dass man sich im Gebiet der ehemaligen Sowietunion befindet.
Alles ist ein wenig groesser angelegt, und die gestrige Begebenheit vor
dem Motel spiegelt auch wieder, dass die Leute nicht so weit von
Russland und dessen Gewohnheiten entfernt sind. Und das war so: wir
waren uns nicht ganz sicher ob wir wohl dieses Motel, vor dem wir
standen, nehmen sollten, da kamen zwei mit Oelzeug bekleidete Maenner,
mit kleinen Rucksaecken und grosser Wodkaflasche, und gesellten sich zu
uns unter den Unterstand, der wohl im Sommer ein ueberdachter
Biergarten sein muss. Sie sagten , sie arbeiten in Deutschland und
handeln mit Schrott........ja ja "Schrott"...... Jedenfalls bekamen sie
ihre Flasche nicht auf, worauf ich Werkzeug rausholte und selbige
oeffnete. Daraufhin wurden wir aufgefordert uns doch erstmal "einen zu
genehmigen" gegen die Kaelte. Das war gegen 14 Uhr. Anschliessend haben
wir ein Zimmer in dem Motel genommen.
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24.03.2004, 13:29 Uhr | Oli in Svensiones / Litauen 1217 km |
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Fraelein
Oli's Gespuer fuer Regen. Es gibt 1000 verschiedene Arten von
Regen........... und wir haben schon etwa 900 ausprobiert. Um dem
Ganzen nicht nur den Charme eines "Kampf gegen die Elemente" zu
verleihen, haben wir heute ein Gasthaus aufgesucht. Gestern war aber
gut , es hat gar nicht geregnet. Die Strassen sind wieder breit und
sind meist vom Wald eingeschlossen, so das man das Gefuehl hat sich in
einem Kanal zu bewegen. Der Verkehr hat auch nachgelassen seit wir aus
dem Dunstkreis von Vilnius raus sind. Dennoch gibt es zu viele Autos,
die uns almaehlich nerven. Besonders Audi und BMW haben sich
hierzulande um den Laerm und den Gestank verdient gemacht.
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24.03.2004, 13:56 Uhr | astrid in svensiones/litauen 1217 km |
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wir
schreiben den 24.3. im jahre 2004....,der 21. tag seit reisebeginn. wir
sind in litauen, diesmal kurz vor der lettischen grenze, lassen uns
inzwischen etwas zeit beim radeln, da wir ertsens sonst zu frueh an der
russischen grenze eintreffen wuerden, und da zweitens das wetter, wie
bereits beschrieben, uns maechtige knueppel zwischen die beine wirft.
wir brechen diese knueppel aber, als waeren sie streichhoelzlein,
schlagen dem wetter ein schnippchen und suchen flux/fluchs oder flucks
eines dieser gastfreundlichen bauwerke auf, die hier ab und an die
landschaft verschoenern und gastlich mit dem schild "hotel" winken.
letzterdings haben sowohl oli als auch ich 2 neuigkeiten hoechster
wichtigkeit glattweg unterschlagen. top eins: olis haare sind kurz!
heroisch habe ich hoechstselbigst meine hand und schere angelegt und so
lange geschnitzt und gestutzt, bis nicht ein haar mehr laenger als zwei
inches mass.. er dankt es mir mit wunderbaren
gegen-den-wind-sturmfrisuren, jetzt stehn sie wieder.... top zwei: wir
haben nicht nur die 1000er-grenze an kilometern, sondern auch eine
zeitzone hinter uns gebracht...aetsch... bei uns ist es jetzt 3h
anstatt 2h,somit eine stunde spaeter als bei euch
"zurueckgebliebenen".... sonst jibts nich viel, gestern wars es mal
EINEn ganzen tag lang nicht regnerisch und sogar, ihr werdets nicht
glauben, sonnig....aber richtig.... wir haben schon rel. frueh unser
lager aufgeschlagen und konnten unbejackt in der sonne unsere raeder
kaputtschrauben, kochen und rommee spielen, ohne dass einem vor bibbern
die karten aus der hand fielen. hach, war dat schoen...braun sind wir
auch schon geworden, hinter den ohren oder so, man siehts noch nicht
gaaanz genau, aber so'n schimmer...... aber ich bin auch ganz froh,
dass das schoene wetter nicht allzu lange angehalten hat, waer ja dann
auch wirklich zuviel des guten gewesen, wenn auch heute nochmal die
sonne sich gezeigt haette,...heute hats dann wieder deftigst geregnet
und um das mass vollzumachen kam dann auch der wind von
vorn....schoen....wieder im hotel zum trocknen..... aber morgen ist
ganz sicher
fruehling.....:-)
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24.03.2004, 14:20 Uhr | Oli in Svensiones 1217 km |
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Ab
und zu hoerte man heute beim fahrradfahren einen leisen , gurgelnden
Schrei hinter mir. Das hiess dann : ein Auto fuhr durch eine grosse
Pfuetze und landete eine Wasserwelle bei Astrid, das man sich fragt wo
die Surfer bleiben. Nun zum Abendprogramm.Des bayrischen Rundfunks
Betaetigungsfeld schein der Betrieb eines Piratensenders zu sein. Unser
heissgeliebter Deutschlandfunk (1422 kHz AM) wird immer mehr von
Blasmusik ueberlagert. Dies nutzt nun die "Stimme Russlands" (1386 kHz
AM) aus. Es kommen Nachrichten und Berichte aus Russland in gebrochenem
Deutsch und leicht sozialistischem Sprachstil. Dieses herumsenden in
Deutsch tut er auch schon seit 75 Jahren und ist damit einer der
aeltesten Sender Moskaus.
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26.03.2004, 13:46 Uhr | Oli in Daugavpils / Lettland 1329 km |
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Sind
jetzt in Lettland.
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04.04.2004, 10:48 Uhr | Oli in Velikie Luki / Rossia 1688 km |
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So
richtig kann ich es noch gar nicht fassen - jetzt bin ich tatsaechlich
in Russland. Da war ich noch nie. In Lettland hatten wir nicht so
richtig die Moeglichkeit zum Internetten, da wir eng an der
weissrussischen Grenze entlang fuhren und dieses Gebiet nicht gerade
von Metropolen strotzt. Auch hier in Russland sind die
Internetverbindungen spaerlicher gesaet. Nach einem kleinen
Techtelmechtel zwischen den Kontermuttern vom Steuerkopflager an
Astrids Fahrrad und einem uebergrossen Maulschluessel aus einer lokalen
doerflichen Autowerkstatt sind beide Fahrraeder gesund und nicht mehr
bettlaegerig. In einem kleinen Dorf in Lettland hatte Astrid mal wieder
eine Begegnung dritter Art. An einem Gehoeft vorbeifahrend trabte ihr
jemand hinterher. Diesmal war es kein Wachhund der Kategorie
Kniebeisser, nein, es war ein ausgewachsenes Pferd welches
mitgaloppierte. Nun haben wir die Grenze problemlos ueberschritten,
immer schoen an den kopfschuettelnden Beamten vorbei. Die ersten Rubel
gabs bei einem Polizisten, der als sein zweites Standbein schwarz Geld
tauscht. Auch hier ist noch vieles wie es im Osten war. Zum Beispiel
heisst der Schmelzkaese Druschba (Freundschaft), Kaffee Globus,
Moskwitsch, Lada und Volga. Ueberhaupt koennen wir an Geschwindigkeit
mit einigen alten russischen Modellen mithalten. Wenn sie fahren sind
sie zwar schnell, aber ihre Durchschnittsgeschwindigkeit wird durch die
haeufigen Reperaturintervalle (manche alle 30 km) heftig reduziert.
Beim 2. Mal ueberholen wird man dann von dem jeweils unter dem Auto
Liegenden von schraeg unterhalb der Stossstange angegrinst. Ansonsten
zelten wir fast jeden Tag in wunderschoener Landschaft (wie man sich
vorstellen kann ist hier viel Platz) die aus Fluessen, Seen und
birkendurchsetzten Waeldern besteht. Meistens radeln wir so vor uns hin
ohne Eile, warten morgens lieber noch ein bisschen im Schlafsack bis
die Sonne waermt und machen viel Pausen zwischendurch.
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04.04.2004, 11:38 Uhr | Astrid in velikie luki/ russland 1688 km |
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welche
freude, endlich wieder ein internetcafe...... nach muehseligem
kauderwelschen und suchen (oli aergert sich immer, dass er damals im
russischunterricht bei frau pfefferkorn nie aufgepasst hat) haben wir
endlich eines gefunden. jetzt ist der kopf ganz voll mit bildern und
begebenheiten, und ich weiss gar nicht, wo anfangen.... ja, wir sind in
russland, wie oli sagt, die erste etappe ist geschafft....von potsdam
bis zur russischen grenze.... mit dem rad......man, da muessen auch wir
manchmal noch kurz innehalten, schauen uns dann ein wenig verdutzt an
und grinsen etwas verlegen... in lettland haben wir es ruhig angehen
lassen, wir wussten, dass wir zu frueh an der russischen grenze
ankommen wuerden, daher wurde das metern hintangestellt.... zwei volle
tage haben wir, 12km vor dem nullpunkt russland, auf der faulen haut
gelegen und uns die sonne, die auch tatsaechlich da war, auf den bauch
scheinen lassen. oli hat an lettischen ameisenhaufen und vogelarten
biologische studien begonnen, ich seh ihn jetzt oefters nur durch die
linsen seines fernglases starrend, stocksteif auf dem feld stehend, um
ja kein getier aufzuschrecken, das zur beobachtung herhalten muss....
nach meinem kleinem schulterschluss mit dem pferd, habe ich dann aber
auch noch andere gespraechspartner gefunden.... an einem dieser
"freitage" gesellte sich eine eidechse zu mir, indem sie sich auf
meinem arm postierte und sonnte. sie blinzelte mir hin und wieder
freundlich zu, so als ob sie sagen wollte "na, wir beide sind uns wohl
auch einig, dass sonne besser ist,wa?" naja, genug gefaulenzt...der
grosse tag, 01.04.04, do., war da! fruehmorgens abgebaut und los, das
kleine stueck zur grenze war groesstenteils mit LKW bestanden. 206 an
der zahl haben wir ueberholt, bis die kleinen zollhaeuschen der letten
vor uns auftauchten. und dann begann das warten...... es war sonnig,
aber eisiger wind pfiff um die ecken. wir vertrieben uns die zeit mit
kekse-essen. und dann gings auf einmal doch recht schnell, 2
passkontrollen auf lettischer, dann 5 passkontrollen auf russischer
seite. mit ganz wichtigem zettelchen hier und zettelchen dort
ausfuellen, boese gucken, sich schlapplachen ueber fahrradreisende,
verging unsere zeit und der erste kontakt mit den russen (hier an der
grenze gab es ganz ausgesuchte exemplare....weibchen, die in
armeeuniform und mit stoeckelschuhen durch die gegend stacksten;
maennchen mit silberzaehnen und umgehaengten kalaschnikovs, die sich
ihre hintern an selbstenfachten feuerchen waermten....schick, schick,
det kann ja heita wern, ham wa uns jedacht). und nun sind wir in
russland (reaktion wie oben beschrieben, duemmlich grins)... fast 200km
weit im inneren des landes, es gestaltete sich schwierig eine groessere
stadt hinter der grenze aufzutun, da wir an der ersten, eigentlich
angepeilten, locker vorbeifuhren, da wir eine falsche strecke nutzten.
seitdem hat oli immer einen kompass um, man weiss ja nie. ausserdem
sind die auf der karte angeblich grossen staedte gar nicht so
gross...meist ist es schwierig einen laden zu finden, wir hatten das
meiste glueck dabei bisher an den truckertanken, an denen man oft auch
einige kleinigkeiten einkaufen kann. die strasse, die wir nutzen fuehrt
geradewegs nach moskau, ohne grosse umwege, und wir kaempfen uns
taeglich neben den LKWs gen osten. hierzulande wird nicht mehr
ausgewichen, hier wird gehupt, und oli hat gestern schon ein kleines
ausweichmanoever mit beineinsatz hingelegt (um die balance halten zu
koennen)...das ist schon manchmal recht aufregend... gestern haben wir
dann aber wirklich eine groessere stadt erreicht, obig eingetragene,
haben ein hotelzimmer genommen, geduscht, alles noetige besorgt,
gewaschen...der ganze kleinkram, der anfaellt, wenn man in freier
wildbahn lebt. ich war schon etwas entaeuscht, weil uns keiner der
einheimischen helfen konnte bei der suche nach einem internetcafe.....
dennoch haben wir es uns gutgehen lassen, abends noch essen gegangen
und gefeiert, dass wir in russland sind (obige reaktion, duemmliches
grinsen), dabei durften wir dann auch die russische trink- und
feierfreudigkeit am nachbartisch bewundern. siebenmal lief ein und
dasselbe lied (ueber das schoene neue jahr) in einer uns
unverstaendlichen lautstaerke, dazu tanzten die damen wild, waehrend
die herren sich literweise wodka einfloessten. aber uns gehts gut,
haben ja doch noch einen zugang gefunden, russland wird schoen, da sind
wir uns sicher und wir werden uns sicher auch bald an diese staendige
uhrumstellerei gewoehnen, die mir schon die finger wundwerden laesst,
da meine uhr so schwer zu verstellen ist..... dreie haben wir hinter
uns gebracht, einmal von winter- auf sommerzeit, zweimal, weil wir eine
zeitzone ueberschritten..... bei uns ists jetzt also 13.30h, bei euch
11.30h......na dann schoenen tag noch :-)
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09.04.2004, 11:09 Uhr | Oli in Moskva / Russland 2082 km |
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Nicht
sinnvoll ist es, unserer Meinung nach, allzuviel Gueterverkehr auf die
Schiene zu verlagern, denn welch anderes Sportgeraet als ein
LKW-Fahrersessel bringt solch schoenen formvollendeten Koerper hervor,
welche uns eigentlich taeglich an Truckerrastaetten zur Ansicht
gebracht werden. Jedenfalls wurde der Weg nach Moskau immer mehr von
solchen 40-toennigen (oder wahlweise in Russland auch mal 50-Tonnen)
Fitnessmaschienen gespickt. Die Strassen sind teilweise auch zum
Gotterbarmen. Der letzte Granatangriff kann noch nicht so lang her
sein, denkt man sich. Etwa alle 100 km sieht man einige
orangegekleidete Schlaglochbeseitiger, die aber doch meistens,
angesichts der Sysiphushaftigkeit ihrer Arbeit, dem Muessiggang
froehnen und uns froehlich gruessen. Nun sind wir in Moskau, ich kann
es selber noch nicht fassen. Aber 500 m von hier ist der Kreml, das
Leninmausoleum und alle anderen bekannten Objekte rund um den Roten
Platz. Die letzten 80 km haben wir zwar ein wenig geschummelt, aber im
Nachhinein war das gar nicht so schlecht angesichts der breiten
Strassen mit tausenden kreuz und quer fahrenden Autos. Geschummelt
haben wir mit einem Lada-Kombi. Der Besitzer war zwar sehr verdutzt als
ich ihn fragte ob er nach Moskau faehrt, meinte dann aber wenn's
reinpasst, koennten wir mitfahren. Ein bisschen unterhalten konnten wir
uns auch, und vor lauter Im-Woerterbuch-Geblaetter haben wir kein Punkt
angegeben wo wir aussteigen wollen. Das hatte dann prompt eine
Vollbremsung auf dem MKAD (grosse breite Ringstrasse rund um Moskau)
zur Folge, um ein wenig den zerfetzten Moskauplan zusammenzupuzzeln.
Aussgestiegen sind wir dann genau richtig in Chimki, Naehe Retschnoi
Voksal, eine Endhaltestelle der Metro. Wir wohnen nun fuer ein paar
Tage bei Ksenias Eltern, die dort ein Wohnung haben. Dahin angekommen
wurden wir aufs Herzlichste begruesst. Nach russischer Art, das heisst
russisch Essen und Wodka. Fuer uns ist das wie auf Wolke 7 wohnen,
warm, eine Dusche. Sehr einfach ist die Regelung der Heizung - Fenster
auf oder zu, Heizung ist immer an. Fuer das Moskauer Fernwaermekombinat
ist es einfacher von 1.Oktober bis 30.April voll durchzuheizen. Das hat
mich schon erstaunt.
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10.04.2004, 16:32 Uhr | astrid in moskau/russland 2082 km |
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12
millionen registrierte einwohner und sicher nochmal soviele
unregistrierte....wir mittendrin und fuer ein paar tage eingereiht in
diese menschenmassen und haeuserschluchten.... wie die ameisen tummeln
sich hier in den stosszeiten die menschen, man laeuft in riesigen,
nicht endend wollenden stroemen durch die metrogaenge, die ausmasse wie
landstrassen haben, nur unter der erde. die einzelnen stationen sind
wirklich pompoes...mit marmor und kronleuchtern bestueckt, wer auf den
gedanken gekommen ist.....wahnsinn auf dem weg nach moskau hat es
sicher sehr schoene landstriche gegeben, die wir aber nur rudimentaer
und ab und an zu gesicht bekamen, da wir zum einen staendig auf die
bereits erwaehnten schlagloecher achten mussten (teilweise bestehen die
strassen nur aus einem einzigen schlagloch), zum anderen mit diversen
russ- und dreckausduenstungen der trucks beschaeftigt waren, die doch
oft in betraechtlichem masse die sicht hemmten. nach der kleinen
schummelei per auto dann in moskau angekommen, haben wir uns ja zu
ksenias eltern durchgeschlagen, die ihren zwischenwohnsitz (bis sie ein
haus gefunden haben) in einem der hier ueberall stehenden plattenbauten
haben. eine komplett im stil der 80er eingerichtete wohnung, die oli
und mir die augen uebergehen laesst....kristallluester im wohnzimmer,
kristall in der alten pressspanschrankwand, ein kuhhorn (verziert) am
wandteppich haengend, klinkerimitattapete....wie ksenias vater sagt,
alles von der babuschka, die vorher diese wohnung bewohnte. die eltern
fuehlen sich selbst ein wenig befremdet in dieser umgebung, nehmen das
aber trotzdem alles sehr gelassen. ihre gastfreundschaft ist uebrigens
ein punkt, der besonders betont werden muss....allerherzlichst sind wir
aufgenommen worden, und ich glaube frau zatsepina hat sich vorgenommen,
uns in den wenigen tagen, die wir bei ihnen verbringen duerfen, auf
mindestens doppeltes lebendgewicht zu bringen. und herr zatsepin laesst
uns wahrscheinlich erst dann fahren, wenn wir perfekt russisch, oder er
perfekt deutsch sprechen kann.... heute sind wir gemeinsam durch die
stadt gefahren, um einen fahrradladen zu finden, der unsere raeder
zentriert und einige kleinigkeiten verkauft. es war so nett, dass beide
eltern sich so fuer uns ins zeug gelegt haben!!! alleine haetten wir
uns wahrscheinlich stunden bemueht um popeliges fahrradoel zu kaufen...
wir landeten in einm basar fuer fahrraeder, sowas habt ihr noch nicht
gesehen.... riesengaenge vollgestopft mit raedern, rahmen und zubehoer
aller art, tausende menschen, die um diverseste staende rumstanden,
kauften und verkauften...wieder mal wie ameisen, nur komisch, dass man
100 meter ausserhalb dieses fahrradhexenkessels keinen einzigen
radfahrer mehr sah.... ich frag mich, wo die alle bleiben. eine
kleinigkeit beim einkauf faellt mir immer wieder auf, egal welchen
einkauf man taetigt. man erhaelt oft das gefuehl, dass manche
verkaeufer/innen es nicht unbedingt darauf abgesehn haben profit mit
uns zu machen. man kommt in einen laden hinein mit dem wunsch etwas zu
erstehen, bleibt stehen und versucht blickkontakt mit einem menschen
der spezies "verkaeufer" aufzunehmen.....klappt nicht....nach 5 minuten
spricht man sie an, ein gestammeltes entschuldigung, oder guten tag
bekomme ich auch noch hin......wieder nix....man wird dann zwar
angeschaut, es erfolgt aber keine weitere reaktion..... da moechte ich
mir doch manchmal an meiner seite einen grossen gong wuenschen, in
meiner hand einen kloeppel und draufhaun, dass es kracht..... aber
nicht denken, dass alle so sind, wir haben nun schon soviele kleine
situationen erlebt, bei denen man sich vorstellen kann, wie
(gast-)freundlich die russen sind, insgesamt fuehlen wir uns bombig,
freuen uns ueber die stadt und alles um uns herum, all die kleinen
annehmlichkeiten, die uns hier das leben so schoen machen... behaltet
die sonne im herzen
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16.04.2004, 15:36 Uhr | astrid in n.novgorod/russland 2328 km |
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man
waren das ein paar tage seit moskau..... ertsmal haben wir noch mit
ksenias eltern ein superschoenes ostern verbracht, haben feudalst
gefruehstueckt am ostersonntag, fam. zatsepin hat an diesem tag ihr
fasten gebrochen und hat sich schon fruehmorgens die leckersten
schmankerl einverleibt, auf die sie sich schon seit wochen gefreut
hatten...es war schoen mitanzusehen, wie sie sich ueber jeden bissen
freuten! und ueberhaupt, fuer uns war es ungewoehnlich, schon morgens
um 9h mit wodka anzustossen.....aber sehr lustig! haben dann noch den
tag miteinander verbracht, kleine unterbrechung nur durch unser abholen
der gerichteten raeder...und dann sollte es am naechsten tag
weitergehen, naechstes ziel n. novgorod. juri meinte, er bringt uns an
die ecke von mkad (aeusserster stadtring) und m7 (strasse nach
nischnij).... wir fuhren und fuhren und fuhren und fuhren..... immmer
wenn oli anhob juri zu bitten, er koenne uns doch jetzt rausschmeissen,
er waere doch schon recht weit gefahren, fing juri immer an sehr
schnell und russisch zu reden (bei anderen gespraechsthemen durchsetzt
mit englisch oder deutsch), so dass wir schlussendlich sagten,
ok....warten wir einfach bis angehalten wird, es wird schon richtig
sein und ausserdem ist das hier nur ein winziges stueck vom ganzen
kuchen.... ca. 200 km hat uns juri gefahren...danke...herzallerliebst!
trotzdem ist es jetzt wieder schoen jeden bewaeltigten kilometer in den
beinen zu spueren! wir haben ja schon begonnen fett anzusetzen bei der
guten kueche von fr. zatsepina...mir hat es ja das morgendliche
fruehstueck angetan....kasha, wow! aus hirse, mit wasser warmgemacht,
dazu zerlaufene butter...schmatz inzwischen liegt das aber schon weit
hinter uns, taucht nur noch manchmal im traume auf, dann sagt oli
morgens wieder, du hast gesabbert im schlaf. wir sind in den letzten
tagen ganz schoen nass geworden, hier gibts richtiges aprilwetter, von
purer sonne und wolkenlosem himmel innerhalb einer stunde zu regen und
schnee. die lkw's fallen inzwischen gar nicht mehr so auf, uns faellts
nur noch auf, wenns mal laenger als 30 sek. ruhig ist....manchmal denk
ich schon, ich hab nen tinitus. ausserdem sind wir inzwischen auch um
einige gramm/kilo schwerer, da die lkw's uns so dermassen mit dreck und
sand vollgespritzt haben, es knirscht und knackt ueberall, am rad und
bei uns (beweisfotos stehen an). wir haben eine floskel, die je nach
anforderung immer geaendert wird...in diesen tagen ging sie so: "die
anstrendgungen der letzten tage verursachen mir dreck im
gesichtsbereich, und oli sagt, ich habe dreck auf der brille"... heute
sind wir dann in nishnij novgorod angekommen, billanz: ein "freitag"
zwischendurch, immer rueckenwind und , man hoere und staune, immer gute
laune, ausserdem auf km 2225 den ersten platten reifen an meinem rad
und heute eine gepaecktraegerpanne bei oli, alles mit bravour
gemeistert....unser problem ist es nur heute in diesem dorf, von knapp
ner million einwohner ein hotel zu finden, das noch nicht voll
ist.....oder zu teuer. fast 3h sind wir schon auf der suche, haben
schon festgestellt, dass es einfacher ist aufm lande was zu finden, als
in den groesseren staedten, son shit, aber gleich, gleich, ganz
bestimmt gleich wird was kommen......
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16.04.2004, 15:39 Uhr | Oli in Nishny Novgorod / Rossia 2328 km |
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So
langsam scheinen die schlechten Strassen den Fahrraedern zuzusetzen.
Heute ist mir eine Schraube, die den Gepaecktraeger haelt aus dem
Rahmen gebrochen. Zum Glueck nur die letzten Windungen, so konnte ich
einfach eine Neue eindrehen. Der platte Reifen von Astrid wurde zwar
nur durch eine kleine eingefahrene Heftklammer verursacht, aber
auffaelligerweise 2 km vor einem Bridgestone-Reifencenter?????
Businessmen? Aber immerhin ueber 2000 km ohne Platten, und das bei 4
Reifen. Polizisten werden hierzulande auch nur mit "Businessmen"
betittuliert. Jeder der angehalten wird zieht automatisch schon mal das
Portemonaie aus der Jacke. Die Frage ist dann nur "Wieviel". Wer's
eilig hat , fuer den wirds teurer. So geschehen auch mit Juri der uns
fuhr. Geschwindigkeitskontrolle = 100 Rubel. Als Fahrradfahrer sieht
man so allerlei Dinge, die da im Strassengraben verweilen, die man als
Autofahrer nicht sehen wuerde. Meistens ist es Muell, aber gestern lag
da ein Handy. Das hab ich dann eingesteckt und dachte mir, wem's fehlt
der wird schon anrufen (eigene Erfahrung). Irgendwann klingelte es
auch, und nach langwieriger Kauderwelscherei konnten wir uns heute mit
dem rechtmaessigen Besitzer treffen, der sich glatt ein Loch in den
Bauch gefreut hat als wir nicht mal Geld wollten. Eigentlich hatten wir
darauf spekuliert von ihm Hilfe fuer ein Hotel zu finden, aber da waren
wir selbst schneller. Bisher war aber noch kein Zimmer zu haben.
Wahrscheinlich fahren wir noch heute aus der Stadt raus, denn es
scheint schwierig sein Geld hier an den Mann zu bringen. Wenigstens
haben wir bei der ganzen Sucherei die Stadt gesehen. Eben wurden wir
auch noch intensiv von einem Fotojournalisten abgelichtet. Er
bewunderte die Raeder und zueckte dann hecktisch seine Spiegelreflex.
Nach Namensangabe und Internetverbindung gab's die Information zu der
gesuchten Strasse in der sich Hotels befinden. Nun sind wir also mit
dem Fahrrad bis zur Wolga (riesig breiter Fluss) geeiert. Unser
naechstes Ziel ist Kasan, welches etwa 380 km entfernt ist. Dort soll
es eine kleine Metro geben mit ein paar Stationen. Eigentlich hatten
wir geplant uns schoen mit einem Wolgadampfer mitnehmen zu lassen, aber
Schiffe fahren wohl erst ab Ende Mai. Das ist das schoene an
Fahrraedern, sie passen leicht auf jedes Schiff oder im Zweifelsfall in
einen Lada (wie schon geschehen), und zwischen Lada und Wolgadampfer
braucht man auch nicht laufen.
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05.05.2004, 09:21 Uhr | astrid in perm/russland 3372 km |
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hallo,
hallo, hallo...da sind sie wieder unsere beiden tapferen helden mit
vier beinen und vier raedern. ueber 2 wochen haben wir uns nun durch
unwegsamstes gelaende, durch schlamm und dreck gewuehlt, beseelt von
dem gedanken, dass es doch bald, morgen, jetzt gleich, in der naechsten
grossstadt ein internetcafe geben wuerde.... hat meist nicht
funktioniert. aber so seid ihr jetzt dran zu staunen, dass schon
laengst eine 3 am anfang unserer gefahrenen kilometer auf dem
bildschirm auftaucht.... aber von anfang... aus n. novgorod sind wir
vor gut 2 wochen aufgebrochen (apropos aufgebrochen, uebrigens sind
hier ob der nicht uebermaessig vorhandenen waerme die blueten an den
baeumen immer noch nicht aufgebrochen), seitdem ist einiges passiert...
ueber die strassenverhaeltnisse muss ich mich nicht mehr auslassen, in
vorberichten zu lesen.... aber wir haben doch tatsaechlich
gleichgesinnte getroffen, und dazu noch russen, die aus irkutsk am
schoenen baikalsee kommen und einfach mal so mit raedern von moskau
nach irkutsk fahren wollen.... bin vom glauben abgefallen, d a s bei
russen, die sonst immer nach dem ueblichen "atkuda, kuda" (woher,
wohin) nur unglaeubig und leicht belustigt mit dem kopf schuettelten,
uns anschauend, als waeren wir nicht ganz beisammen im kopf. wir sind
mit ihnen einen tag zusammen gefahren und haben abends traut unsere
zelte beieinander postiert und gemeinsam gespeist... war aeusserst
lustig, interessant und informativ! wissen jetzt auch, was kasenaki
ist, suesskram aus sonnen- und anderen blumenkernen, mit honig
zusammengepappt, saulecker das zeug. hat schon auf der
beliebtheitsskala fast die von mir immer heissbegehrte schokolade
abgeloest, leider ist es nicht so oft aufzutreiben, wie schokolade (wir
fuehren schon tagebuch ueber die von uns verschlungenen mengen an
kakaoprodukten, man kann gespannt sein, wieviel kilo das nachher
ergibt..). das war mal nett sich gegenseitig ueber die schulter auf die
raeder zu schauen, mit kennermiene zu nicken, ein anerkennendes "gute
technik" loszulassen, oder ein "sind deine taschen auch dicht?", oder
wie oft hattet ihr schon etwas zu reparieren?"... ja, ja , was die
radlerseele halt so interessiert... und trinken haette man von ihnen
auch lernen koennen, d.h. nur von dem einen (alex), der andere (alexej)
hat keinen alkohol getrunken, was ich auch hierzulande sehr erstaunlich
und durchaus sympatisch finde. mit dem alkohol ist das sowieso so ne
sache... wir sehen so haeufig menschen jeglichen alters und geschlechts
(gut, ausgenommen kinder) zu fast jeder tageszeit torkelnderweis,
rotnaesig, leicht bis schwer beduselt ueber strassen laufen. in laeden
sieht man die autofahrer sich als haeppchen zwischendurch die
flachmaenner einkaufen und dann weiterfahren, da wird einem manchmal
schon leicht flau. bei vielen merkt man die trunkenheit auch gar nicht
so richtig, und doch wuerden hierzulande wahrscheinlich schon die
alkoholkontrollgeraete geplatzt sein. gen sibirien solls angeblich noch
mehr werden, naja, wird ja auch kaelter..... hoffe nur, dass wir keine
folgeschaeden davontragen...die russische gastfreundschaft ist ja
bekannt... haben wir auch schon mehrmals die erfahrung machen duerfen,
auch wenn manchmal die menschen hier so unglaeubig schauen, ein paar
unfreundliche gibts hier auch, wie ueberall. trotzdem ist es immer
wieder passiert, dass wir sehr freundliche russen getroffen haben, die
sich aufgeregt ueber unsere reiseroute erkundigten, uns beim abschied
umarmten, kuessten und segneten (wie an einer raststaette passiert).
einmal ein mann, der uns partout nicht wegfahren lassen wollte (wir
hatten nur kurz eingekauft) ohne dass wir einen wodka mit ihm
tranken... er hat fuer uns dann in der oertlichen trinkhalle
fuersorglich nur je einen halben pappbecher wodka und sogar eine
kleinigkeit zum dazuessen besorgt, waehrend er aus einem grossen
plastiktopf den wodka verschluckte als waere es wasser. wir haben uns
denn also bis kasan auf der schnellstrasse m7 fortbewegt, hatten
dortselbst leider einige schwierigkeiten unterkunft zu bekommen
(wollten eine nacht dort bleiben, da oli leichtes zahn-aua hatte und
noch ueberlegte, ob er nicht nen hiesigen dentisten aufsuchen
solle...der haette ihm dann wahrscheinlich so huebsche goldzaehne
verpasst, wie wir sie hier ueberall blitzen und blinken sehen, dass es
eine freude ist).... nachdem wir ca. 5 hotels abgeklappert hatten, die
alle voll waren, weiss der himmel warum, wir haben schon vermutet, sie
lassen uns extra nicht rein, weil wir doch ein leicht beschmutztes bild
abgaben (zumal es an dem tag vorher wie aus eimern geregnet hatte),
hatten wir die schnauze voll. oli also ganz weltmann stiefelte ins
teuerste hotel am platz (mirage, 5 sterne, die israelische
basketball-nationalmannschannschaft residierte dort gerade), und als er
vom portier gerade rausgeschmissen werden sollte, liess er, gaaaaaanz
nebenbei, seine visa-karte aufblitzen.... das hat eingeschlagen wie ne
bombe. als wir mit unseren raedern in der empfangshalle standen, total
verdreckt und schlammbespritzt, leicht filzlaeusig gingen den ca. 1000
bediensteten, die sich in der halle versammelten die klappen unisono
gen erdmittelpunkt.... ich muss schon sagen, aeusserlich natuerlich
ganz weltfrau, innerlich musste ich lauthals grinsen ueber das bild!
wie kaulquappen scharwenzelten sie so ein wenig um uns rum, "here mr.
kuehne, there mrs. dohms", sogar die fahrradtaschen haben sie uns mit
so einem lustigen kunstgoldenen waegelchen, was ich nur aus doofen
fernsehserien kenne, in unser zimmer gefahren....ich kann euch sagen,
sowas wollt ich schon immer mal machen! nach diesem intermezzo in
gehobeneren kreisen (das warme wasser war wahrscheinlich am naechsten
tag alle), haben wir auch in dieser stadt kein internet gefunden, sind
also weitergefahren gen nordosten, richtung perm und haben als versuch
einmal die grosse verkehrreiche m7 verlassen und kleinere wege
eingeschlagen. das klappte im grossen und ganzen recht gut, auch wenn
wir unserer karte nicht mehr allzusehr vertrauen, bzw. glauben. sie ist
zwar noch gar nicht so alt, hat aber die angewohnheit bruecken
anzuzeigen, wo keine sind, ueberfuehrungen ueber die eisenbahn
anzuzeigen, wo keine sind, asphaltierte strassen anzuzeigen, wo keine
sind.... das hat uns einen kleinen umweg gebracht, was aber nicht
weiter schlimm ist, weil wir im ausgleich zu dem mehr an kilometern
auch ein mehr an wunderschoener landschaft und ein mehr an ruhe
(allerdings mit massenweise vogelgebruell dazwischen, das man aus
deutschland gar nicht kennt) hatten. haben in der zeit von waermstem
sonnenschein bis sintflutartigem regentag, der unsere regenklamotten zu
waschlappen machte, alles an wetter auskosten duerfen; haben schoen an
fluessen, an baechen, in birkenhainen uebernachtet, haben unser erstes
lagerfeuerchen gemacht und jeden abend nudeln mit irgendwas gekocht,
haben abendteuerlich einen fluss per winz-motorboot ueberquert und
schon einige sand-/schotterpisten entlanggeschoben.....man det macht
spass. und als i-tuepfelchen heute in perm das internetkaffee! der mai
kann kommen......
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05.05.2004, 09:21 Uhr | Oli in Perm / Russland 3372 km |
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Nun
ein Wort zu unserem Weg nach Perm. Er war manchmal nicht einfach. Das
lag zu einem an der recht lustigen Beschilderung, zum anderen an
unserem Autoatlas der zwar letztes Jahr gedruckt wurde aber nich
aktualisiert. Die Beschilderung, insbesondere die Kilometerangaben,
scheinen dem russischen Unwahrscheinlichkeits-Drive zu unterliegen. Aus
Kazan rausgefahren, war da ein Schild "Perm 607 km", etwa 500 m weiter
"Perm 609 km", dann etwa 10 km weiter waren es sage und schreibe nur
noch 616 km. Wir dachten dann, dass es unerschwinglich sein muesste in
einem Vorort von Perm zu wohnen und im Zentrum zu arbeiten. Nun, dem
ist nicht so wie wir sahen. Dann die Karte, einmal war eine Faehre
ueber den Fluss Vjatka eingezeichnet, die aber schon lange
weggeschwemmt war. Dies haette einen Umweg von mehr als 300 km
bedeutet. Zum Glueck haben wir dann 20 mal gefragt (man bekommt immer
verschiedene Angaben), und herausgefunden, dass wir Fischer fragen
sollen, die uns ueber den Fluss rudern. So wars dann auch, und ein
Fischer hatte schon ins Faehrgeschaeft umgesattelt. Fuer 100 Rubel sind
wir trocken mit Fahrraedern auf die andere Seit gelangt. Sogar mit
Motorboot. (Von dort waren es dann erstmal 25km Schlammpiste bis
Konstantinovo) Das andere Mal war eine Bruecke bei Ochansk
eingezeichnet, die es nicht gab. Dann sind wir geumwegt. Eines Tages
fuhren wir, und Astrid fragte: "Wo wohl die Russen sind?". Das hab ich
nicht gleich verstanden, stehen ja ueberall welche rum. Sie meinte die
Zwei Fahhrradreisenden, die wir getroffen haben. Alexandr und
Alexej.Sie sind mit dem Zug von Irkutsk, wo sie wohnen, nach Moskau
gefahren und fahren von dort nach Hause. Wir trafen sie zwischen Nishny
Novgorod und Kazan, sind ein Stueck zusammen geradelt, und haben
zusammen gezeltet. Sowohl sie als auch wir fuhren zum Abendessen auf
was da war - sehr lustig. Ueberhaupt jemanden radelnd zu treffen und
dann auch noch Russen. Morgends gabs als Geschenk eine ausgerissene
Seite aus einem Outdoorkatalog, die alle Adressen des Ladens in allen
grossen Staeden hatte, mit kleinem Stadtplan dazu. In unserer Situation
ein besonders wertvolles Geschenk. Naechsten Tag haben wir uns dann
wieder verloren. Vielleich wieder in Irkutsk. Ansonsten haben wir
angefangen den Ural zu besteigen. Das heisst viele heftige Berge,
teilweise Schnee bis zu einem Meter hoch und vorgestern den ganzen Tag
kalter Regen, dass wir aussahen wie aufgeweichte Bierdeckel. Da der
Schnee immer noch nicht ganz verschwunden ist, fliesst ueberall
Schmelzwasser und weicht grossflaechig den Boden auf. Sobald man die
Strasse verlaesst kann man sich nur mit lautem Schmatzen unter den
Schuhen fortbewegen. Die Fahrraeder sehen dann auch so aus wie es so
mancher Jeep-Fahrer in Berlin gerne haette. Die Russen selbst sind sehr
nett. Gerade erst vorgestern sind wir ,kaffetrinkend an einer
Tankstelle stehend, von einer Familie befragt worden ("woher" ,
"wohin", "ach das ist weit") und dann herzlich umarmt und abgeknutscht.
Dann stiegen alle sechs wieder in den Lada und waren weg. Wir standen
immer noch da, kaffetrinkend an der Tankstelle, und schauten uns an. So
oder aehnlich wars schon oefter geschehen. Besonders auf den Doerfern
haben uns die Menschen angetan. Einmal zulange vor einem Magasin
gestanden hat man sich schnell mal eine Einladung zum Essen
eingefangen.....oder haeufiger zum Vodkachen. Gerade in laendlichen
Gegenden haben wir schon des Vodkas uebles Werk sehen koennen. Radio
hoeren wir gar nicht mehr. Kriegen keinen Sender rein. Das gute dabei -
ich brauch nicht mit Dynamo zu strampeln um die Akkus zu laden.
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12.05.2004, 13:26 Uhr | Oli in Ekaterinburg/Sverdlovsk O./Rossiya 3757 km |
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Diesmal
moechte ich mit einem grossen Lob auf die russischen Nahverkehrsmittel
beginnen. Berlin koennte sich da eine Scheibe abschneiden. In
Ekaterinburg kosten Bus wie Bahn einfach, egal wohin und fuer jeden, 5
Rubel. Das hat viele Vorteile, es gibt 5-Rubelscheine und -Muenzen, ist
also leicht zu handhaben, laesst sich leicht addieren und
multiplizieren, und kann sich eigentlich jeder leisten. Es stoert auch
keinen, dass es ausnahmslos alte Ikarusbusse oder alte ausrangierte
deutsche Busse sind (nicht behindertengerecht, aber da wird die
Babuschka mal schnell gemeinschaftlich hineingehoben), man will schnell
und billig und nicht schoen fahren (ausserdem laeuft im Bus meistens
noch des Busfahrers Lieblingsmusik). So ein Quatsch mit "aufeinander
abgestimmte Fahrzeiten" gibt es hier auch nicht, da das ganze System eh
im Zweiminuten-Rhytmus zu pulsieren scheint (wir mussten jedenfals noch
nie laenger warten). Zudem koennen auch wir als Nichteinheimische und
Nicht-gut-russisch-sprechende einfach mit dem Bus fahren. Sehr schoen.
Ansonsten fuhren wir in einem furiosen Rutsch (kilometerweit bergab)
aus Perm heraus. Am naechsten Tag war es dann auch soweit fuer den
Gepaecktraeger an Astrids Fahrrad (besser Gebaecktraeger da dort
meistens der Suesskram lagert), die Hufe hochzureissen. An zwei Stellen
einfach durchgebrochen (Astrid, schon ganz in Russland, sagte dann :
"Naja, hat ja auch schon ganz schoen lange gehalten.") . Nach ein wenig
Rumschrauberei war dann die Konstruktion ganz anders und voellig
zweckentfremdet, aber funktioniert bis heute (4 Tage) gut. Ein Tag
spaeter auch noch einen Platten, so dass nun gaenzlich keine "Berliner
Luft" mehr in den Reifen steckt. Leider gab es kein Schild. Ich habe
mir ja ein Schild gewuenscht wo "Asien" draufsteht. Da haetten wir uns
dann ausgiebiegst gegenseitig fotografiert. So wissen wir nicht seit
wann wir in Asien sind , der Ural ist schon fast hinter uns. Der Weg
von Perm nach Ekaterinburg war sehr schoen. Sehr wenig Autos und LKW'S
und viel, teilweise bergige, Landschaft (uebrigens haelt mein Sonnenhut
bis 47 km/h prima). Selbst das Wetter war uns so wohlgesonnen, dass wir
schon in Latschen fahren konnten (ich stehe kurz vor dem Sonnenbrand).
Heute z.Bsp. sind es 29 Grad in der Stadt. Ekaterinburg hat sich vom
ersten Eindruck an von seiner besten Seite gezeigt. Das hat sich auch
jetzt am dritten Tag nicht geaendert. Anders als in Moskau oder Kazan
hat man nicht das Gefuehl, dass man sich staendig nur durch
Menschenmassen durchschubsen lassen muss, obwohl hier auch viele Leute
unterwegs sind. Die Stadt ist einladend angelegt mit grossen Seen,
Promenaden, riesigen Strassen und Haeusern. Ich weiss nicht ob's an den
Temperaturen liegt, die Leute scheinen freundlicher (wir muessen
staendig nach irgendetwas fragen). Obendrein sind wir momentan bei
Marina und Denis, die uns herzlich empfangen haben. Heute waren wir
"Fahrradersatzteil-Shoppen". Zuerst bei einem Laden namens
"Trail-Sport", die hatten zwar nicht viele Ersatzteile, aber der
Verkaeufer war sehr nett. Als er hoerte, dass wir nach Vladivostok
fahren wollen, hat er gleich angefangen rumzutelefonieren, um seinem
Freund dort Bescheid zu sagen, dass wir in 3 oder 4 Monaten
vorbeikommen (hat einfach angerufen, obwohl Verdacht bestand das sie
dort schon im Bett liegen - Zeitverschiebung).
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12.05.2004, 14:01 Uhr | astrid in ekaterinburg/russland 3757 km |
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mal
dauerts lang, mal nich so lang.... haben doch glatt schon wieder das
naechste internetcafe gefunden, und haben schon die "ekaterinburger
etappe" erreicht. seit zwei tagen befinden wir uns nun schon in der
drittgroessten stadt russlands, die uns bisher von allen durchfahrenen
staedten am besten gefaellt! die bewohner sind durch die bank weg alle
freundlich, wir haben z.b. ohne probleme und ohne stadtplan, nur durch
fragerei an jeder ecke quer duch die stadt gefunden (zur wohnstadt der
hier ansaessigen cousine meiner mitbewohnerin),oder haben heute in
einem hiesigen fahrradladen von einem verkaeufer direkt die adresse
seines guten freundes in vladivostok erhalten, wo wir doch unterkommen
koennten, sobald wir dort eintreffen.... schoen das ist! apropos
fahrradladen, wir haben ja inzwischen dann doch so einige kleinere und
groessere pannen auf unserem weg gehabt.... mein groesster dank geht
dabei an die Gepaecktraegerfertigenden betriebe....ihr koenntet euch
auch mal ein wenig mehr anstrengen! sowohl olis gepaecktraegerchen hats
erwischt, bei ihm haben sich ein paar schrauben gelockert und
erdreistet, sich auf nimmerwiedersehen zu verabschieden (beim
gepaecktraeger, nicht bei oli, da ist noch alles im lot soweit ich das
beurteilen kann), als auch mein metallhalter gab seinen geist auf, am
rahmen ist ein stueck des angeblich so stabilen stahls frech
abgesprungen und hat mein gepaeck sich auf radhoehe einpendeln und mich
damit bremsen lassen.... schoene scheisse. oli hat dann in muehsamster
kleinst- und feinstarbeit eine vorlaeufige befestigung gebastelt, mit
deren hilfe wir mit gepaeck und traegern schlussendlich schneller als
wir dachten in ekaterinburg eingetroffen sind. sitzen hier schon seit 2
tagen und geniessen diese stadt, die menschen und das absolut geniale
wetter, das uns schon seit ca.6 tagen sonne und waerme beschert, heute
hat es unglaubliche 29 grad gehabt....! wer haette das vor gut 2 wochen
gedacht? wir sicher nicht, aber man soll die hoffnung ja bekanntlich
nie aufgeben, das ist jetzt die belohnung fuer die 2 monate darben ,
frieren und bibbern..... haben schon einige winterklamotten nach hause
geschickt, sozusagen als revolutionaerer akt, und um die sommerzeit
einzulaeuten! nachdem wir dann hoffentlich gleich auch noch die
sonnencreme gefunden haben werden (ich bin mir da ganz sicher), nach
der wir schon den ganzen tag suchen, und die fahrradeinkaeufe erledigt
sind, werden wir es uns evtl. in einem der, sowohl in staedten als auch
auf dem lande zahlreich vorhandenen, biergaerten wohl ergehen lassen,
um dann heute abend als dankeschoen fuer unsere nette gastgeberin
marina echtes deutsches chili con carne zu kochen, oder vielleicht auch
nudeln mit roter sauce (bereits ca.60mal auf dieser tour gegessen lt.
statistik), weil is ja so lecka.......
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19.05.2004, 10:17 Uhr | Oli in Tjumen/Tjumenskaja O./Rossija 4155 km |
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Mitten
in Westsibirien sind wir beinahe vertrocknet. Ein paar Tage lang wars
jetzt Hochsommer. 35 Grad und mehr. Die ploetzliche Hitze hat Blueten
an die Baeume gebracht und Salzblueten auf der Haut. Abends hatten wir
immer derartige Salzablagerungen auf der Haut, dass man ohne Probleme
ein wenig atomaren Restmuell haette einlagern koennen. Der Abschied aus
Ekaterienburg fiel schwer, da uns die Stadt sehr zum Verweilen einlud.
Den letzten Tag haben wir damit verbracht vor dem Fahrradladen namens
"Velkom" unsere Faehraeder wieder aufzupaeppeln. Astrid hat dort neue
"Gebaecktraegerhalterungen" bekommen (handgefertigt im Laden). Die
Leute von diesem Laden waren ueberaus freundlich und erfreut uns zu
helfen. Sie nahmen nicht mal Geld. Dort trafen wir auch Sergej, der uns
aud der Stelle eine begleitete Sightseengtour mit Fahrrad verschrieb
(er ist Doktor). Der Weg von Ekaterienburg bis Tjumen war fast ohne
Steigungen, einen Tag starker Wind von vorn und viel frisches Gruen.
Russland sieht ganz anders aus mit soviel Gruen. Gestern waren wir auch
das erste mal baden. Zwar nur kurz, aber immerhin. Der Staub der
letzten Tage wurde hinweggespuelt und wir fuehlten uns frischer als
sonst.
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29.05.2004, 09:46 Uhr | Oli in Omsk/Omskaya O./Rossia 4821 km |
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Ooooooooooooooooooooooomsk.
Durch die Westsibierische Ebene. Manchmal dauert es 20 km bis zur
naechsten Kurve. Eine Kurve ist hier ein etwa ein bis zwei km langes
gebogenes Stueck Strasse, das, wenn man es mal durchmessen hat, zu
einem Richtungswechsel von etwa drei bis fuenf Grad fuehrt. Man kann
also getrost behaupten es geht immer geradeaus. Und flach ist es auch.
Manchmal kamen Felder von 5 x 10 km Flaeche, nur unterbrochen von
mickrigen Holzstommasten.Danach das naechste Feld mit aehnlicher
Groesse. Eine schier unvorstellbar grosse Flaeche. Um diese Felder zu
beackern werden meist panzerartige Kettentraktoren oder Traktoren mit
vier zweimeterhohen Ballonreifen benutzt. Traktoren wie ich sie aus
Deutschland kenne sind hier nur etwas fuer "Kleingaertner". Die
Temperaturen haben sich inzwischen bei 30 - 35 Grad Celsius
eingebendelt bei blauem Himmel. Einige sturmartige Gewitter durften wir
auch schon beobachten. Diese Temperaturen sind vor allen Dingen fuer
eine Art der auf diesem Planeten lebenden Lebewesen gut : Insekten des
blutsaugenden Gewerbes. Astrid hat gerade nocheinmal 4 Dosen
Mueckenverscheuch-Chemie in einer der zahlreichen Apotheken erstanden.
Ich hoffe es hilft. Fuer heute steht der abendliche Aderlass noch
bevor.
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29.05.2004, 10:03 Uhr | astrid in omsk/ russland 4821 km |
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ich
darf auch mal wieder schreiben, ich darf auch mal wieder
schreiben.....na, na, na, na, na.... also, wir sind aus ekaterinburg
entlassen worden, das ist jetzt schon wieder soooo lange her, aber ich
muss noch ein kleines woertchen zu der stadt und den menschen, die wir
dort treffen durften, ablassen. super! so. habe dort noch, als alte
kinderkrankenschwester, die gelegenheit gehabt ein krankenhaus von
innen zu sehen. hatte mir doch tage vorher eine zecke gefangen, bzw.
sie mich, und durch den gluecklichen umstand, dass wir sergej, einen
arzt, kennenlernten, dessen schwiegervater auch noch just der
gesundheitsminister im staate svetlovs war, kam ich dann, nach einem
von sergej recht einduecklichen "sofort injektion abholen", in den
genuss einer russischen zeckenimpfstation, oder was auch immer das war.
keine sorgen, allet sauber, allet jut, bin g'impft, nix passiert.
inzwischen sind wir ja aba schon weitergefahren, es liegen schon
etliche kilometer und tage zwischen uns und ekaterinburg, und es ist
wieder viel passiert... ich habe seither gemerkt, dass so ziemlich
alles um uns herum zugenommen hat.... die temperatur, z.b.,die hat
zugenommen... heute sind es ca.32 gradussov, gefuehlte 65 im
schatten...gott seis getrommelt und gepfiffen, ich kann mich nicht
genug darueber freuen, dass tatsaechlich diese kaelte, sprich winter,
vorbei ist. dann die aufmerksamkeit der russischen bevoelkerung uns
gegenueber, die hat ebenfalls zugenommen....an jedem, inzwischen
wirklich an jedem unserer rastpunkte, manchmal auch an unseren
schlafplaetzen, werden wir mit "atkuda, kuda, daleko" bombardiert
(unterschiedlichste reaktionen folgen auf unsere antworten). heute
passierte es, dass ein busfahrer samt bus neben mir fuhr und besagte
fragen durch die geoeffnete einstiegsluke mir entgegenschleuderte....
dann ein kuzes kopfschuetteln und gas gegeben, dass der motor
heulte.....und dann, gerade vor ein paar minuten habe ich mein erstes
autogramm im leben gegeben...die leute aus dem internetcaffee, das wir
eben enterten, wollen doch partout eine unterschrift von uns auf einer
russlandkarte..... dann die landschaft, in gewissem sinne...auch
zugenommen. erstmal ist sie gruener geworden, ein wunderschoenes
saftig-sattes gruen, dass einem die augen leuchten, die birken und
andere baeume (ausser den nadelbaeumen natuerlich) bluehen, das gras
und anderes komisches zeug und natuerlich blumen wachsen wie
bloede....und das alles in einer landschaft, die auch irgendwie
zugenommen hat....sie ist noch weitlaeufiger, noch groesser geworden,
so weit, da kommt mein auge manchmal gar nicht mehr hinterher, so weit.
zuerst waren es nur noch mehr baeume, dann wurde die landschaft flacher
(westsibierische ebene) und weniger bewaldet, dafuer mehr felder und
wiesen, dazwischen seen, teiche, fluesse und pfuetzen, die gerade in
der aufkommenden hitzewelle zum baden einladen. aber das auch nur, wenn
nicht 50000 autoreifen oder plasteflaschen darinherumtrudeln (das
abfallaufgebot hat auch zugenommen, am rande der strassen), sprich in
von der strasse etwas entfernteren regionen. ansonsten stehen hier
nicht mickrige 2-3 pusteblumen, wie zuhaus an mancher ecke, nein, hier
wird aufgetrumpft, es sind dann kurz mal 40000...hab sie
gezaehlt....:-) da kann der blick beim fahren schweifen und die
gedanken fliegen dahin (allerdings nur an tagen, an denen kein
gegenwind herrscht, an den gegenwindtagen schweifen blicke und gedanken
immer nur bis zum naechsten asphaltsteinchen in der starsse). st schon
eine wahnsinnig schoene landschaft hier. was hat noch zugenommen? mmmh,
ach ja, DIE MUECKEN.... diese kleinen mistviecher, was sag ich,
klein...? ne, das hat auch zugenommen, die groesse hier befindlicher
insektenarten und -familien, von fliege ueber ameise, biene, hummel hin
zur MUECKE duerfte man in unseren heimatlichen breitengraden als
monstroes bezeichnen. die sind alle mindestens um 1/3 groesser als bei
uns, was faellt denen ein?!! hinzu kommt, dass also nicht nur die
qualitaet, sondern auch die quantitaet der gemeinen MUECKE zugenommen
hat , die hat hier alle ihre freunde und bekannten mitgebracht...und
alle zu uns in die naehe, NATUERLICH gerade dahin wo WIR zelten......
zugennommen hat aber auch unser koennen im
"MUECKEN-mit-einer-hand-im-fluge-fangen".....auch wenns nur wenig
hilft.... zugenommen hat auch unser verbrauch an einschlaegig bekannten
mueckenmitteln..... zugenommen hat auch mein spass an der ganzen reise,
mit jedem tag mehr, mit jedem fitzelchen meines koerpers und meines
geistes, mit allem , was ich hab und was ich bin..... .....nur wir, wir
haben abgenommen.......:-)
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07.06.2004, 09:59 Uhr | Oli in Novosibirsk 5507 km |
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Bis
400 km hinter Omsk war alles bestens. Der Wind kam hauptsaechlich von
hinten, die Strasse war wie eine Flugzeuglandebahn, und wir traffen
lustige Leute. Zum Beispiel ein paar Jogger, die 26000 km um die Welt
joggen. Ein Daene, zwei Russen und eine Japanerin, die uns auch prompt
eingeladen hat nach Hiroshima zu fahren. Sehr angenehm. Aber dann
wendete sich das Blatt. Der Wind kam von vorne, die Hitze wurde immer
unertaeglicher, die Strasse vom Frost voellig zerstoert (Frost
natuerlich im Winter). Aber das reichte noch nicht, nein, ich musste
noch ein wenig krank werden und anderthalb Tage darniederliegen. Zum
Glueck hatten wir ein Plaetzchen in der Naehe eines Flusses (beim Baden
hab ich mir natuerlich den Fuss verletzt) und einer Sakusotschnaja.
Allerdings haben sich and den zwei Tagen soviele Fliegen und Muecken
ums Zelt versammelt wie ich noch nie gesehen habe. Wie aus Hitchcocks
Film "Die Fliegen". Die Insekten haben wir uns gut aufgeteilt, Astrid
wird gerne von Muecken ausgesaugt, ich dagegen werde lieber von diesen
riesigen Fliegen gebissen. Deswegen betitulieren wir uns jetzt immer
liebevoll mit "Muecky Mouse" und "Fliegen Peter".
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07.06.2004, 12:03 Uhr | astrid in novosibirsk/russland 5507 km |
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habt
ihrs gesehen, geschaetzte leser? die 4 hat sich schwupps in eine 5
verwandelt bei den gefahrenen kilometern. nun also fliegen-peter und
muecky mouse melden sich wieder... nachdem ich mit den arbeiten an
meinem buch " durchs wilde sibiristan" (in anlehnung an einen gewissen
k.m. aus r., allerdings habe ich diesem schriftsteller voraus, schon in
dem land (gewesen) zu sein, ueber das ich schreibe) nun fertig bin,
habe ich einen neuen roman begonnen, mir schwebt als titel "unter
muecken" vor. jaja, man hat schon viel zeit auf dem rad...da kann es
schonmal passieren, dass die gedanken ein wenig verquer laufen. aber
mal ehrlich, was literatur angeht, ich fuehle mich oft an charaktere
aus dostojewskis buechern erinnert, wenn ich mir hier die russen
anschaue, die uns so nach und nach ueber den weg laufen. da ist zum
beispiel die laut in ihrer kueche lamentierende mamutschka einer
raststaette (sakusotschnajar), die wen auch immer anschreit, dass einem
die ohren klingeln. dann, was uns haeufiger passiert ist, der russe,
der auf uns zukommt, mit unbewegtem gesicht sein atkuda (woher), kuda
(wohin) fragt... daraufhin sagen wir unser einstudiertes spruechlein
auf... immer noch unbewegte miene auf der gegenseite. dann aber, ein
augenbrauenhochziehen, und wenn wir zu diesem zeitpunkt nicht schnell
auf unsere raeder springen um weiterzufahren, muss unsereins dann einen
wortschwall aushalten....das kann tage dauern. es wird dann ueber
eigene fahrradfahrerfahrung erzaehlt, ueber wetter, ueber die familie,
was weiss ich auch immer....den geringsten teil dieses verbalen
"ergusses" versteht man dabei, erstens weils russisch ist, und zweitens
weils oft in einer schwindelerregenden geschwindigkeit hervorgestossen
wir, gleichsam als waere ein damm gebrochen, als haette der betreffende
seit jahren auf diese 2 radfahrer gewartet, um sich endlich mal alles
von der seele reden zu koennen. wir laecheln dann nur immer ein wenig
hilflos, meistens bemerkt der russe noch nicht mal, dass wir eigentlich
gar nix verstanden haben,..... dann gibts da noch die traurigen
gestalten der besoffenenfront, ueber die ich bereits schrieb. dann die
russischen schoenheiten....weiblich, jung, schlank und fast ausnahmslos
langbeinig (beine bis unter die arme), die selbstbewusst in der
grossstaedten ueber die strassen stolzieren (in den doerfern sieht man
eher ihre muetter, aelter, kleiner, dicker, dafuer oft ein herzlicheres
laecheln auf den lippen). dann gibt es russen, maenner wie frauen, die
einfach von ihrer liebenswuerdigkeit her aussergewoehnlich scheinen.
wir sind schon herzlichst umarmt und gekuesst worden, wurden zum essen
und trinken eingeladen, haben geld geschenkt bekommen, mussten haende
ueber haende schuetteln....manchmal fast schon beschaehmend....und sehr
nett! dann aber auch manchmal das gegenteil, verschlossene gesichter,
keine antwort auf fragen, blicke die erstmal taxieren...brrrr. dann
russen, die, wie uns bereits von ksenias vater erzaehlt wurde, sehr
egoistisch sich gebaerden. an der raststaette stehen am thresen 6
leute, unter anderem oli oder ich... manchmal werden ploetzlich 10 vor
uns bedient, und wir fragen uns, wo die wohl aus dem boden geschossen
kamen....da gibts ein gedraenge und geschiebe, eigentlich hat in allen
faellen derjenige das spiel gewonnen, der die lauteste stimme hat, oder
die besten ellenbogen. man kann sich stundenrund hinsetzen und
interessantes entdecken.... mal schauen, ob ich die alle in meinem
roman unterbringen kann :-)
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12.06.2004, 09:39 Uhr | Oli in Kemerowo 5793 km |
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Heute
morgen hatte es erst den Anschein, dass wir gar nicht losfahren und den
Tag im Zelt verbringen, da es in Stroemen regnete. Aber das aenderte
sich dann gegen 11 Uhr, und wir sind jetzt im Zentrum. Vorher haben wir
noch an einem Vorstadtkaffe vier finnische Motoradfahrer getroffen, die
mit Ihren Urals (unter Stalin der alten BMW nachgebaut) von Helsinki
nach Peking unterwegs sind. Es ist immer wieder schoen zu sehen, dass
wir nicht die Einzigen sind. Und man wird sie alle treffen, da es nur
eine wirkliche Verbindung in den weiten Osten gibt. Auch mehren sich
die Geruechte, dass die von Putin vor etwa drei Monaten eingeweihte
Strasse von Chita nach Chabarovsk nicht wirklich existiert. Alles nur
eine PR-Aktion. Die Geschichten kommen von Autoueberfuehrern, die alte
japanische Autos aus Vladivostok Richtung Westen fahren. Hinter
Novosibirsk aenderte sich die Landschaft in eine etwas mehr bergige
Gegend. Wir sind Steigungen schon gar nicht mehr gewoehnt. Hinzu kommt,
dass gestern wieder ein turnusmaessiger Kettenwechsel auf dem Plan
stand, und wir heute einige Probleme haben mit der neuen Kette auf
einer 2000 km alten Ritzelkassette. Aber wir sind guter Dinge und
werden jetzt Krasnojarsk anpeilen. Nur noch ca. 550 km.
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12.06.2004, 09:52 Uhr | astrid in kemerowo/russland 5793 km |
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mein
abenteuerroman "unter muecken" ist nun auch schon fertiggeschreibselt,
und so habe ich wieder zeit und musse ins tagebuch einzuschreiben... da
ist aber gar nicht soviel passiert in den letzten tagen, so schnell
hatte ich gar nicht wieder mit einem internetcafe gerechnet.... na dann
schreib ich halt uebers wetter.... das hat uns doch in den letzten
tagen mal wieder gegenwind beschert. der alleine waere ja gar nicht so
schlimm, aber da auch die landschaft eine andere geworden ist (wir sind
ja bekanntermassen nun schon aus der westsibirischen ebene aus- und ins
huegelige taigatische ostsibirien eingetreten). das macht kraempfe inne
beine und schlappheit ueberall, wenn mans schon eine weile nicht mehr
gewohnt ist gegen huegelgiganten anzutreten. doch wir schlagen uns
tapfer, jetzt ist die strasse ja wenigstens noch gut befahrbar. man hat
uns schon vorsichtig darauf aufmerksam gemacht, dass nach krasnojarsk
die strasse ein gutes stueck (ca. 250km) nicht asphaltiert ist... da
wird der tagesschnitt an km ganz schoen drunter leiden... allet jut,
bis bald
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19.06.2004, 08:34 Uhr | Oli in Krasnojarsk / Russland 6350 km |
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Die
nun hinter uns liegende Strecke von Kemerovo nach Krasnojarsk sind wir
des oefteren mit einer himmlischen Wasserkuehlung gefahren. Fast jeden
Tag gab es Gewitter. Bei dem ganzen Wasser sieht die Landschaft richtig
saftig aus, mit Bergen, vielen Fluessen und wesentlich mehr
Nadelbaeumen jetzt. 50 km hinter Kemerovo gabs mal wieder eine kleine
Panne die wieder einmal, dies muss jetzt mal genannt werden, mit der
Firma Pletscher zu tun hatte. Astrids Fahrradstaender hatte sich vom
Rad geloest. Wie auch schon beim Gepaektraeger (beide von derselben
Firma) war das Produkt ausserordentlich stabil gebaut und haette noch
Jahrzehnte ueberdauert, aber die Befestigung am Rahmen war mangelhaft.
Eine halbe Stunde mit einer kleinen Metallfeile hatte sich dann aber
gelohnt, und die abgebrochene Schraube haben wir aus dem Rahmen
bekommen. Funktionieren tut der Radstaender aber nicht mehr so richtig.
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19.06.2004, 09:08 Uhr | astrid in krasnojarsk/russland 6350 km |
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so,
erstmal werd ich jetzt meinen tiefen unmut ueber den computer, an dem
ich sitze herausschrei(b)en... war schon mitten im berichten, da
stuerzt der sack ab, dass es sich gewaschen hat... alles futsch...
grummel, sch...-technik, demnaechst schreib ich nen rundbrief, per
hand,... kann er sehn wo er bleibt, aetsch, wird unbenutzt verrotten
inner ecke, bis der gruenspan ihn heimsucht und staub das einzige ist,
was sein bildschirm zeigen kann.... nun denn, nochmal von vorn, es
begann damit , dass..... unser webmaster achim hat ja nun schon so nett
vorgegriffen, kann man ja auch verstehen, sind ja wirklich ganz schoen
schnell geraedert. trotzdem, wir sind heute erst in krasnojarsk
eingetrudelt, und nun schreib ich ma wieder was ("+*^%...grmpfff....mit
'nem sch...-computer...#*^+=+*) nun, die sakussotschnajars (uebersetzt
wohl sowas aehnliches wie "autobahnraststaette", wobei man ja hier
schwerlich von autobahnen sprechen kann, dann also eher "raststaette"
oder "imbiss") auf unserem weg von novosibirsk bis hierher, wir kennen
sie alle, denn wir haben alle besucht (naja fast)... first of all, mir
ist die ausnehmend einfallsreiche benennung dieser "tempel der
gemuetlichkeit" aufgefallen. da findet man z.b. "kafe natascha",
"k.tascha", "k.nadja", "k.svetlana". ach, ueberhaupt alle der
hierzulande gebraeuchlichen weiblichen vornamen finden sich auf den
liebevoll, meist per hand gestalteten, aushaengeschildern. ein und
derselbe name wird gerne mehrfach genutzt, es kam auch schon vor, dass
mehrere nebeneinander gelegene imbisse sich denselben namen teilten,.
uns bringt das nur immer kurz zum stutzen ..."waren wir hier nicht
schonmal?"...."neee, kann ja nich".... dann ist gerade in dieser region
russlands immer wieder gern genutzt "zum baeren ", "die drei baeren",
"der baer", "das baerchen".......WIR haben noch keinen EINZIGEN baeren
gesehen..... wer seine staedte aber auch "asbest", "patriotchen",
"gross-ungut" o.ae. tauft, darf auch seine kafes "lada" nennen. wir
haben bereits ueberlegt, ob wir nicht einen guide michelin ueber die
gaststaetten sibiriens schreiben, das mit der sternchenvergabe lassen
wir dann aber raus, westliche massstaebe kann man hier sowieso nicht
ansetzen, was aber keinesfalls abwertend oder boes gemeint ist....ist
halt nur anders.... da sind wir nun eines schoenen tages schon
ellenlang und in glutes hitze unterwegs, die beine werden schlapper,
das wasser wird knapper und die zungen haengen fast zwischen den
speichen, da sehen wir in der ferne doch tatsaechlich eines dieser
kleinen blauen schilder aufblitzen, das eine in baelde auftauchende
sakussotschnajar ankuendigt. wir werden schneller, geben noch einmal
alles um die kleine weisse km-angabe am unteren rand des schildes
entziffern zu koennen...kommen naeher und
naeher,........ja.....ja......... ............."60 km"..... ..... ...
... .. .. . . an diesem tag haben wir keine sakussotschnajar mehr
besucht. ich frage mich manchmal, warum an solch einer sakussotschnajar
"otkruit" (geoeffnet) dransteht... ein kleines beispiel folgt auf dem
fusse: sind mal wieder unterwegs, haben hunger, oder durst, oder
beides, finden ein kaffee am strassenrand, welches den namen "kafe
tascha" traegt. nun, wir wollen einkehren, stehen aber mit unseren
raedern ein wenig ratlos da, der eingang ist nicht so einfach zu
finden. da schreit aus einiger entfernung ein russe herueber "doch, ja,
das kaffee waere offen, wir sollten nur reingehen, er wuerde tascha
bescheid sagen". gut also, eine stufe weiter, wir stehen inmitten das
gastraumes (ca.3 tische und eine kleine theke) und schauen waehrend des
wartens auf "tascha" ein wenig zweilfelnd mit dunkler vorahnung auf die
nicht allzu reichlich ausgestattete ess- und trinkbare auslegeware. mal
sehen... nach 20 minuten kommt dann auch tascha und steht mit leicht
eingefrorenem laecheln, vielleicht haben wir sie beim nachmittaeglichen
nickerchen gestoert, am thresen. "haben sie wasser?"- "njet" "haben sie
etwas zu essen?"- "njet" "alkohol?"- "njet" (das ist das, was
eigentlich immer zieht) ......aber es kommt der freundliche hinweis,
wenn wir dies alles haben wollen wuerden, 25meter die strasse runter
waere ein einkaufsladen, da koennten wir ja mal fragen...... WARUM in
aller herrgottsnamen steht am eingang "geoeffnet" ? dennoch, diese
nischen, ecken, haeuschen sind von uns gern gesehen, sie dienen
naemlich auch als fernmeldestationen. hier erhalten wir informationen
ueber unseren stand im gesamtklassement, sprich von lkw-/autofahrern
und dem imbisspersonal werden wir immer auf dem laufenden gehalten
welcher radfahrer vor und/oder hinter uns ist, wieviele es sind, woher
sie kommen etc.p.p ....sehr interessant! wir trafen vor einiger zeit
z.b. auf einen polnischen radler, der, kaum hatte er uns erreicht,
sagte: " na von euch hab ich doch schon gehoert, ihr seid die
deutschen........." werden demnaechst noch richtig beruehmt, ich weiss
es genau.....dank der russischen sakussotschnajars!
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02.07.2004, 08:05 Uhr | Oli in Irkutsk/Irkutsk Oblast/Russl. 6988 km |
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Viel
ist passiert seit dem wir Krasnojarsk verlassen haben. Zuerst haben wir
uns mit Wassili getroffen, dem Onkel von Juri. Er haette uns gern seine
Stadt gezeigt, aber da er in einer geschlossenen Stadt (Uranabbau)
lebt, hat er uns kurzerhand in der Naehe von Urjar zum Essen
eingeladen. Dann sind wir weiter Richtung Irkutsk gefahren. Die
Landschaft zeigte sich uns ein wenig bergig. Wieder gab es fast jeden
Tag Gewitter. Den Gipfel dieses Naturphaenomens konnten wir eines
Abends im Zelt miterleben. Fuer ueber eine Stunde zuckten Blitze im
3-Sekundentakt ums Zelt herum. Taghell wars. Ein wenig Bedenken hatten
wir schon, da man ein Zelt mit 3 duennen Alustangen nicht gerade als
Faradayischen Kaefig betrachten kann. Dazu goss es abenteuerlich aus
allen Kannen. An der Grenze zum Irkutsker Oblast wurde die Uhr mal
wieder um eine Stunde vorgestellt. Somit haben wir jetzt einen
Zeitunterschied zu Deutschland von sieben Stunden. Das bereitet uns
kontinuierlich Probleme beim morgendlichen Aufstehen. Ob wir frueher
aufstehen wuerden ohne Zeitverschiebung ist nicht belegbar. In der Zeit
war dann auch mal wieder ein Kettenwechsel notwendig. Der
Fahrradstaender von Astrid ist jetzt endgueltig im Muell gelandet. Es
macht keinen Sinn ein so schweres Teil nutzlos mitzufuehren. Hinter
Taischet trafen wir auf 6 Deutsche mit drei Unimog's (riesige
Mercedes-Allrad-Wohnmobile). Wir wurden prompt auf einen Kaffe
eingeladen. Sie erzaehlten, dass sie auf dem Weg zum Baikalsee sind,
schon 14 Tage gefahren und dass das solange Autofahren ganz schoen
anstrengend ist (kann ich mir gut vorstellen). Doch bei einem Satz
klappte mir dann doch die Kinnlade runter : " ............gestern
hinter Omsk."(zurm besseren Verstaendniss: Omsk lag in diesem Moment
weit ueber 1000km hinter uns). Mir wurde erst da der
Geschwindigkeitsunterschied zwischen uns bewusst. Just 100 km weiter
konnten wir selbst mal in den Genuss des Dahinrasens(av. 50 km/h)
kommen. Wir hatten morgens gerade die ersten 3 km hinter uns gebracht,
da tauchte schon ein alter Eisenbahnwagon mit Gaststaette drin am
Strassenrand auf. Davor sitzend sprach uns ein LKW-Fahrer an. Ach nach
Irkutsk....na dann steigt mal ein ! Im schwachen Moment erwischt sagten
wir ja. Sodenn wurde Werkzeug ausgepackt um vorsichtig die Blombe vom
versiegelten Container zu oeffnen. Dann Fahrraeder und Gepaeck rein in
den Container, zwischen Trockenmilch, Kartoffeln und Ersatzreifen. In
insgesamt fuenf Minuten sassen wir vorne bei Leonid im Fahrerhaus und
los gings. Wir wollten sowiso mal alle wichtigen Verkehrsmittel
Russlands ausprobieren, als da waeren: Lada, UAS, Kamaz und Zug. Jetzt
fehlt nur noch Zug. Nun sassen wir dort und sahen die Welt mal aus der
Perspektive derjenigen, die uns staendig umschiffen muessen. Die
meisten LKW's hier sind Kamaz. Bei der Konstruktion des Fahrwerks
wurden spaetere Rueckenschaeden des Fahrers nicht beruecksichtigt ,
wohl aber die Gelaendetauglichkeit. Deswegen gibt es auch nur wenige
westliche LKW's hier. Die Strassen in Sibierien sind mit Deutschland
verglichen natuerlich schlecht. Bedenkt man aber die Laenge, die
Staatskasse, alte Strassenbautechnik und die extremen
Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter, kann man sagen, dass
die Strassen sehr gut sind. Nun sind wir in Irkutsk. Einen Tag wurden
wir von Leonid's Familie umsorgt, und nun wohnen wir bei Aleksey im
Mikroraion "Erster Mai".
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02.07.2004, 08:45 Uhr | astrid in irkutsk/russland 6988 km |
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heut
schreibt oli mal gruesse an euch alle!
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03.07.2004, 20:26 Uhr | Oli in Irkutsk 6988 km |
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Nun
haben wir einige interesante Tage in Irkutsk verbracht und werden
morgen Richtung Ulan-Ude aufbrechen. Vielleicht sogar frueh am Morgen ?
Heute waren wir das erste Mal am Baikalsee. Ein kleiner Ausflug mit
Aljoscha , seinem Vater und deren alten mattblauen Moskwitch. Bei
dieser Gelegenheit sind uns mal wieder die russischen Fahrgewohnheiten
bewusst geworden. Die staedtischen “Marschrutnoje
Taksi” werden nicht umsonst mit dem Sprichwort bedacht:
“Fuenf Minuten Angst und Du bist zu Hause”. Freude
steigt auf wenn die spielenden Kinder am Strassenrand ueberlebt haben
und das Nummernschild des vorrausfahrenden koennte man aus fuenf Meter
Entfernung auch lesen (meist wird dichter gefahren). Meiner Meinung
nach ist es voellig unnoetig sich so riskant und unverantwortlich zu
verhalten. Am Baikalsee war es merklich kaelter als in der Stadt. Auf
der gegenueberliegenden Seite kann man noch Schnee auf den Bergen
erkennen. Sieht alles ein bisschen wie Norwegen aus, besonders der
Angera. Auf dem Rueckweg haben wir noch in der Datscha gehalten, sind
dort herzlichst verkoestigt worden und im Angera schwimmen gegangen
(Nur kurz, Baikal hat etwa 7 Grad und der Fluss nicht wesentlich mehr).
Man glaubt es kaum - wir freuen uns schon wieder Fahrrad zu fahren, vor
allem durch diese riesige Landschaft.
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22.07.2004, 04:13 Uhr | astrid in chabarovsk/russland 8148 km |
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so,
das ist ne lange zeit her, dass ich das letzte mal tagebuch
schreibselte, faellt mir erst jetzt auf, da ich wieder gut 1000km unter
den raedern habe vorbeifliegen sehen (eigentlich sind mit eisenbahn-km
ja 3800km).... erstmal gedanklich kurz ordnung schaffen, wir sind am
5.7. in irkutsk losgefahren, nach einigen tollen tagen mit neuen
freunden. dann kam unser weg zum baikalsee und weiter bis ulan-ude, oli
und ich sind uns recht einig, dass dieses stueck unseres weges das
anstrengendste war, was uns bisher so unter die raeder gekommen ist.
ueber die temperaturen und das wetter braucht man gar nicht mehr zu
reden, 2 tage etwas regen am baikalsee war alles und unter 28 grad
tagsueber faellt das thermometer auch nicht mehr. wer unseren
wasserverbrauch betrachtet, weiss dass uns heiss ist, sehr heiss! 14l
wasser haben wir an einem tag getrunken, und ich hab den ganzen tag
ueber nur von einem getraeumt: einmal nur moechte ich mal wieder ne
EISkalte cola mit eiswuerfeln drin trinken.....gibts hier nicht.... und
zu der hitze kamen in den letzten wochen (heisst zwischen irkutsk,
ulan-ude bis hin nach chita) wirklich starke steigungen hinzu.... der
ural war nix dagegen. der baikalsee ist sowieso von hohen gebirgszuegen
umzingelt, sieht sehr malerisch aus, wenn man aufm berg steht kann man
auch wunderschoen runtergucken, aber komm da erstmal hoch.... trotzdem
die gegend um den see herum ist wunderschoen, es wachsen pilze, beeren
(auch baeren, die wir aber mal wieder nicht zugesicht bekommen haben)
und hunderte verschiedener blumen einfach wild in der gegend rum, wenn
man durch diese gegend faehrt duftet es lecker nach wald und allem
drin, dass mir das herz in der brust huepft...toll. sowas gibts
anderswo gar nicht mehr. in ulan-ude angekommen haben wir zwar ein
internetcafe gefunden, konnten aber wegen technischer probleme keinen
eintrag starten, nur mails schreiben..... dort haben wir auch langsam
angefangen ernsthaft darueber nachzudenken, wies fuer uns beide
weitergeht, wenn wir dann doch mal das meer erreicht haben sollten.
denn sooo weit entfernt ist es jetzt gar nicht mehr. japan stand im
bereich des moeglichen, schreckte uns aber ein wenig, da wir uns so gar
nicht verstaendigen koennen, dann noch usa oder canada, wussten da aber
nicht, wie es verbindungstechnisch von vladivostok aussieht....naja,
erstmal informieren, dann weitersehen, so dachten wir. in ulan-ude
haben wir auch das erste mal davon gehoert, dass wir beide im fernsehen
(irgendwelche lokalnachrichten) aufgetaucht sind, der himmel weiss, wo
uns die paparazzi erwischt haben, wir habens auf jeden fall nicht
gemerkt..... sind aber jetzt beruehmt,ha, hier wo man die
auslaendischen radfahrer, die innerhalb einer zeitspanne von 10 jahren
vorbeikommen an einer hand abzaehlen kann. die berichte in den immer
spaerlicher auftauchenden sakusotschnajars lauten inzwischen ;"ja, vor
3 jahren ist hier auch ein fahrradfahrer vorbeigekommen...." ist schon
ganz schoen einsam hier, zwischen ulan-ude und chita sind wir oefter
bis zu 50km und weiter gefahren, um das naechste groessere dorf zu
erreichen (100 seelen nennt man groesser), dazwischen sieht man meist
nur einzelne hausdaecher zwischen den baeumen aufblitzen, ansonsten nur
huegel,wald und wiesen und ganz viele fluesse unter blauestem himmel,
an dem ein riesiger greifvogel, oder vielleicht ein storch, seine
kreise zieht.....und das ist die gegend, entlang der trans-sib, die
noch die am dichtesten besiedelte in russland ist..... da sind wir auch
durchgefahren...... und schnell sind wir gewesen bis chita, habe mich
ganz schoen gewundert, dass unsere tagesetappen trotz der umstaende
immer groesser werden. so ist es auch gekommen, dass wir schon am 19.
in chita angekommen sind und am gleichen tag sogar noch in den zug, die
sagenumwobene trans-sib, einsteigen konnten, um ca.2800km bis
chabarovsk zu fahren. uns war berichtet worden und wir konnten uns auch
vom zug aus davon ueberzeugen, dass die strasse, die putin eigentlich
anfang maerz eroeffnet hat, in realitas eigentlich nicht existiert,
bzw. grottenuebel zu befahren ist. fast die gesamte strecke ist nicht
asphaltiert, es gibt keine bruecken, und die entfernungen zwischen den
doerfern sind noch groesser, d.h. unsere versorgung, insbesondere mit
wasser, waere schwierig geworden. also, ab inne bahn, liegewagen und
nen "wagondrachen" hatten wir....es gibt immer fuer einen wagen eine/n
verantwortlichen bahner/in, die auch meist im selbigen verbleiben und
dort fuer die verteilung der waesche oder den
unter-der-hand-alkohol-verkauf zustaendig sind. wir hatten nun das
glueck gerade auf eines der schlimmsten exemplare zu stossen. sie
begann schon zu keifen, als sie unserer vor dem zug stehenden raeder
ansichtig wurde, und uns wurde angst und bange, da diese nette dame
meinte, nein, die raeder koennten auf keinen fall noch mit.
schluck...... gottseidank hatte oli vorher sogar noch nachgefragt und
ein extra-fracht-ticket fuer teure 3 euro erstanden, so dass wir uns
keines fehltrittes bewusst, ahnungslos richtung zug begeben hatten. der
drache spie also feuer, wurde aber von div. anderen bahnangestellten
etwas belabert, so dass wir doch schlussendlich unsere raeder, fast
gaenzlich auseinandermontiert, in einer abendteuerlichen
deckenkonstruktion befestigt (dank olis beleuchter-findigkeit),
mitnehmen konnten....puhh, waren wir froh, als wir samt gepaeck und
raedern, wenn auch etwas geraedert im zug sassen,als er losfuhr! dann 2
tage dringesessen, ein bisschen zitterpartie beim aussteigen, ob auch
alles mitkommt und nix geklaut wird, doch alles ging gut und fuer
gespraechsstoff der weiterfahrenden haben wir auch gesorgt. naj, und
jetzt sind wir in chabarovsk, es sind noch 700km bis nach vladivostok,
und wir haben heute unser flugticket nach anchorage (alaska) erstanden,
mit zwischenstop in kamtschatka......da war ich auch noch
nie.....gleich gehts weiter auf den raedern , immer gen osten!
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22.07.2004, 04:17 Uhr | Oli in Chabarovsk /Russl. 8148 km |
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Nun
sind wir in Chabarovsk. Wir sind von Chita 2 Tage mit der Transsib bis
hierher gefahren. Das war auch noetig, da fast jeden Tag Temperaturen
um die 40 Grad herschten und die Strasse aeusserst schlecht sein soll.
Ausserdem waere dann eine Art Tankwagen noetig gewesen fuer unser
Trinkwasser. Wir hatten mit Trinkwasser zwischen Chita und Ulan-Ude
schon ein paar Probleme. Zwar kann ich schon allein im Rahmen 4,5 Liter
Wasser unterbringen und hintendrauf auch nochmal 3, aber das ist
meistens noch nicht genug. Vorm Zugfahren hatte ich ein bisschen Angst.
Ob's wohl klappt die Fahrraeder rein und wieder raus zu kriegen. Und
dann schon der Fahrkartenkauf mit schlechtem Russisch und vielen
draengelden Personen. Aber es klappte besser als gedacht. Die
Fahrkarten wurden ohne grosse Probleme erstanden, und spaeter nochmal
ein Extrawurstticket fuer die Raeder. Es blieb eigentlich nur noch
herrauszufinden auf welchem Bahnsteig der Zug einfaehrt und wo der
Wagon Nr. 5 haelt, damit wir uns schon mal postieren koennen. Auf
mehrmaliges Nachfragen hin bekam ich immer die Antwort, ich soll doch
einfach Viktor zuhoeren. Ich wusste nicht ob ich jetzt ueberall nach
Viktor suchen sollte und was gemeint ist. Spaeter stellte sich heraus
das nicht Viktor sondern der Diktor (Bahnhofansager) gemeint ist. Alles
war gut als der Zug einfuhr, nur die Dame die den Passagieren helfen
sollte stellte sich quer als sie die Fahrraeder sah ( Spitzname war
dann Wagondrachen). Die Rahmen und die Raeder habe ich dann flugs mit
kleinen Zerrgurten an der Abteildecke befestigt, um dann sogleich zu
sagen : "Schau her, ist gar nicht so schlimm mit den Raedern". Der
Drachen fragte noch ob wir wohl mit D-Mark bezahlt haetten, da die
Bahnhofsangestellten uns sehr wohlgesonnen waren und ein Wort fuer uns
eingelegt haben. Von Irkutsk nach Ulan-Ude das Stueck sah ganz anders
aus. Am Baikalsee vorbei haben wir das uns versprochene Mikroklima
getroffen. Regen fuer 2 Tage. Wir haben direkt am See gezeltet und ein
Feuerchen gemacht (welches nicht lange an war da es anfing zu regnen).
Ueberall entlang der Strasse stehen Erdbeerverkaeufer. Manchmal konnte
ich mir das Grinsen nicht verkneifen wenn man an diesem Spalier
(jeweils etwa 30 Leute mit jeweils einem Eimerchen Erdbeeren vor sich)
vorbeifaehrt , und sich ein Kopf nach dem anderen wendet. Wie
eingeuebt. Riesige Pilze gabs im Wald auch. Haette ich die gekannt,
waere in zehn Minuten ein Topf vollgesammelt gewesen. Das haben wir
dann aber bleiben lassen, aber der Gedanke an frisch gebratene Pilze
liess mich nicht mehr los. Fuer drei Tage sind wir am See enlang
geradelt, immer parallel der Transsib. Trotz der Berge und der
himmlischen Wasserkuehlung sind wir doch recht fix voran gekommen. Das
hat uns selbst erstaunt. Die Pause in Irkutsk hat doch ganz gut getan
und die Batterien wieder geladen. Die Luft um den See war angenehm
kuehl. Um die Ecke (200 km) Richtung Ulan-Ude sah's dann schon anders
aus. Wir sind immer am Ufer der Selenga (ein Zufluss des Baikal) enlang
bis hin zur Stadt. In Ulan-Ude konnten wir uns nicht melden da die
Computer schlecht funktionierten. Wir wurden dafuer mit dem groessten
Lenindenkmal der Welt entschaedigt. Ich schaetze den Durchmesser des
Kopfes von Lenin auf 10 Meter. Ulan-Ude ist die Hauptstadt der
Burjatischen Republik. Die Burjaten werden uns in sehr guter
Errinnerung bleiben - ein aeusserst angenehmes Voelkchen. Die
Landschaft dort sah schon sehr mongolisch aus , oder besser wie ich mir
die Mongolei vorstelle, einfach gruene Huegel. Kein Baum, kein Strauch.
Dies war schon ein extremes Stueck. Viele Berge, die Strasse halb
fluessig (weil aus Teer). Einmal sind wir bergauf gefahren und mussten
alle 100 m anhalten und einen Schluck Wasser nehmen. Ein anderes mal
bergauf war Astrid weit vorne. Als ich oben ankam war von Astrid nicht
viel zu sehen. Nur eine Menschentraube die Astrid noetigte,waehrend des
wassertrinkens, zu erzaehlen woher sie kommt, wohin wir fahren und ob's
denn warm ist. Die Lage entspannte sich dann als ich kam,und Astrid
hatte Zeit schnell in der Gipfelimbissbude das letzte kalte Wasser zu
erstehen. Jetzt gehts erstmal weiter - die letzten 720 km nach
Vladivostok.
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28.07.2004, 03:53 Uhr | Oli in Vladivostok/Russland 8478 km |
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Das
letzte Stueck von Chabarovsk nach Vladivostok habe ich mir eigentlich
einfacher vorgestellt. Nach ein paar Tagen starken Suedwinds, steilen
Bergen und leichten Durchfall mit physischer Schwaeche haben wir uns
entschieden zu trampen. Sanft schwebte der aufrechte Daumen ueber der
Strasse.... Nach 15 Minuten hielt ein Kleintransporter. Wassili kann
uns 100 km mitnehmen, biegt aber ploetzlich 10 km vorm Ziel auf eine
Piste ab. Die fuehrte zu der Datscha eines Freundes von ihm. Ihn will
er fragen ob er uns nicht noch einStueckchen weiter mitnehmen kann.
Kann er nicht - Stattdessen werden wir eingeladen die Nacht dort zu
bleiben, und Wassili auch gleich. Es gibt ordentlich was zu Essen.
Alles selber angebaut oder selbst gefangen. Mit Astrid sitze ich dann
in der Banja, wir sind aber zu schnell wieder draussen, so dass die
gesammte Manschaft sich einig ist ,dass irgendwas schief lief mit
unserem Saunagang. So sitze ich nochmal zwischen zwei Essensgaengen in
der Banja und werde mit Zweigen abgeklopft. Krebsrot erscheine ich
wieder am Tisch. Dies war ein besonderer Abend, insbesondere wenn ich
daran denke nur mal kurz den Daumen raus gehalten zu haben. Danach sind
wir nocheinmal getrampt. Dies laesst uns noch ein bisschen Zeit um am
Meer rumzuliegen. Gestern sind wir dann in Vladivostok eingetroffen. Es
hat in Stroemen geregnet, und wir stellten uns auf der Veranda eines
Kaffees unter. Die Besitzerin fing an uns rundum zu verkoestigen, wir
konnten uns nicht wehren. Ausserdem speiste dort gerade der armenische
Konsul, und dessen Begleiter vertrieben uns die Zeit mit Zaubertricks.
Also wieder mal jede Menge sehr nette Leute getroffen.
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28.07.2004, 04:11 Uhr | astrid in vladivostok/russland 8478 km |
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nu,
da sind wir da, nach 12500km ueber land, durch russlands hoehen und
weiten, sind wir beide gestern am ortseingangsschild "vladivostok"
vorbeigekrochen (ging bergauf, daher gekrochen).... die zieleinfahrt
wurde uns in den letzten tagen aber auch nicht allzu leicht gemacht.
nach chabarovsk erwischte uns erstmal ein ausgewachsenes sturmtief, am
naechsten tag wurde im fernsehen berichtet, dass in unserer naehe ein
taifun froehlich sein unwesen getrieben hatte. wassermassen stuertzten
vom himmel, und was in der ersten halben stunde noch als willkommene
abkuehlung begruesst wurde, war nach weiteren gut 2 stunden eine qual
auf dem rad. mit unterstell-unterbrechungen von bis zu einer stunde
fuhren wir klitschnass und mit blitzen und donner im nacken so weit es
ging....20km wurden wir von einem kleintansporter huckepack genommen,
was schonmal weiterhalf. an dem tag haben wir mal wieder ein
hotelzimmer genossen, gottseidank gabs ueberhaupt ein hotel, wobei der
hauptteil des zimmers von unseren nassen sachen okupiert war...... nach
diesem erlebnis und einige kraenkeln im darmbereich, hatten wir beide
ein kleines koerperliches und geistiges motivationstief zu bewaeltigen,
was wir dadurch taten, dass wir uns ein stueck weit von einem lkw,
japanischer bauart, mitnehmen liessen; zumal es draengte die zeit ein
wenig, durch den flugtermin haben wir ja jetzt eine vorgabe, wann wir
spaetestens in v'stock eingetroffen sein muessen...mit unseren vier
raedern waers knapp geworden, da haben wir mal andere vier raeder
bemueht.... hat gut geklappt. dennoch, die letzten fast 200km haben wir
doch noch alleine bewaeltigt und ohne zeitdruck, dabei gestern dann
noch (in regenpause, der zweite schon nach dem sturm)den armenischen
konsul kennengelernt in einem kaffee in dem wir uns untergestellt
hatten... die netten ladenbesitzer haben uns schliesslich sogar noch
ein essen gesponsort, waren ganz baff. und dann der grosse (verregnete)
augenblick, als wir das ortsschild sahen.... jetzt sind wir durch,
wahnsinn!!! heute gehts erstmal noch richtig ans meer, so nen langen
weg zum meer (von zuhause aus) hatten wir bisher noch nie....
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02.08.2004, 05:32 Uhr | Oli in Vladivostok/Russland 8478 km |
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Nur
fuer Mirjam ! webmail far-rad.de jetzt unter
http://83.133.97.138/poplogin/ Tut mir leid fuer verzoegerungen aber
das rechenzentrum ist einfach umgezogen. Oli
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02.08.2004, 06:42 Uhr | Oli in Vladivostok 8611 km |
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Seit
4 Tagen sind wir jetzt schon in Vladivostok. Vladivostok's Innenstadt
befindet sich auf einer grossen Halbinsel die ausgesprochen bergig ist.
Mit dem Fahrrad faehrt man hier entweder 4 oder 40 km/h. Strassen mit
18% Steigungen sind keine Seltenheit (stell ich mir sehr lustig vor im
Winter). Dort dieseln dann tausende kleine alte Japanische LKW's und
Busse hoch, die schwarze Wolken ausstossen. Wahrlich kein Luftkurort.
Was ich sehr angenehm finde ist, dass man von fast jedem Punkt der
Stadt aus immer ein Stueckchen vom Meer sieht. Als wir noch im
Landesinneren waren, dachten wir immer : "Wenn wir erstmal in
Vladivostok sind , dann hau'n wir uns an'n Strand und fahren kein Meter
mit dem Fahrrad. (Hoechstens um Eis zu holen)". Nun.....so war's dann
nicht, aber trotzdem ganz interressant. Die letzten zwei Tage waren wir
auf einer vorgelagerten Insel Namens Russkii. Maxim der uns dorthin
mitnahm, fuehrte uns kreuz und quer ueber die Insel. Riesige, senkrecht
ins Meer abfallende Felsen und jede Menge Festungen und altes
Militaergeraet. Auf dem Weg dorthin hatten wir schon Angst unsere doch
mehr oder weniger Strassenfarraeder zu schreddern. Wir fahren auch auf
schlechter Strasse aber weniger querfeldein. Maxim und die anderen
Leute (die uns uebrigens eine Wohnung mit Meerblick verschafft haben)
gehoeren aber zum "Klub-Extrem". Cross-Country- und Downhill-Champions
sind hier anzutreffen. Heute haben wir es auch endlich geschafft eine
neue Sattelstuetze fuer Astrids Rad zu bekommen. Die alte war der
Laenge nach eingerissen. Hab mir nicht traeumen lassen, dass so ein
Teil kaputt gehen kann. Zum Erwerb dieses Ersatzteils fanden wir uns
bei einem Gebrauchtfahrradhaendler fuer japanische Raeder im
Hafengelaende ein. Tausende alte Raeder aus Japan. Der Verkaeufer war
nett, schenkte uns die Stuetze und zeigte uns dann noch seine
selbstgebaute Achterbahn. Ein 10m Holzturm von dem man Skischanzenartig
mit dem Rad runter faehrt. Das ganze geht dann in einen Looping ueber.
Alles recht waghalsig zusammengezimmert, er meinte aber das er es schon
oefter ohne Unfall geschafft hat. Morgen werden wir uns aufmachen zum
etwa 50 km entfernten Flughafen. Uebermorgen sind wir dann schon auf
Kamschatka. Fuer uns noch gar nich richtig fassbar aber das Tagebuch
geht weiter.
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02.08.2004, 06:54 Uhr | astrid in vladivostok/russland 8611 km |
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so,
jetzt haben wir hier in vladivostok einige aufregende tage verbracht,
vielleicht nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt haetten.... mit
am strand rumliegen war da nicht viel, nachdem wir einige radfahrende
russen aus dem bike-club "extrem" kennengelernt hatten, der name ist
programm. wir hatten die gelegenheit zwei tage mit maxim auf einer, vor
vladivostok gelegenen, insel zu biken, was ab und an doch recht
abendteuerlich wurde (maxim mit mountainbike ueber stock und stein, wir
mit unseren raedern +leichtem gepaeck immer hinterhergehoppelt). dafuer
hatten wir aber auch einige grandiose ausblicke an steilen felsen, oder
hohen bergen auf land, andere inseln und meer zu verbuchen... das hat
sich gelohnt, auch wenn meine sattelstuetze, die zu anfang schon leicht
angeschlagen war, nun vollends den geist aufgegeben hat und meinen
sattel partout nicht mehr halten will.. dieses problem haben wir dann
heute erfolgreich beheben koennen, hab ne neues sattelstuetze, alles
super. morgen verlassen wir dann vladivostok auf reifenmachers rappen
gen flughafen, die berge alle wieder hoch, und am 4.8. gehts dann nach
kamtschatka, da wo die erde haeufig bebt, wos noch viele vulkane und
einige warme seen,bzw. geysiere (?)geben soll...sind leider nur fuer 2
tage dort, dann gehts weiter nach anchorage (alaska).... wir bibbern
auf jeden fall jetzt schon, ob das alles glimpflich mit raeder
auseinanderschrauben, ins flugzeug schaffen, raeder wieder
zusammenschrauben (das alles mal 2)vonstatten geht...und ob die amis
uns zwei gestalten ohne probleme einreisen lassen???? wir werden sehen,
drueckt mal alle die daumen...
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07.08.2004, 00:38 Uhr | Oli in Anchorage/Alaska/USA 8632 km |
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Flug von Vladivostok super (BusinessClass) - Kamschatka ein Tag, nur
ein paar Vulkane von weit weg gesehen, sonst nuescht - Flug nach Alaska
(Start mit Gehirnerschuetterung in Russland, Landung butterweich in
USA), ueberraschend wenig Probleme und Verhoere der Miliz wegen
fehlender Registrierung - Stop
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14.08.2004, 20:46 Uhr | Oli in BeaverCreek/Yukon/Canada 9280 km |
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Astrid
zwitschert seit Vladivostok oefter ein Liedchen welches am meisten von
einer populaeren berliner Band bekannt sein duerfte.......und das geht
so: .....mal geht's mir schlecht, .....dann geht's mir wieder gut,
.....ich jedenfalls trag' jetzt immer einen Hut. Koennte daran liegen
das ich Astrid die Haare in Vladivostok geschnitten habe, bin mir aber
nicht sicher. An Wegstrecke legen wir inzwischen ganz schoen viele
Kilometer (Miles) zurueck. Das kommt zum einem daher, dass die Strassen
sehr glatt sind (Haende und Popo werden nicht so strapaziert), zum
anderen sind die Strassen hier nicht gerade ueber den Berg gefuehrt
worden und es kommen keine 15%igen Steigungen zustande. Aussedem wird
man nicht angehupt, sondern meistens in einem grossen Bogen umrundet.
Gestern mussten wir ein wenig trampen, da die rauchige Luft (ueberall
Waldbraende) uns zu schaffen machte. Alles in allem sehr angenehm zu
fahren, vor allem in dieser riesigen Landschaft. Auch haben wir uns in
Russland schon auf einige kulinarische Produkte gefreut, die es hier
gibt und dort nicht. Nur der Kaffee macht einem hier zu schaffen. Es
ist etwa eine Gallone (Gallone = ca. 3.8 Liter) Kaffe notwendig um den
Wachwerde-Faktor einer deutschen Tasse Kaffee zu bekommen.
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14.08.2004, 20:47 Uhr | astrid in beaver creek/ canada 9280 km |
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meine
guete, ich komm schon selber nicht mehr mit, so schnell geht das mit
dem unwahrscheinlichkeitsdrive.... wir haben heute den 14.08.2004
(schoen mit der datumsgrenzueberschreitung zwischen kamschatka und
alaska/usa einen tag geschenkt bekommen zu haben), es ist 11.30am und
damit haben wir nun einen zeitunterschied von 10h nach vorne zu euch
nach deutschland (man, diese rechnerei macht mich ganz wuschig und ganz
sicher bin ich mir jetzt auch nicht), es muesste also bei euch jetzt
schon halber zehn uhr abends sein.... aber auch alaska liegt seit
gestern schon hinter oli und mir...abends sind wir ueber die canadische
grenze ins yukon-territory eingereist. alaska hat mich umgehauen, die
durch die auslaeufer der rocky mountains sehr bergige landschaft ist
fulminant!! wirklich, sooo schoen wars noch nie meiner meinung nach,
aber das sag ich fast jeden tag. und entgegen der hiesigen voraussagen
hatten wir bisher keinen einzigen regentag, warmes wetter und meist
strahlenden sonnenschein, normalerweise beginnt wohl um diese zeit im
august so langsam der winter mit viel regen und kaelte.... dieser
sommer war aber wohl ein sehr trockener, das konnten wir auch mit
eigenen augen sehen, es gab kurz vor der canadischen grenze wohl in den
letzten wochen heftigste waldbraende, wir fuhren dort durch eine
mondlandschaft mit seltsamen streichholzfoermigen baeumen, die aus dem
boden ragten. zudem wars auch ganz schoen neblig, die sonne kam durch
die dicken rauchschichten gar nicht richtig durch....und wir
mittendrin....eine freude ohne luft in den lungen fahrrad zu fahren,
was uns dann gestern auch veranlasste ein stueck zu trampen, um aus
diesen dunstschleiern herauszukommen. dieses "stueck" beeinhaltete dann
den von uns an diesem tag noch nicht erwarteten eintritt nach canada,
wir wurden sozusagen von unserem "lift" eingeschleust... ach, alaska
war wirklich herrlich, ich hatte anfangs einige
eingewoehnungsschwierigkeiten... dieser luxus, man kann an
lebensmitteln alles haben, was man sich wuenscht, allerdings ist auch
alles wieder um einiges teurer als in russland. die strassen sind wie
laufbaender, glatt und ohne schlagloecher, wir gleiten smooth dahin,
fast schon langweilig, man muss kaum auf die strasse achten, denn auch
die autofahrer passen auf wie die fuechse und fahren kilometerweite
boegen um uns rum.... schoen, das gibt uns die moeglichkeit mehr auf
die landschaft zu achten. dann diese freundlichkeit, die schier ueber
uns hereingebrochen ist, wir sind keine zootiere mehr, sondern werden
behandelt wie menschen, und das ausgenommen freundlich.....einmal ist
es sogar passiert, dass extra jemand anhielt und fragte, ob wir denn
sicher seien, dass wir uns noch auf dem richtigen weg befaenden, und
wir hatten noch nicht mal den gedanken geaeussert, dass wir jemanden
fragen wollten....wir waren auf dem falschen weg, die hilfe kam also
zum rechten zeitpunkt. dann kommt uns auch zugute, dass es hier dann
doch mehr zeltplaetze gibt als in russland, dafuer muss man zwar ein
paar dollar bezahlen, aber wir sind seitdem viel sauberer, da duschen
immer vorhanden sind, yeah :-}....meine erste "sitzung" hat wohl eine
stunde gedauert, ich entsinne mich nicht mehr so recht.... auf jeden
fall koennen wir jetzt waehlen zwischen
kein-geld-ausgeben-und-im-wald-pennen oder
geld-ausgeben-und-duschen..... also, allet jut hier...ach, und dann
haben wir wirklich noch elche am strassenrand gesehen, ausserdem schon
selbstgefangenen und -geraeucherten alaska seelachs kiloweise
verspeisen duerfen, kleinen streifenhoernchen beim fressenklauen
zugesehn..... und jetzt gehts weiter, wir sind schon von vielen leuten
darauf hingewiesen worden, dass die strecke, die wir entlangradeln
wollen superschoen sein soll.. das bisherige ist meiner meinung ja
nicht mehr zu topen, aber wer weiss es genau? wir werden auf jeden fall
nun richtung whitehorse radeln, dann weiter durch canada richtung
sueden, ueber den cassier-higway (wahrscheinlich bekommen wir sogar
noch den herbstlichen farbenzauber der baeume mit), bis ans meer, nach
prince rupert, um von dort auf die insel victoria
ueberzusetzen....also, die reise geht weiter, wuenscht uns noch recht
warmes wetter und wenig regen.....
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20.08.2004, 21:58 Uhr | Oli in Whitehorse/Yukon/Canadistan 9752 km |
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So -
habe jetzt eine Esspresssssomaschine am Rad installiert.
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20.08.2004, 22:12 Uhr | astrid in whitehorse/canada 9752 km |
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aufgrund
der vielen nachfragen...ja, ich habe auch oli die haare geschnitten in
vladivostok... allerdings bevor er sich an mir vergriff....so dass er
wohl recht glimpflich davongekommen ist. oli findet ja den haarschnitt,
den er mir verpasst hat aeusserst gelungen, er nennt mich jetzt
liebevoll struppi. hier in whitehorse haben wir, nach 2 kurz
hintereinander folgenden tagesstreckenrekorden (1.: 128 km/d , 2.: 141
km/d)eine richtige shoppingtour eingelegt. haben jetzt beide schoene
neue fahradlenkergriffe, ich habe meinen geschundenen po (aufgrund
eines reichlich durchgesessenen sattels) mit einer dieser ueberaus
schicken radlerhosen beglueckt... ich fuehle mich ein wenig in
frueheste babyzeiten zurueckversetzt mit soner windel da untenrum, aber
bequem is ja, das muss ich zugeben...:-) unserem kaffekonsum haben wir
jetzt auch gehuldigt, indem wir uns eine espressomaschine fuer den
kocher besorgt haben, jetzt sind wir wieder ziemlich autark und muessen
nicht mehr diese amerikanische pipiploerre trinken....yeah. jetzt noch
massenweise pappbrot, erdnussbutter und ketchup eingekauft...unser
speiseplan hat sich doch auch gehoerig veraendert, zu meinem
vergnuegen, und WIR werden ja nicht dick, im gegensatz zu den wirklich
ausladenden eiheimischen exemplaren, neben denen wir uns durch die
supermaktgaenge durchzwaengen muessen, meine herren, inzwischen weiss
ich auch, warum hier die plastikstuehle in bars und restaurants doppelt
so breit und stabil gebaut sind, warum die autos und ihre fahrersitze
so breit sind, die strassen so breit, ueberhaupt alles doppelt so....
ist! so, hoffentlich wird das wetter demnaechst nochmal doppelt so
warm...) P.S.: urte...super, erstmal den herzlichsten glueckwunsch von
mir!!!!! und schick mir doch bitte mal deine mail-adresse, ich wuerd
dann doch mal gerne schreiben der kirschnerin, der neuen... alles liebe
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09.09.2004, 21:48 Uhr | astrid in prince rupert/ canada 10885 km |
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ne,
jetzt muss ich erstmal gucken wann ich das lezte mal was geschrieben
habe...... ist ja doch schon laenger her, hier gibt tatsaechlich noch
weniger internet-gelegenheiten als in russland, das muss man sich mal
im kopf rumgehen lassen....allerdings haben wir auch erst vor kurzem
mitbekommen, dass in den jeweiligen buechereien meist auch ein bis
mehrere computer zur verfuegung stehen, dieses angebot nutzen wir
gerade, denn prince rupert, schoen am meer gelegen, hat ausnahmsweise
auch mal eine bibliothek. nun, wir sind jetzt endgueltig in den tiefen
canadas versunken, sind durch gegenden gefahren wo wirklich hoechstens
alle viertelstunde (waehrend der rushhour) ein auto vorbeikommt. diese
autos sind dann camper in groessenausmassen deutscher linienbusse,
vorne sitzen meist zwei aeltere verhutzelte menschlein in
ueberdimensional grossen sesseln, halbverdeckt durch das metergrosse
plueschtier (hierzulande ein elch oder baer) und winken uns
enthusiastisch zu. riesenwaegen sind das, unglaublich. aber genug von
der autofront, das soll nicht weiter interessieren. der blick wird doch
fast immer von der natur gefesselt, die uns umgibt. riesige waelder,
hohe nadel- und laubbaeume (letztere verfaerben sich langsam),
dichtestes unterholz, alles keine 10 cm entfernt der strasse. riesige
berge mit malerischen wasserfaellen, schneebedeckten kuppen oder
eisblauen gletschern. die strasse fuehrte oftmals zwischen diesen
riesen durch, ich kam mir dabei vor, als waere ich eine ameise, so
klein...... dann die seen, die sind ganz schoen se(h)enswerts. in allen
groessen und formen und farben erhaeltlich, alle schattierungen von
grau bis gruen, manchmal gleich mehrere farben in einem . ach und noch
so viel nebenher... doppelte regenbogen nach heftigsten regenschauern.
die nordlichter haben wir nun auch schon ein paar mal bewundern
duerfen. hinter whitehorse hats fuer uns auch das erste mal wieder
geschneit, wir haben den tag dann ohne radel sondern mit sitzen am
lagerfeuer und lesen verbracht. spaeter haben wir aufgrund der
steigenden nachfrage nach lagerfeuern sogar ein kleines beil erstanden,
das uns bisher auch aeusserst gute dienste geleistet hat! auch die
tierwelt laesst nichts zu wuenschen uebrig: schwarzbaeren, elche,
massenweise lachse und andere fische,weisskopfadler, eistaucher, blaue
voegel und andere komische voegel, sog."bienenraupen" u.v.m. lief,
schwamm, flog oder kroch uns ueber den weg... apropos komische
voegel..... menschen gibts hier ja auch, davon haben wir einige
getroffen, man koennte wahrscheinlich schon ein buch schreiben ueber
die verschiedenen charaktere und lebensgeschichten, die wir aufgetischt
bekommen haben. viele (fuer uns bisher 5) ausgewanderte deutsche (1.-3.
generation), eigentlich findet man hier alle nationalitaeten
versammelt. einmal haben wir einen sehr netten abend mit einem canadier
verbracht , er selber koch (eltern teils aus frankreich, teils aus
england). es war wieder ein nieseltag und wir hatten begonnen unser
angefeuchtetes zelt aufzubauen, da kam er an und lud uns ein in einem
seiner motelzimmer zu naechtigen.... george hat uns spaeter noch
heftigst verkoestigt und mit einem ausnehmend ansteckenden lachen viel
erzaehlt... die letzten zwei tage haben oli und ich mit zwei ehepaaren
verlebt, die wir beim trampen kennenlernten. das war so,...... ich war
zwei tage vorher mal wieder ordentlich auf die schnuess gefallen. oli
hatte, da er 3 baeren (nein, keine sakussotschnajar, echte exemplare
waren es) am strassenrand gesehen hatte, recht abrupt gebremst, was
mich, die ich ausnahmsweise mal nicht beide haende an den bremsen
hatte, dazu veranlasste in reichlich unfeiner art von hinten in oli
samt fahrrad reinzurauschen, nach links abzukippen und mein knie dem
asphalt bekannt zu machen. dieses begann dann auch sofort zu schmerzen
und zu bluten, ich bekam nen schreck hab mich dann aber (unter olis und
der baeren aufsicht) soweit verarztet, dass wir weiterfahren konnten.
sind an dem tag noch recht weit gekommen, auch wenns mich manchmal arg
zwickte. abends am angepeilten campground angelangt, wurden wir vom
dortigen aufseher mit:" na da seid ihr ja, ich hab euch schon seit 2
tagen erwartet!" begruesst, was mal wieder zeigt, dass auch hier das
buschtelefon gut funktioniert. am naechsten tag wollte ich noch ne
pause machen, weils mit dem bein doch nicht so gut ging, war ne gute
entscheidung, wir durften das kajak des aufsehers (uebrigens
hollaendischer einwanderer) benutzen, was sowohl mir als auch oli
schoene stunden auf dem angeschlossenen see brachte!!!! dann, der
naechste tag begann mit regen, wir aber wollten weiterfahren, also los
in einer regenpause..... es lief erstaunlicherweise gut, der sonst
uebliche gegenwind kam diesmal von hinten, dafuer begann es nach einer
weile zu schuetten und meine bein meldete sich ebenfalls wieder. so
beschlossen wir zu trampen, da das angepeilte ziel immer unerreichbarer
schien. ich hatte ja schon zweifel, ob dass bei der spaerlichen
autofrequenz klappt, aber das zweite auto hielt direkt.... war
natuerlich ein camper, ehergesagt zwei, also ein konvoi..... im ersten
wagen sassen john und ruth, im zweiten david und ruth's schwester
"pinkie". wir wurden also mitgenommen, am ersten tag bis zum
angestrebten campground, wo wir im regen unser zelt unter einem
laubendach aufschlagen durften und dann noch abends von den beiden
paaren zum essen eingeladen wurden. der zweite tag verlief aehnlich, es
schuettete seit nachts aus allen eimern, mein bein kniff auch und
ausserdem boten uns "die camper" an , uns noch bis prince rupert
mitzunehmen..... wir haben angenommen, und damit zwei aeusserst nette
tage mit vier ausnehmend netten menschen verlebt ! das sind nur wenige
beispiele fuer die tollen bekanntschaften, die wir auf diesem kontinent
gemacht haben, es faellt mir dann immer etwas schwer mich dann wieder
von diesen lieben menschen zu verabschieden, nie wissend ob man sich
nicht vielleicht mal wiedersieht..... wir haben jetzt einige
einladungen erhalten, ich bin mal gespannt, ob wir auf unserem weg
durch die usa nicht doch noch einige wiedersehen, freuen tu ich mich
drauf auf jeden fall, wenns klappt!!!!
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09.09.2004, 21:59 Uhr | Oli in PrinceRupert/BritishCol./Canada 10885 km |
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Es
regnet ungefaer seit 3 Tagen unaufhoerlich und vor etwa 2 Wochen hatten
wir den ersten Schnee ! Das muss ich vorwegschicken da ich viele Mails
erhalten habe in dem die Worte 'Sommer' und 'Hitze' oefter erwaehnt
werden. Ansonsten geht es uns blendend. Die hiesige Landschaft laesst
keine Wuensche offen. Nur das Wetter. Schwer bepackt mit allerlei
Krempel zum Essen verliessen wir Whitehorse. Die Distanzien zwischen
den einzelnen Food-Stores sind alle komplett fuers Auto ausgelegt. Geht
man dann in so einen Food-Store denkt man manchmal 'Ach wie schoen und
einfach war's in Russland'. Das kommt einfach daher das viele Doerfer
weniger als 100 Einwohner haben . Manche auch nur sechs oder sieben.
Das naechste Dorf ist dann 120 km weiter. Aber wir sind noch nicht
verhungert. Von dem bis dahin verfolgten Alaska Highway (wurde in nur
einem Jahr gebaut, 1942 um die Aleuten Inseln vor den Japanern zu
retten) bogen wir auf den Cassiar Highway bei Watson Lake ab. An der
Kreuzung gabs ein Motel und Campingplatz an dem wir schon unser Zelt im
Regen aufschlagen wollten. Aber da kam George der Koch gerannt und wies
uns ein Motelzimmer zu, wohl wissentlich das wir die einzigsten Gaeste
sein werden. Gut zu laufen schien es nicht und ein bisschen verfallen
sah es auch aus. George hatte schon ein Feuerchen an meinte heute ist
sein freier Tag - es wird gefeiert. Irgendt wann fing er an die Kueche
im nicht weit entfernten Restaurant zu pluendern und fuer uns gab es
gegrillte Rippchen und andere Leckereien. Nach etwa 4 Tagen erreichten
wir Dease Lake, eine der groessten Ortschaften (66 Einwohner) am
Cassiar Highway. Dort trafen wir Guenther, 1954 aus Deutschland
eingewandert. Seine Schwester wohnt in Potsdam-Babelsberg. Ich find's
interessant wie Leute hier wohnen. Viele sind Jagdfuehrer fuer gut
zahlende US-Amerikaner oder Minenarbeiter. Auch ein kleiner Unfall
ereignete sich. Man stelle sich eine vollkomen leere Strasse vor, wo
vielleicht alle halbe Stunde mal ein Auto vorbeikommt. Irgentwie dachte
ich es mir schon oefter, wenn ein Unfall dann fahren wir beide
aneinander. So war's dann auch. Als ich drei Baeren am Strassenrand
futtern sah hab ich vor Schreck gebremst. Das Bild von den Baeren fing
dann aber sofort an zu wackeln, weil Astrid, die hinter mir fuhr, nicht
bremste. Da lagen wir nun und ich sah noch wie ein Baer zuschaute was
wir dort machen, sicherlich auch mit dem Gedanken das wir ein bisschen
komisch sind. Am Zeltplatz in Meziadon Junction haben wir ein
ausgewanderten Hollaender kennengelernt. Er lebt und arbeitet dort als
Parkaufseher. Wie in Russland hatte es sich schon rumgesprochen das da
zwei mit Fahrrad unterwegs sind. Er lieh uns sein Kayak und wir haben
einen gemuetlichen Freitag gemacht mit paddeln, Lachse beobachten und
Ketten wechseln am Rad.
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22.09.2004, 01:57 Uhr | Oli in Thetis Island/B.C./Kanada 11363 km |
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Nun
sind wir ein paar Tage auf Thetis Island (kleine Insel zwischen
Vancouver Island und Festland gelegen) haengen geblieben, weil's so
nett ist. Der Weg dorthin war allerdings sehr feucht. Die meiste Zeit
sind wir wie aufgeweichte Bierdeckel ueber die Insel gewandert. Es fing
an mit der Bootsfahrt von Prince Rupert nach Port Hardy (Nordspitze von
Vancouver Island). Wir hatten vorsorglich etwa ein Kilometer von der
Faehre entfernt genaechtigt, da wir unsere
"Kann-nicht-frueh-aufstehen-Schwaeche" schon kennen. Es wurde alles
verfuegbare Elektronik ausgegraben die sich als Wecker missbrauchen
laesst (Handy & Miniradio). Ziel war um 6.30 AM an der Faehre
zu sein. Die ersten 10 Stunden der Fahrt betrachten wir die vielen
Inseln die links und rechts vorbeizogen.Dies ist die sogenannte
Innland-Passage, lauter zerklueftete kuest und vorgelagerte Inseln. Die
letzten 5 Stunden aber hatten eher einen diabolischen Charakter. Der
Wellengang nahm um einiges zu, der Wind auch, es wurden Papiertueten
verteilt und einige Passagiere wurden blass im Gesicht. Auch mir war
ein wenig mulmig. Nachts haben wir dann noch ein Zeltplatz gesucht und
gefunden. Die naechsten Tage haben sich abgewechselt , Regen und schoen
Wetter. Wir trafen ein Feuerwehrmann der auch mit der Faehre fuhr, auf
dem Nachhauseweg von der Arbeit. Wohnt in Vancouver, faehrt im Sommer
mit dem Fahrrad 600 km zur Arbeit und im September wieder zurueck.
Zwischendurch werden Waldbraende bekaempft. Auf der Strasse vom
Nordteil von Vancouver Island gen Sueden haben wir viel der hiesigen
Holzindustrie gesehen. Mehrere Saegewerke direkt am Wasser, hunderte
Baumtransporter (die ein eher russischen Fahrstil haben) und
Holzfaellercamps (grosser Wohnwagenhaufen). Ab Cambell River, wo
dichter besideltes Gebiet ist, verbesserte sich schlagartig unsere
Versorgungssituation. Ein Laden nach dem anderen. Wir schleppen seitdem
viel weniger Essenskram mit uns herum. Was eine
Erleichterung.................
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04.10.2004, 02:33 Uhr | astrid in port townsend/ usa 11567 km |
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"na,
da werden die tapferen radlerbeine samt anhang wohl langsam muede", das
wird so manch einem durch den kopf schwirren, wenn er unsere letzten
tagebucheintraege liest, dieser hier wird mit unter "die letzten"
gerechnet. irgendwie stimmts, aber irgendwie auch nicht.... nachdem das
taegliche radeln fuer uns so normal geworden ist, vorher wars ja doch
eher eine kurzweilige zwischenaktivitaet und hat nicht den gesamten tag
in anspruch genommen, ist es fuer uns in den letzten wochen eine so
angenehme erfahrung gewesen mal laenger als ein, zwei tage an einem
platz zu bleiben. es kam uns vor wie urlaub, der langersehnte, nach
schwerer arbeit. zuerst war da der zwischenstop bei familie luckham,
wir hatten das vergnuegen sie ca. drei wochen vorher auf einem
campingplatz kennenzulernen und wurden von ihnen eingeladen, wenn wir
ueber vancover island fahren sollten, doch bei ihnen eine kleine rast
einzulegen..... das haben wir dann auch getan und aus eigentlich
geplanten 1-2 tagen wurde eine ganze woche, die fuer mich ganz
besonders war. auf der kleinen insel, auf der die familie ihr haus
komplett selbst(!)gebaut hat, haben wir ganz aussergewoehnliche leute
kennengelernt, aussergewoehnliche freundlichkeit erfahren, einiges
tolles erlebt und vor allem auch die wunderschoene natur in und um
thetis island schauen duerfen. es war wunderschoen, z.b. der
familien-bootsausflug zur naturgeschuetzten nachbarinsel bei
strahlendem sonnenschein und mit picknick, dann selbstgebackene pizza
und brot aus dem selbstgebauten pizzaofen, ein kleines privates
harfenkonzert von gerhardt, einem ausgewanderten deutschen tischler,
der sich aufs harfenbauen spezialisiert hat. die besonders guten
frischen bagels der nachbarn. die grandiosen blicke aufs meer oder aufs
saftige gruen der baeume. die ruhe ueberall, kein
auto-oder-sonstwas-laerm.... man, da fiels mir vielleicht schwer, mich
von den so lieben leuten und der insel zu verabschieden! aber nicht
genug davon, wir brauchten nur zwei tage radlerei und schon sitzen wir
wieder fest.... bei aragorn, einem alten freund von oli, samt freundin
kate und zwei kindern (ariel und dante). same prossidure than last
time.... eigentlich wollten wir nur ein, zwei tage bleiben, wieder ist
ne woche draus geworden. so schaffen wir das nie dem winter zu
entfliehen, wobei man von diesem kalten gesellen sowieso noch kaum
ansaetze merkt...seitdem wir hier ankamen, haben wir nur strahlende
sonne gehabt. aber zurueck zu aragorn und familie,.... hier hatten wir
nun die einmalige gelegenheit wieder die raeder fuer einige tage
wegzustellen, bekamen kurzerhand rucksaecke, wasserfilterererer, karten
und eines der reichlich vorhandenen autos in die hand gedrueckt, und ab
gings, hiken in die berge. wow, ich sage euch, hier haben wir drei
phantastische tage verbracht, sind ca. 50km bergauf und bergab
gewandert, haben zwei 2000meterererer bestiegen, haben die aussicht und
wieder mal absolute stille und einsamkeit bei tag und bei nacht
genossen, dazu das leuchtende farbenspiel der pflanzen und des
himmels...... dafuer haben wir aber auch einen muskelkater mit nachause
gebracht, der uns vor schmerz heulen und gleichzeitig lachen macht, und
wir bewegen uns seit drei tagen wie alte leute auf rohen eiern und noch
schlimmer, glaubt uns bei dem anblick, den wir bieten, sowieso keiner
mehr, dass wir gut 11oookm per eigener muskelkraft zurueckgelegt
haben....ha, wenn die wuessten..... also zurueckgekehrt aus den bergen
haben wir diese wochenende dann noch feiernderweise verbracht, in dem
staedtchen hier fand ein "kinetic-sculpture-race" statt, d.h. alle
moeglichen und unmoeglichen zusammengebastelten fahrradgebilde treten
zu einem rennen an, das zu lande, zuwasser und im matsch stattfindet.
derjenige, der in der mitte ankommt hat gewonnen. das ganze unter dem
motto "karneval" und ueber zwei tage, incl. ball und queen of
what-auch-ever wahl... aber wir hatten ordentlich spass!!!! morgen
gehts aber wirklich weiter, mal sehen wo wir das naechste mal haengen
bleiben, da waere noch der alte freund in olympia, oder der in
austin/texas, oder die nette radfahrerin wohnhaft in south carolina,
oder die "camper-familie", die uns einstmals trampenderweis mitnahmen
und auch einluden..... soviele nette menschen!!!!!
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04.10.2004, 02:56 Uhr | Oli in Port Townsend/WA/USA 11567 km |
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Schreiben
kann ich dieses nur da ich keinen Muskelkater in den Fingern habe. Die
restlichen Koerperteile sind hinueber. Wir waren in den Bergen und
haben unseren ersten Sechstausender ohne Sauerstoffgeraet bestiegen
(leider wird hier in Fuss gerechnet ; also etwa 2100 Meter hoch). Wir
habens wohl ein wenig uebertrieben und deswegen der desolate Zustand.
Nach unserer ersten traumhaften Woche Urlaub auf Thetis Island haben
wir's geschafft uns auf's Rad zu schwingen und wurden nach zwei Tagen
schon wieder ausgebremst. Auch hier im Kleinstaedtchen tobt der
Wahlkampf. Die allgemeine Meinung, von dem was ich gehoert habe,
tendiert dazu das bessere Uebel zu waehlen und George Bush vom Fenster
weg zu bringen. Viele Vorgaerten sind mit lustigen farbenfrohen
Wahlplakaten geschmueckt die Drei-Woerter-Slogans skandieren und auch
ein wenig auf die politische Gesinnung des Vorgartenbesitzers
schliessen laesst.
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19.10.2004, 01:52 Uhr | Oli in Oakville/WA/USA 11727 km |
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Nun
haben wir wiedermal etwa 100 Milen in anderthalb Wochen hinter uns
gebracht. Geradewegs von Port Townsend bis nach Oakville. Der Grund
fuer diese geradezu uebermenschlichen Anstregungen liegt daran das wir
beschlossen haben eine Pause einzulegen und die Raeder mal eine Weile
stehen zu lassen. Das kann dann nur noch mehr Schwung auf der langen
Zielgeraden sein. Wir haben in den letzten Tagen nicht viel mehr getan
als es uns gut gehen zu lassen. Wir waren einmal im Kino, kochen die
leckersten Sachen und lesen viel. In ein paar Tagen werden wir weiter
fahren - Richtung Oregon.
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31.10.2004, 20:48 Uhr | astrid in oakland/washington 11800 km |
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seit
fast fuenf wochen sitzen wir jetzt schon im staate washington fest. wir
sind im monat oktober nur ca. 3-4 tage fahrrad gefahren...und das kam
so........ noch bevor wir port townsend, aragorn, kate und ihrem anhang
hinter uns liessen war klar, dass unser naechster zwischenstop oakville
(1h mit dem auto von olympia entfernt) sein sollte, wo oli nochmal ein
paar alte freunde hatte.....160 kilometer waren es, 3tage fahrradfahren
und wir waren da.... mannohmann, wieder haben wir ein kleines paradies
gefunden. sind immer noch in der "nichtemperierten" regenwaldregion,
hier waechst alles , was man sich nur voestellen kann in nachbars
garten. eric und rebecca sind es diesmal, mit denen wir unsere tage
hier teilen. sie haben einige acres land, wollen damit ihren
lebensunterhalt bestreiten, indem sie pflanzen, beeren und obst
anbauen, dazu huehner und deren eier haben, was dann alles irgendwann
mal, samt nachbarlicher produkte, in einem gemeinschafts-oekoladen
o.ae. verkauft werden soll..... so ist die idee, und dafuer arbeiten
alle hierherum, sind deswgen auch an diesem wochenende auf ne
fortbildung gefahren, waehrend oli und ich auf die huehner, enten,
katzen und den yorkshireterrier (der nachts nicht alleine rausdarf,
weil ihn die eulen/kojoten fressen koennten) aufpassen......richtiges
landleben das ist. wir selber 111111111111111111111111111( das war der
hund) leben grad in einer wunderhuebschen jurte, was fuer uns in den
ersten paar tagen aber ne heidenarbeit bedeutete, denn das ganze ding
war von brombeerranken (sind hier ein unkraut, weil sie so schnell
wachsen und schwer loszuwerden sind,ausserdem andere pflanzen toeten)
um- und ueberwuchert. wir haben superlange mir heckenscheren und
anderem geraet rumgeschnippelt, alles zusammengekarrt, pflanzen
beschnitten, rasen gemaeht, die aussenhaut der jurte gewechselt, innen
versucht, die maeuse loszuwerden (im herd leben aber noch einige),
wasser- und energieversorgung angekurbelt........ war ein knochenjob
fuer gut eine woche, dafuer haben wir jetzt aber auch ein
traumhaeuschen, mit sonnendeck, oberlicht, riesigen zedern, wahnsinnig
schoenem ausblick richtung sonnenuntergang. mir geht schon wieder das
herz auf, wenn ich an die letzten wochen denke. heute ist halloween,
alle leute sind ganz wild dabei sich zu verkleiden, in zwei tagen sind
hier die wahlen, wir haben den ganzen wahnwitzwahlkampf miterlebt....
ausserdem war da vor ein paar tagen noch eine komplette mondfinsternis,
die oli und ich in nachteskaelte auf der veranda sitzend beobachteten.
dann haben wir einige lustige morgen, abende, ganze tage mit den
nachbarn verbracht, gemeinsames essen (amerikanische kueche), ich war
mit den frauen mal in der sauna (einer der farmnachbarn hat eine aufm
grundstueck), bonfire in uebergroessen (da werden holzabfaelle des
vergangenen jahres verbrannt, ohne grosse sicherung, auf dem
grundstueck, meterhohe flammen, so riesige feuer hab ich noch nie
gesehen...), haben uns die augen eckig geguckt (endlich mal wieder
fernsehen und kino.....zivilisation)...... jeden tag gabs dann da doch
noch was, was wir machen koennten, wollten, mussten..... und so verflog
unsere zeit, seltsam, ohne radfahren, anfang oktober sind wir
angekommen, morgen ist november, mitte der woche fahren wir aber
wirklich weiter, das ist beschlossen, denn wir haben einen lift (ganz
unsportlich per auto, aber, wer vertseht uns nicht, es wir winter, auch
hier, hi)....... zur naechsten alten bekannten von oli, mal sehn
wielang wir dort dann bleiben.........
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08.11.2004, 21:01 Uhr | astrid in portland/oregon 11830 km |
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so....
alle mal unter rubrik "aktuelle kamera" nachschauen, waren
einkaufen....:-)
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18.11.2004, 00:16 Uhr | Oli in Salt Lake City 11896 km |
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Ja
wir haben unsere Reisegeschwindigkeit um einiges erhoeht und sind auf
ein Auto umgestiegen. Nach dem wir etwa 6 Wochen gebraucht haben um
durch Washington zu gelangen, haben wir es geschafft in einer Woche bis
hierher zu kommen. Die derzeitige Geschwindigkeit wird wohl erst
vermindert mit steigenden Temperaturen.
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03.12.2004, 06:05 Uhr | Oli in Austin/Texas/US 11956 km |
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Von
Salt Lake City setzten wir nun unsere beschleunigte Fahrt fort. Vorbei
am Grand Canyon, Versteinerten Waeldern, bunt bemalter Wueste, Rocky
Mountains in Colorado und New Mexico, Arizona ueber viele Kilometer
nach Austin, Texas. Fast so schnell wie man es liest sind wir auch
gefahren und haben uns doch reichlich Zeit gelassen. Unser Hauptziel ,
der Kaelte zu entkommen, haben wir erreicht. Wir konnten uns nach den
Errinnerungen in Polen, Baltikum und Russland nicht mehr vorstellen im
Schnee zu fahren oder einfach nur kalte Finger jeden Morgen zu haben.
Texas. Texas ist flach wie ein Texastoast. Viele Strassen sind auch
hier im Quadrat angeordnet. An jeder Schnittstelle im Gitter (etwa alle
20 Meilen) gibts eine Tankstelle, zwischendurch nur Rinder, Windraeder
zum Wasser pumpen ,Baumwollfelder und andere agrikulturelle
Angelegenheiten. Wie auch in Russland sind hier nachts die staendig
hupenden Zuege zu hoeren. Der Unterschied besteht hier nur darin das
man hier den Zug erst nicht mehr hoert wenn er hienter der Erdkruemmung
verschwunden ist. Um zu uebernachten mussten wir meistens in State
Parks fahren . Die sind in Texas zum einen sehr weit verstreut zum
anderen muss fuers blosse befahren meistens schon bezahlt werden.
Kleinere Preiskorrekturen sind hier von noeten. In etwa vier Tagen
werden wir Richtung Lousianna aufbrechen. Bisdahin lassen wir es uns
hier noch gutgehen, peppeln die Fahraeder ein bisschen auf (Astrid hat
seit heute einen neuen Sattel - bei dem alten ist inzwischen das Gel
voellig spurlos verschwunden) und werden Sachen waschen.
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14.12.2004, 15:19 Uhr | astrid in austin/texas 12113 km |
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je
nun, jetzt ist der dritte advent auch schon unbemerkt an uns
vorbeigesaust..... nachdem wir in salt-lake-city ausgiebig das dortige
sektentum der mormonen beaeugt hatten, ging es entlang der
"gruengepunkteten strassen" (scenic road) unserer karte weiter in den
sueden.... zuerst lockte der glen, dann der grand canyon (der eine in
utah, der andere in arizona)... war einmalig fuer uns... aufgrund der
kaelte waren an dem tag, an dem oli und ich am abgrund standen, keine,
aber auch so wirklich gar keine anderen leute zu sehen. wir waren ganz
frueh dort und konnten sehen, wie die sonne versuchte in den abgrund
runterzuleuchten.... die ruhe dort oben haben wir dann noch ausgenutzt
und unser fruehstueck dort eingenommen.....man, wer kann schon sagen,
dass er am grand canyon fruehstuecken war, ganz alleine, nur von
voegeln bezwitschert...wahnsinn! aber damit nicht genug, ging ja noch
weiter... nach dem canyon-schneisenerlebnis fuhren wir in einen
kleineren (wohlgemerkt "klein" nach amerikanischen
verhaeltnissen...also grooooss) nationalpark, der versteinerte baeume
anzubieten hatte....das ist wirklich sehenswert, die baeume schillern
in allen moeglichen farben, blau, lila, rot, gelb.... sowieso
superinteressant, wie aus nem baum ein stein werden kann, der, nachdem
er geschliffen wird schon als edelstein durchgehen koennte.... und dann
die umgebende wuestenlandschaft sah auch wie gemalt aus, hiess auch
painted desert, weil die huegel alle in den kraeftigsten rot- und gelb-
und braun-toenen gestreift sind.... und wenn man durch die landschaft
faehrt sieht man sowieso die seltsamsten felsformationen, da bleibt
keine zeit im autositz zu doesen, soviel zu gucken gibts. ach ja, und
dann kam noch was geniales... aus der wueste, wo es fuer ende november
eigentlich noch recht angenehm warm war fuhren wir wieder richtung
norden und zuerst ein stueckchen durch new mexico, dann nach norden
abbiegend nach colorado und weiter in hoehere gefide der rocky
mountains....und, was will man mehr, wir trafen auf ein skigebiet,
dicker schnee liegt da einfach malerisch rum.... und wir haben nichts
besseres zu tun, als bei der weissen pracht schnell mal skier
auszuleihen, was hierzulande sehr einfach und billig ist, und mit
achokrachoque die berge runterzusausen..... oli so ziemlich das erste
mal, nach nem halben tag schon fast schneller als ich....fast..... aber
das hat so nen spass gemacht! an thanksgiving haben wir uns aber doch
vom acker gemacht, wollten nicht im grossen pulk im schnee feststecken.
also weiter, zurueck nach new mexico und texas, wieder suedlich um die
angefrorenen nasen aufzutauen, hier wirds langsam schwierig zeltplaetze
zu finden, es gibt nicht mehr soviele stateparks, das meiste ist farm-
und ranchland, privat, und damit tabu..... hier faehrt man an
einfahrten vorbei, wo an einem galgen eine strohpuppe haengt, darunter
ein schild :"we do it the old way".....mhmmh, da fuehlt man sich
richtig willkommen..... langsam wirds fuer uns dann aber auch zeit nach
austin zu fahren, wo wir ende november das mietauto wieder abgeben...
wir sind hier zu gast bei colby, verbringen einige tage mit rumgammeln,
colby beim gaertnern helfen und mal wieder fahrrad fahren.
waehrendessen erhalten wir aber auch eine nachricht von john und ruth
(hatten wir in canada kennengelernt), die sich auf einer nahegelegenen
"kleinen" (80 acre) ranch befinden.... also nehmen wir fuer ein paar
tage abschied von colby, schwingen uns auf die saettel ( ich auf meinen
neuen, der aber nicht das haelt, was er verspricht und mir ziemliches
ungemach in bestimmten bereichen verursacht, was mich dazu veranlasst
am dritten tag die moeglichkeit des "abgeholtwerdens"
wahrzunehmen....puhhh), und sind nach drei tagen in der texanischen
pampa, mit ranch, cowboy namens cv samt acht pferden, drei kuehen,
einigen ziegen mit bewachendem lama, rehen und naderem kleingetier....
und reiten duerfen wir auch, und steinekloppen auch, schoen! drei tage
sind wir da, dann gehts wieder zurueck nach austin zu colby....und
heute leihen wir noch ein auto und fahren an die ostkueste und zurueck
nach norden, brrrrr, hoffentlich wirds nicht zu kalt, lasst den
sonnengott stark werden......brrrrr
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